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Schwere Sturmflut setzt der Ostsee-Küste zu: Eine Tote

Das Wasser der Ostsee steigt weiter. Die Sturmflut ist heftig. Vor allem in Schleswig-Holstein wurden Höchststände erreicht und Häfen und Straßen überschwemmt. In Fehmarn kommt es zu einem tragischen Unglück.
Sturmflut an der Ostseeküste
Einsatzkräfte der Feuerwehr besprechen sich. © Frank Molter/dpa

Ein Todesopfer, überflutete Straßen und Hafenanlagen, umgestürzte Bäume - die Küste Schleswig-Holsteins ist am Freitagabend von einer schweren Sturmflut getroffen worden. In viele Städten kam es zu Behinderungen wegen gesperrter Straßen. Der Ostwind trieb das Wasser mit Orkanböen gegen Strände und Steilküsten. In Flensburg wurde ein Jahrhundertwasserstand erreicht.

Auf der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn kam ein 33-jährige Frau in ihrem Auto ums Leben, das von einem im Sturm umgestürzten Baum getroffen wurde. Das Unglück im Kreis Ostholstein ereignete sich am Freitagnachmittag, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die Frau lebte auf der Insel. Zu den genauen Umständen des Unglücks konnte die Polizei zunächst keine weiteren Angaben machen.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erwartete den Scheitelpunkt der Sturmflut am Freitagabend. In Flensburg erreichte das Wasser einen Stand von 2,22 Meter (21.25 Uhr) über dem Normalwert, wie aus der Sturmflut-Informationskarte des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums hervorging. Für Flensburg ist das der höchste Wasserstand seit über 100 Jahren.

Günther dankt Helfern

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther dankte allen Helfern. «Das ist eine herausfordernde Situation, und ich bin allen Helferinnen und Helfern sehr dankbar, die zurzeit im Einsatz sind», teilte der CDU-Politiker mit. «Polizei, Feuerwehr, THW und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landesbetrieb für Küstenschutz setzen sich dafür ein, die Situation im Griff zu behalten, und das gelingt ihnen auch.» In Kiel nahm der Katastrophenschutzstab des Innenministeriums die Arbeit auf.

Bei Heringsdorf im Kreis Ostholstein wurden mehrere Campingplätze und eine Ferienhausanlage evakuiert, da das Hochwasser fast die Krone des Deichs erreichte. Das sagte ein Campingplatzbesitzer der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend. Noch halte der Deich aber. Nach Angaben des Innenministeriums gab es Beschädigungen an Deichen auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde und im Kreis Schleswig. An den gefährdeten Abschnitten seien Einsatzkräfte bei Sicherungsarbeiten.

Die Feuerwehr hatte schon am Nachmittag von rund 110 Einsätzen in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie in Kiel gesprochen. Neben Kiel mit 36 Einsätzen gab es Schwerpunkte in der Schleiregion, in Eckernförde und Damp, wo eine Rehaklinik mit Sandsäcken gegen das steigende Wasser gesichert wurde.

In der Landeshauptstadt wurden mehrere Straßen gesperrt. In Flensburg standen die Straßen am Hafen unter Wasser. Aus Sicherheitsgründen schalteten die Stadtwerke in dem betroffenen Gebiet den Strom ab. Im Kreis Schleswig-Flensburg waren Zehntausende Sandsäcke an die betroffenen Ämter und Gemeinden ausgeteilt worden.

Hotelier von Überschwemmung betroffen

Eine Mitarbeiterin des Hotels Hafen Flensburg sagte: «Es sieht nicht gut aus. Wir haben die Schotten davor, die sind noch nicht überschritten.» Dennoch sei Wasser im Hotel, denn es sei ein altes Gebäude, da finde das Wasser seinen Weg durch die Ecken. Gäste seien nicht mehr da. Mobiliar und alles, was schaden nehmen könnte, habe man weggeräumt.

In der Lübecker Bucht trat das Wasser ebenfalls an vielen Stellen über die Ufer. Zudem blockierten ungesicherte Gegenstände sowie umstürzende Bäume teilweise die Fahrbahnen in Lübeck und im Kreis Ostholstein.

Auswirkungen auf Verkehr an Land und zur See

Auf der Ostsee stellten Fähren zeitweise den Dienst ein. So fuhr in Travemünde die Fähre zum Priwall teilweise nicht mehr, in Kiel wurde die Fördefährlinie eingestellt. Der Sturm über der Ostsee stoppte auch den deutsch-dänischen Fährverkehr auf den Strecken Puttgarden-Rødby und Rostock-Gedser vorübergehend.

Nach einer Sperrung der Bahnstrecke zwischen Neumünster und Brokstedt wurde der Regionalverkehr auf der Strecke am Nachmittag wieder aufgenommen. Viele Züge in Schleswig-Holstein verkehrten mit verringerter Geschwindigkeit, es kam zu Verspätungen. Ab 20.00 Uhr sollte der Bahnverkehr zwischen Eckernförde und Kiel, Rendsburg und Kiel sowie Husum und Kiel eingestellt werden.

Weniger Probleme in Mecklenburg-Vorpommern

In Wismar überschwemmte das Hochwasser Straßenzüge und Parkplätze. Der Schiffbauerdamm auf der Höhe «Am Hafen» und angrenzende Parkplätze waren laut Polizei nicht befahrbar. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei lag der Wasserstand schon um 18.15 Uhr bei 1,46 Meter über Normal.

Auch in Warnemünde stieg das Wasser deutlich an. Doch war bis zum Abend die Promenade am Alten Strom nicht überspült, so dass Spaziergänger bis zur Mole gehen konnten. In Rostock war die Lage am Abend ruhig. In Binz auf Rügen kippte eine vom Sturm entwurzelte Birke auf ein Auto. Aufgrund des Sturms blieb die Aussichtsplattform Skywalk am Kreidefelsen am Freitag geschlossen. In Ahrenshoop schwemmte die Sturmflut große Teile des Sandstrandes weg.

Der für Küstenschutz zuständige Minister Till Backhaus (SPD) mahnte die Menschen zur Vorsicht, auch wenn die Sturmflut zumindest für den überwiegenden Teil der Küste Mecklenburg-Vorpommerns nach den aktuellen Prognosen nicht als schwere Sturmflut einzuordnen sei.

Die Ostsee-Küste wird immer wieder von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Bei der schwersten Sturmflut an der südwestlichen Ostseeküste starben 1872 etwa 275 Menschen. Betroffen waren zahlreiche Orte an der dänischen und deutschen Küste.

An der Nordsee ist das Problem ganz anders

Der Sturm, der an der Ostsee das Wasser ans Land schob, drückte an der Nordsee das Wasser von der Küste weg und verursachte extrem niedrige Wasserstände. Das hatte Auswirkungen auf den Schiffverkehr. So fielen zahlreiche Fähren zu den Inseln und Halligen aus. «Das ist momentan extrem hier mit dem Wind und dem Wetter. Das hat man nicht oft», sagte Betriebsleiter Nick Obert von der Wyker Dampfschiffs-Reederei.

© dpa ⁄ Christiane Bosch, Sönke Möhl und Helmut Reuter, dpa
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