Inflation in MV weiterhin auf hohem Niveau

Die Heizölpreise haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und auch bei anderen Energieträgern dreht sich die Preisspirale. Doch sind die Energiekosten längst nicht die einzigen Treiber der Inflation. Die AfD fordert zur Dämpfung der Preise Steuersenkungen.
Eine Frau hält das Bargeld für ihren Einkauf in der Hand bereit. © Jonas Walzberg/dpa/Symbolbild

Preissprünge bei Energie und Lebensmitteln treiben die Lebenshaltungskosten in Mecklenburg-Vorpommern weiter nach oben. Mit 8,1 Prozent überstieg die Teuerungsrate im Juni zum zweiten Mal in Folge die 8-Prozent-Marke. Im Mai hatte die Inflation im Nordosten mit 8,3 Prozent ein Allzeithoch erreicht. Wie aus den am Freitag vom Statistischen Amt in Schwerin veröffentlichten Daten weiter hervorgeht, wurde im Juni erstmals seit Beginn dieses Jahres wieder eine leichte Abschwächung des Preisauftriebs registriert. Im Januar hatte die Inflationsrate in Mecklenburg-Vorpommern 5,3 Prozent betragen, im Januar 2021 noch 0,9 Prozent.

Als Haupttreiber der Inflation weist die Statistik weiterhin die Energiekosten aus. So mussten Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern im Juni für Heizöl doppelt so viel bezahlen wie ein Jahr zuvor. Gas war um 24,8 Prozent, Strom um 28,8 Prozent teurer. Auch Bezieher von Fernwärme mussten tiefer in die Tasche greifen, die Kosten stiegen um 23,7 Prozent. Bei Benzin und Diesel betrug der Preisanstieg zum Vorjahr 36 Prozent, im Vergleich zum Mai gaben die Preise an den Zapfsäulen allerdings leicht nach.

Dafür mussten Konsumenten im Supermarkt weitere Preissteigerungen hinnehmen. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich binnen Jahresfrist im Nordosten um 12,9 Prozent. Besonders kräftig fielen die Aufschläge laut Statistikamt erneut für Mehl mit 57,1 Prozent und Butter mit 51,1 Prozent aus. Die Preise für Eier legten um 34,8, für Fleisch und Wurst um 19,9, für Kaffee um 23,4 Prozent zu. Auch Gemüse wurde teurer, lediglich bei Salat gaben die Preise nach.

Für Hotelübernachtungen und Gaststättenbesuche mussten durchschnittlich 10,1 Prozent mehr bezahlt werden als im Juni 2021. Die Telefonrechnungen änderten sich nach Angaben des Statistikamtes nicht, für Kulturveranstaltungen und Freizeitvergnügen stiegen die Preise hingegen um 7,9 Prozent.

Die oppositionelle AfD-Fraktion erneuerte ihre Forderungen an Bund und Land, der Geldentwertung entgegenzutreten. «Halbherzige Entlastungspakete, die saldiert deutlich unter den Mehrkosten liegen, sind keine Lösung! Es braucht keine einmaligen Geldgeschenke, sondern umfassende Steuersenkungen», sagte der AfD-Landtagsabgeordnete Martin Schmidt. Als Beispiel nannte er die Reduzierung der Umsatzsteuer. Zudem forderte Schmidt einen Notfallplan, aus dem hervorgehe, «in welcher Priorität welche Organisation konkret noch mit Gas versorgt» werde, wenn die Liefermengen weiter zurückgehen.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hatte deutschlandweit einen Anstieg der Verbraucherpreise im Juni um 7,6 Prozent gemeldet, nach 7,9 Prozent im Mai. Nach Berechnungen des Statistikamtes Eurostat erreichte die Inflationsrate in der Eurozone im Juni mit 8,6 Prozent einen Rekordstand. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angesichts der hohen Inflation für den Juli eine erste Zinserhöhung in Aussicht gestellt. Sie hinkt damit zeitlich nicht nur der US-Notenbank, sondern auch anderen europäischen Notenbanken hinterher.

© dpa
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