Meyer setzt bei Industrie-Ansiedlung auf Ökostrom

05.03.2022 Die schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns häufen sich. In Größenordnungen von mehreren Hundert werden Industriearbeitsplätze abgebaut. Der Wirtschaftsminister sieht aber Grund zur Zuversicht.

Windräder zwischen den Inseln Rügen und Bornholm in der Ostsee. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht die Industrie in Mecklenburg-Vorpommern in einem strukturellen Wandel. Hintergrund ist, dass namhafte Firmen angekündigt hatten, ihre Produktionen in MV aufzugeben. «Ich wehre mich aber gegen den Vorwurf, dass die Löhne hier zu hoch sind», sagte Meyer der Deutschen Presse-Agentur. Die aktuellen Probleme etwa bei MV Werften seien auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen.

Hoffnung mache ihm das Wissen darum, dass energieintensive Firmen immer dahin gehen, wo Strom produziert wird. «Das wird in Zukunft mit den erneuerbaren Energien im Norden und in Mecklenburg-Vorpommern der Fall sein», zeigte sich Meyer überzeugt. Es wolle den Arbeitnehmern sagen, dass an der Küste investiert werde. Natürlich bestehe die Gefahr, dass große Firmen versuchten, die Mitarbeiter mit Arbeit und hohen Löhnen in den Süden zu locken. «Wir haben aber sehr heimattreue Mitarbeiter, die in ihrer tollen Heimat bleiben wollen.»

Zugleich sei es für ihn frustrierend zu hören, dass bestimmte Teile wegen des hohen Kostendrucks außerhalb von Europa gefertigt werden, sagte Meyer. Dann würden diese Teile möglicherweise künftig unter prekären Arbeitsbedingungen produziert, sagte Meyer. Der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex hatte die Einstellung seiner Rotorblatt-Fertigung in Rostock mit zu hohen Lohnkosten begründet. Für Meyer ist es deshalb einer der zentralen Bestandteile von Industriepolitik, das zu erhalten, was da ist. Dazu zähle auch die Nordex-Produktion von Maschinenhäusern in der Rostocker Südstadt.

Der CDU-Wirtschaftsrat MV warnte vor dem Weggang weiterer Industriezweige und einer schleichender Deindustrialisierung. «Mit der Ankündigung von Nordex, den Standort in Rostock in Teilen zu schließen, fallen wir in der Wertschöpfung weiter zurück», sagte Landeschef Andreas Mau. Nach der Werftenkrise oder der Schließung des Standorts des Motorenherstellers Caterpillar gebe es mit Nordex einen neuen Tiefpunkt.

Nach Maus Ansicht müsse sich MV mit den Küstenstandorten nicht verstecken, sondern sollte die Potenziale in Richtung Meerestechnik oder erneuerbare Energien besser ausschöpfen. «Hier wäre es wünschenswert, wenn die Landesregierung die Planfeststellungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt.»

Für den Präsidenten der IHK zu Rostock, Klaus-Jürgen Strupp, sind alle Voraussetzungen dafür vorhanden, dass sich der Standort weiterentwickeln kann. Diese seien eine permanente Flächenvorsorge, die Erhöhung der Verwaltungsgeschwindigkeit, damit Baupläne oder Flächennutzungsplan schneller erstellt werden. Gleichzeitig müsse der Wohnungsbau vorantrieben werden.

© dpa

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