Demo erinnert an Übergriffe in Lichtenhagen

30 Jahre nach den rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sind zahlreiche Demonstranten in den Stadtteil gekommen. Statt nur zu erinnern, stellen sie auch Forderungen.
Sonnenblumen stehen bei der Gedenkveranstaltung vor dem Sonnenblumenhaus. © Jens Büttner/dpa

In Rostock-Lichtenhagen haben am Samstag Tausende Demonstranten und Demonstrantinnen an die rassistischen Ausschreitungen in dem Stadtteil vor 30 Jahren erinnert und gegen Rassismus protestiert. Nach Polizeiangaben waren es in der Spitze etwa 3600 Menschen. Die Organisatoren sprachen von bis zu 5000 Menschen.

«Erinnern heißt Verändern!», forderten die Menschen unter anderem auf ihren Bannern. Nach Aussage von Imam-Jonas Dogesch, Sprecher der Demo-Organisatoren, sind die politischen Folgen der Ausschreitungen immer noch aktuell. So habe die danach beschlossene Asylrechtsverschärfung de facto das Recht auf Asyl abgeschafft. Flüchtlinge seien außerdem immer noch von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt.

30 Jahre lang sei zudem die Perspektive von Sinti und Roma nicht beachtet worden, die auch von den Ausschreitungen betroffen waren. Sein Höhepunkt sei der Redebeitrag der Tochter eines der Roma gewesen, die 1992 in der Aufnahmestelle in Lichtenhagen gewesen seien, erklärte Dogesch.

Rednerinnen betonten unter anderem, dass Lichtenhagen kein Einzelfall gewesen sei und verwiesen auf andere Angriffe Anfang der 1990er Jahre. Polizei und Sicherheitsorgane wurden teilweise deutlich in Sprechchören kritisiert, etwa wegen des Umgangs mit den Morden der rechtsextremistischen Terrorzelle NSU. Außerdem wurde gefordert, die damals in Lichtenhagen betroffenen Sinti und Roma materiell zu entschädigen und ihnen ein Rückkehrrecht einzuräumen.

Ein Bündnis aus Vereinen und Initiativen hatte in ganz Deutschland für die Demonstration in Lichtenhagen mobilisiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten unter anderem mit Bussen an. Sie zogen durch Lichtenhagen und einen angrenzenden Stadtteil. Die Polizei zog nach der Abschlusskundgebung am Abend ein positives Feedback. Es habe keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben.

Im August 1992 hatten Anwohner und Neonazis unter dem Applaus Tausender Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter angegriffen und teils in Brand gesetzt. Die Ausschreitungen gelten als die bis dahin schlimmsten rassistischen Übergriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dogesch forderte die Ereignisse konsequent als Pogrom zu bezeichnen. Es habe sich um einen gezielten Angriff gegen bestimmte Gruppen gehandelt mit dem Ziel, diese zu vertreiben.

© dpa
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