Rockerähnliche Gruppierung verboten: Razzien auch im Norden

Erst das Verbot, dann die Razzien: Die Polizei geht in mehreren Bundesländern gegen die rockerähnliche Gruppierung «United Tribuns» vor. Durchsuchungen gibt es auch in Schleswig-Holstein.
Zahlreiche beschlagnahmte Waffen und eine Leder-Jacke liegen auf einem Tisch im Polizeipräsidium. © picture alliance/dpa/Archiv

Nach dem bundesweiten Verbot der rockerähnlichen Gruppierung «United Tribuns» hat es in Schleswig-Holstein Razzien in Lübeck, Kiel und im Kreis Segeberg gegeben. Dies geht aus Angaben des Innenministeriums in Kiel vom Mittwoch hervor.

Zwei Beamte seien bei einem Angriff eines Hundes im Kreis Segeberg leicht verletzt worden, sagte ein Sprecher. Das Tier sei mit einer Schrotflinte erschossen worden. Gegen Mittag waren die Aktionen laut Innenministerium weitgehend abgeschlossen. Durchsuchungen gab es in neun Bundesländern.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte am Mittwochmorgen mitgeteilt, dass die Vereinigung «United Tribuns», der bundesweit rund 100 Mitglieder zugeordnet werden, ab sofort verboten ist. Mitglieder hätten schwerste Straftaten begangen, unter anderem Sexualstraftaten, Menschenhandel und versuchte Tötungsdelikte.

Die Kieler Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) begrüßte das Vereinsverbot und die damit verbundene Auflösung der Gruppierung. «Gegenüber rockerähnlichen Gruppierungen, die wiederholt schwere Straftaten begangen haben, verfolgen wir in Schleswig-Holstein noch immer eine Null-Toleranz-Strategie. Solche Vereine dulden wir bei uns nicht!», sagte sie am Mittwochmorgen. «Mein Dank gilt den über 400 Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamten in Schleswig-Holstein, die die umfangreichen Durchsuchungsmaßnahmen akribisch vorbereitet haben und derzeit durchführen.»

Nach Angaben Sütterlin-Waacks hatten die «United Tribuns» insbesondere gegenüber anderen Rocker- beziehungsweise rockerähnlichen Gruppierungen versucht, ihren territorialen und finanziellen Einfluss mit Gewalt zu erhöhen. Zu diesem Zweck hatten Mitglieder des Vereins den Angaben zufolge wiederholt schwere Körperverletzungs- und versuchte Tötungsdelikte begangen.

In Schleswig-Holstein wurden nach Ministeriumsangaben am Mittwochmorgen 37 Objekte der Gruppierung mit dem Ziel der Beweissicherung und der Vermögenseinziehung durchsucht. Von den bundesweit 13 «Chaptern» der «United Tribuns» befinden sich vier in Schleswig-Holstein mit Schwerpunkt in der Hansestadt Lübeck. Die dortige Polizei hatte vor zwei Jahren die Bekämpfung der sogenannten Rockerkriminalität zu einem Schwerpunkt erklärt. Auslöser waren Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Gruppen.

Insgesamt sind am Mittwochmorgen nach Angaben der Bundesinnenministerin in Zusammenhang mit dem Verbot Objekte in neun Bundesländern durchsucht worden. Es seien größere Mengen Bargeld, Drogen, «in einer hohen Anzahl» Waffen und gefährliche Gegenstände gefunden worden wie Schusswaffen, Macheten, Baseballschläger und Schlagringe, gab das Ministerium an. Beschlagnahmt wurde demnach zudem ein 3D-Drucker, mit dem mutmaßlich Schlagringe hergestellt worden waren. Das Vereinsverbot erfolge in Abstimmung mit den Innenministerien von Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Der Verein und seine «Chapter» werden aufgelöst, das Vereinsvermögen beschlagnahmt, wie das Bundesinnenministerium mitteilte.

Mitglieder der «United Tribuns» hätten schwerste Straftaten begangen, unter anderem Sexualstraftaten, Menschenhandel und versuchte Tötungsdelikte, sagte Faeser. Sie betonte: «Wir müssen als Rechtsstaat sehr deutlich zeigen, dass wir Gruppierungen, von denen so schwere Straftaten ausgehen, nicht dulden.»

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums war die Gruppierung 2004 von einem ehemaligen bosnischen Boxer im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen gegründet worden. Ihr gehören Deutsche und Ausländer an, die überwiegend aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien stammen.

Der Gründer hält sich nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden nicht mehr in Deutschland auf. Der Mann, der während des Krieges in Bosnien als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, arbeitete demnach zunächst als Türsteher und gründete später mit anderen zwei Bordelle. Die Gruppe lieferte sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Rockergruppierungen wie den «Hells Angels».

© dpa
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