Kurs auf Rostock: «Leinen los» für die Hanse Sail

Rostock macht seinem Namen als Hansestadt derzeit alle Ehre: Schoner, Koggen, Rahsegler und Barken nehmen Kurs auf die Stadt und das Ostseebad Warnemünde. Die Hanse Sail beginnt.
Historische Segelschiffe kreuzen während der Hanse Sail vor Warnemünde. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Nach der coronabedingten Absage 2020 und der kleineren Jubiläumsauflage im vorigen Jahr ist die Hanse Sail in diesem Jahr wieder mit voller Takelage dabei. In Rostock und Warnemünde werden in den kommenden vier Tagen Hunderttausende Besucher zu dem maritimen Volksfest erwartet. «Die Hanse Sail schafft es, die Stadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen», sagte Rostocks amtierender Oberbürgermeister Steffen Bockhahn (Linke) am Mittwoch.

Zur 31. Auflage kommen 111 Traditionsschiffe an die Kaikanten, darunter erstmals seit sieben Jahren auch das Segelschulschiff der Deutschen Marine, die «Gorch Fock». Eröffnet wird die Sail am Donnerstagnachmittag in Warnemünde von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Das Wetter dürfte mit viel Sonne und heißen Temperaturen mitspielen - Meteorologen rechnen erst ab Montag mit Regen.

In diesem Jahr lässt es die Sail gleich mit zwei Höhenfeuerwerken krachen: eins zur Eröffnung am Donnerstag in Warnemünde und eins wie gewohnt am Samstagabend im Rostocker Stadthafen. Die Marine öffnet ihren Stützpunkt Hohe Düne für Besucher. Dort können unter anderem das polnische Segelschulschiff «Iskra» und die Korvette «Oldenburg» besichtigt werden. Auch eine Show der Marineflieger steht auf dem Programm. Drei Feldküchen sind in Betrieb.

Premiere feiert das Strandsand-Kino in der Sportbeacharena am Warnemünder Strand. Insgesamt wurden 14 Bühnen aufgebaut, auf denen Musikbands unterschiedlichste Genres bedienen, von Jazz, Pop, Schlager bis Rhythm and Blues. Die Band Keimzeit tritt wieder auf der Kogge «Wissemara» auf. Zum Volksfest gehören auch Karussells und Fahrgeschäfte sowie zahlreiche Bier- und Essstände. Laut der Rostocker Tourismusgesellschaft generiert die Sail rund 24 Millionen Euro Brutto-Wertschöpfung.

Sail-Partner der ersten Stunde ist die Hanseatische Brauerei Rostock. Deren Geschäftsführer Wilfried Ott brachte die Stimmung vieler Menschen auf den Punkt: «Wir haben jetzt im dritten Jahr die Corona-Pandemie, wir haben einen Krieg dicht vor unserer Haustür in unmittelbarer Nachbarschaft, wir haben steigende Inflation, sinkende Konsumlust - das prägt sich ein in das Gemüt der Menschen. Trotz alledem oder vielleicht auch gerade deswegen wollen sie auch schöne Erlebnisse und gemeinsam feiern. Das können sie auf der Sail.»

Ohne Schiffe wäre die Sail sinnlos. Doch die Lage der Traditionsschifffahrt ist nicht rosig, wie Ulrich Komorowski, Kapitän der 50 Meter langen Brigg «Roald Amundsen», erläuterte. Es habe mal 140 Traditionsschiffe in Deutschland gegeben, derzeit seien es noch 80. «Die Tendenz geht auf 30. Das ist besorgniserregend», so Komorowski. Er machte die falschen Normierungsvorgaben der Zulassungsbehörden verantwortlich.

Dennoch: 111 Traditionsschiffe aus dem In- und Ausland haben die Segel gesetzt oder den Motor angeworfen, um zur traditionellen Sail nach Rostock zu kommen. Das älteste Schiff ist laut Sail-Büro in diesem Jahr die 27 Meter lange schwedische Galeasse «Sarpen», die vor 130 Jahren zu ihrer Jungfernfahrt auslief. In Warnemünde machen zur Sail aber auch deutlich größere Schiffe fest: Das Kreuzfahrtschiff «Aidamar» (252 Meter Länger) wird am Freitag erwartet, die «Aidadiva» (252 Meter Länge) am Samstag.

Wer die Traditionssegler sehen oder auf ihnen mitfahren will, sollte sich am besten ohne Auto auf den Weg zu den Kais machen. «Es wird voll», prognostizierte Stefan Wiedmer, Geschäftsführer der Verkehrsverbundes Warnow, der gleich die besten landseitigen Fortbewegungstipps gab: «Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß».

Die erste Wettfahrt fand am Mittwoch bereits vor der offiziellen Eröffnung statt. Wie die Tourismuszentrale der Hansestadt mitteilte, lieferten sich sechs Haikutter und zwei Segelschiffe eine Wettfahrt zwischen Nysted in Dänemark und Rostock. Aufgrund der schlechten Windverhältnisse mussten die historischen Fischkutter den Angaben nach jedoch vor allem auf ihre Motoren vertrauen.

Auch der erste Unfall der diesjährigen Hanse Sail muss schon ins Logbuch eingetragen werden. Nach Angaben der Landeswasserschutzpolizei lief das Segelschiff «Regina Maris» am Vormittag im Rostocker Stadthafen auf Grund. Der unter holländischer Fahne fahrende Dreimaster musste demnach von zwei anderen Gast-Schiffen freigeschleppt werden. Die Besatzung blieb unverletzt, dem Schiff wurde jedoch von der Berufsgenossenschaft Verkehr vorläufig ein Fahrverbot auferlegt.

© dpa
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