Erstes Kulturmonitoring: Land reformiert Kulturförderung

Ob Staatstheater oder Dorfverein, Kultur kommt ohne staatliche Förderung kaum aus. Immer wieder klagten Träger der Kulturlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern über unsteten Mittelfluss und zu viel Bürokratie. Das soll sich nun ändern.
Bettina Martin, Kulturministerin von Mecklenburg-Vorpommern, lächelt. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Arhcivbild

Mecklenburg-Vorpommern stellt seine finanzielle Kulturförderung neu auf und sichert Trägern und Organisatoren kultureller Angebote mehr Planungssicherheit zu. Wie Kulturministerin Bettina Martin (SPD) am Dienstag in Schwerin mitteilte, wird der bürokratische Aufwand für die Bezieher der Mittel gesenkt. Die bislang auf zwei Jahre begrenzte höchstmögliche Förderdauer solle zudem auf vier Jahre ausgeweitet werden. Mit der Einführung von Mindesthonoraren werde ein Beitrag zu einer gerechteren Entlohnung von Künstlerinnen und Künstlern geleistet. Die neue Richtlinie werde voraussichtlich von Anfang 2023 an gelten, sagte Martin.

Eine Mittelaufstockung zusätzlich zu der Anhebung der Gesamtsumme um 2,5 Prozent pro Jahr sei angesichts der Finanzlage des Landes nicht möglich. «Mehr Geld wäre immer gut, gerade für die Kultur. Wir sind aber schon froh, dass wir die Dynamisierung des Kulturetats festgeschrieben haben», sagte die Ministerin. Sie verwies zudem auf Hilfsprogramme von Bund und Land, die Kulturschaffenden während der Corona-Krise geholfen hätten und ihnen nun auch für die Bewältigung der Energie-Preis-Krise zur Verfügung stünden.

Mit der neuen Kulturförderung würden auch die in einem breiten Dialog mit den Betroffenen entwickelten Leitlinien für die Kultur umgesetzt. «Dafür haben wir auch eine Bestandsaufnahme in Auftrag geben, deren Ergebnisse nun vorliegen und die in ihrer Systematik bundesweit einmalig ist», erklärte Martin bei der Präsentation der 160 Seiten umfassenden Datensammlung. Sie wurde vom Servicecenter Kultur der KARO gAG in Rostock zusammengestellt und kostete 70 000 Euro.

Laut Studie flossen im untersuchten Jahr 2019, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie, im Nordosten insgesamt 211,6 Millionen Euro an öffentlichen Geldern in die Kultur. Davon stammten 89,6 Millionen aus verschiedenen Ministerien des Landes, Städte und Gemeinden steuerten 91,2 Millionen, die Landkreise weitere 18,8 Millionen, der Bund 9,5 Millionen und die EU 2,2 Millionen Euro bei. Gerade beim Nutzen europäischer Fördertöpfe gebe es aber noch Potenzial, sagte Martin. Daher werde es dazu bereits am 17. November in Rostock eine Fachtagung mit Kulturträgern geben.

Wie die Untersuchung bestätigte, findet Kultur vor allem in den größeren Städten statt. Die staatlichen Zuwendungen dort erreichten pro Kopf und Jahr rund 100 Euro. Auf dem Lande lag der Wert bei 20 Euro. Martin verwies allerdings darauf, dass Träger kultureller Einrichtungen ihren Sitz meist in Städten hätten, aber auch ins Umland ausstrahlten. Als Beispiel nannte sie die vom Land massiv geförderten Musikschulen. Zudem würden Theater, Museen und Kinos auch von Menschen besucht, die auf dem Lande wohnen.

Laut Studie erhielten Theater und Orchester mit knapp 27 Millionen die höchsten Zuwendungen des Landes. Fünf Millionen Euro gingen an öffentliche Träger, vier Millionen an nicht öffentliche Träger der Kulturförderung. Landesgeld floss zudem in die Denkmalpflege, an Kulturstiftungen, Museen und Musikfestivals. Martin verwies darauf, dass in vielen Orten des Landes große Teile des kulturellen Angebots von ehrenamtlich Tätigen organisiert werden. «Die Kulturlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist längst nicht nur geprägt von der Hochkultur», sagte sie.

© dpa
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