Fischsterben: Kommt der Nordosten mit blauen Auge davon?

Kommt die Welle noch in den Nordosten Deutschlands? Möglicherweise bleibt die Region von direkten Folgen des Oder-Fischsterbens verschont. Den Touristikern im Land hilft das aktuell nur bedingt.
Ein toter Fisch, der schon stark verwest ist, liegt am Ufer vom deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. © Patrick Pleul/dpa

Kommt der Nordosten nach dem massenhaften Oder-Fischsterben mit einem blauen Auge davon? Diese Hoffnung äußerte zumindest Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus am Freitag bei der Vorstellung erster Ergebnisse breit angelegter Wasseruntersuchungen aus dem deutschen Teil des Stettiner Haffs. «Sie zeigen keine Auffälligkeiten», sagte der SPD-Politiker in Ueckermünde.

In Brandenburg sei die Welle toter Fische bereits durch und in Polen würden teilweise Ölsperren, die die Kadaver aufhalten sollten, abgebaut. Es gebe Hinweise, dass flussaufwärts keine neuen nachkommen. Backhaus hofft außerdem auf Verdünnungseffekte im Stettiner Haff, in das die Oder mündet und das mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie der Bodensee ist.

Am Donnerstagabend habe Polen darüber informiert, dass tote Fische den südlichen Stadtrand von Stettin erreicht hätten. Damit seien sie aber immer noch etwa 60 Kilometer vom Haff entfernt. Zudem ist das Mündungsgebiet weit verzweigt.

Stand jetzt geht vom deutschen Teil des Stettiner Haffs laut Backhaus keine Gefahr aus. Den Tourismusbetrieben in der Region, die bereits einen Gästerückgang verzeichnen, dürfte diese Aussage nur bedingt weiterhelfen. Eine vorsorgliche Warnung vor dem Baden, Fischen, Angeln und der Entnahme des Wassers besteht weiterhin. Backhaus verwies auf das weiter geltende Badeverbot polnischer Behörden für die Oder und versprach: «Wenn es da aufgehoben ist und wir nichts finden, heben wir auch auf. Das kann ich Ihnen heute zusichern.»

Für Verunsicherung sorgt die bislang unklare Ursache für das Fischsterben. Mit Blick auf einen möglichen Zusammenhang mit einer Alge sprach Backhaus von einer Hypothese. Diese könnte aber einiges erklären. Das Haff solle deshalb auch auf diese Organismen untersucht werden. Außerdem sollen laut Backhaus etwa auch Muscheln auf etwaige Auswirkungen untersucht werden. Selbst wenn Algen eine Rolle spielen sollten, besteht die Frage, was deren Verbreitung ausgelöst hat.

Backhaus zeigte sich überzeugt, dass eine Einleitung bestimmter Stoffe in die Oder maßgeblich ist. «Meine Theorie lautet, es muss irgendwo zwischen Anfang Juli und Mitte Juli zu einem Eintrag gekommen sein.» Das könne eventuell auch etwas später passiert sein. Es habe ohne erheblichen Niederschlag ein deutliches Ansteigen der Oder um 30 Zentimeter und einen starken Anstieg des Salzgehaltes gegeben. «Da muss irgendwas passiert sein, und das muss aufgeklärt werden.» Um einen entsprechenden Eintrag zu identifizieren, will er auch Satellitenbilder nutzen.

Die polnische Regierung geht von einem Umweltsünder aus. Experten halten etwa einen Zusammenhang mit dem schlesischen Bergbau für möglich.

«Es muss eine Quelle gegeben haben, und die möchte ich aufgeklärt haben», sagte Backhaus. Er werde sich deswegen auch nochmals an das Bundesaußen-, -umwelt- und -innenministerium wenden. Der Minister übte erneut Kritik am Informationsfluss. Man sei erst am 11. August über das Fischsterben informiert worden. Der Austausch mit der polnischen Seite habe bis zuletzt nicht gut funktioniert. Kommunikation und Transparenz müssten deutlich verbessert werden.

© dpa
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