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Umfrage: Miese Stimmung in der norddeutschen Metallindustrie

Zu hohe Arbeitskosten, fehlende Fachkräfte, schrumpfende Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Die Mängelliste der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie ist lang. Die Folgen könnten gravierend sein. Einen kleinen Lichtblick gibt es jedoch.
Norddeutsche Metall- und Elektroindustrie
Vor den Werfttoren von Nordic Yards haben sich Arbeiter zu einem Warnstreik versammelt. © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie sieht laut einer Umfrage schwere Zeiten auf sich zukommen. «Noch nie waren so viele Arbeitgeber der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie so unzufrieden mit der Politik, der Höhe der Arbeitskosten und dem Ausmaß des Fachkräftemangels, noch nie haben so viele Unternehmen Produktionsverlagerungen ins Ausland geplant», sagte der Vizepräsident des Arbeitgeberverbands Nordmetall, Thomas Piehler, am Donnerstag. An der Herbst-Konjunkturumfrage von Nordmetall, AGV Nord sowie den Arbeitgeberverbänden Oldenburg und Ostfriesland nahmen vom 14. September bis zum 4. Oktober den Angaben zufolge 170 Metall- und Elektrobetriebe mit fast 108.000 Beschäftigten teil. Die Unternehmen stammten aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen.

Der Umfrage zufolge halten 85 Prozent der Befragten die hohen Arbeitskosten für eine schwere Last für die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie. Das seien so viele wie noch nie. 71 Prozent bewerteten den Arbeitskräftemangel als erheblichen Negativfaktor. Rund zwei Drittel der Betriebe erklärten zudem, dass sich die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert habe. Das sei der zweithöchste Wert innerhalb von sieben Jahren.

Jeder fünfte Betrieb (21 Prozent) plane deshalb inzwischen eine Verlagerung der Produktion ins Ausland - ein Höchststand und gut fünfmal mehr als vor zehn Jahren. «Wir müssen leider konstatieren, dass die De-Industrialisierung in vollem Gange ist, und nur gestoppt werden kann, wenn die Politik endlich massive Anstrengungen unternimmt, um die sehr schlechten Rahmenbedingungen umgehend zu verbessern», betonte Piehler. Bislang scheint aus Sicht der Betriebe eher das Gegenteil der Fall. Denn 52 Prozent der Unternehmen bewerten neue Gesetze als erschwerende Wirtschaftsfaktoren - mehr als doppelt so viele Firmen wie im Frühjahr 2022.

Nach Piehlers Ansicht muss die Politik unter anderem dem zur Arbeitskräftekrise angeschwollenen Fachkräftemangel endlich wirksam begegnen. «Die bisherigen Zuwanderungsinitiativen, Flüchtlings- und Langzeitarbeitslosen-Förderungen oder Projekte für mehr qualifiziertere Schulabgänger reichen nicht.» Zudem müsse die Behinderung der Transformation zur Bewältigung von Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografischem Wandel aufhören.

Der Umfrage zufolge bewerten inzwischen 28 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als schlecht oder unbefriedigend - doppelt so viele wie in diesem Frühjahr. Gleichzeitig beklage etwa ein Drittel zu wenig Aufträge - fast drei Mal mehr als im Frühling. Im kommenden Halbjahr rechnen deshalb auch nur zwölf Prozent der Unternehmen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, 27 Prozent dagegen mit einer Verschlechterung. Besonders pessimistisch blickten dabei Fahrzeugbauer und Hersteller von Metallerzeugnissen in die Zukunft - bei ihnen gehen mehr als 40 Prozent der Betriebe von einer negativen Entwicklung aus.

Entsprechend wolle auch nur noch ein knappes Drittel der befragten Unternehmen die Zahl ihrer Beschäftigten in den nächsten drei Monaten erhöhen. Im Frühjahr seien dies noch 46 Prozent gewesen. Gleichzeitig sei der Anteil jener Unternehmen, die die Zahl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduzieren wollen, von 11 auf 17 Prozent gestiegen. Unter dem Strich bleibt aber der Befragung zufolge dennoch ein Beschäftigungsplus, das rund ein Drittel der Unternehmen wegen des Fachkräftemangels nun auch mit Menschen über 50 Jahre füllen wolle. Den erwarteten rund 1200 Neueinstellungen stünden gut 200 Stellenstreichungen gegenüber.

© dpa
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