Pandemie macht keine Pause: Krankenstand wird zur Belastung

26.06.2022 Während die Corona-Infektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern wieder steigen, klagen Unternehmen bereits über hohe Krankenstände. Bioinformatiker Lars Kaderali sieht im Herbst die Gefahr weiterer Belastungen.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Der hohe Krankenstand im Land in Folge der Corona-Pandemie wird zusehends zum Problem. Während Unternehmen bereits klagen, könnte eine steigende Zahl an Krankmeldungen im Herbst laut dem Bioinformatiker Lars Kaderali auch Folgen für die kritische Infrastruktur haben. «Was ich mir aber schon vorstellen kann, ist, dass wir noch mal eine starke Welle kriegen», sagte das Mitglied des Corona-Expertenrates der Bundesregierung der Deutschen Presse-Agentur.

Zur kritischen Infrastruktur zählen etwa Polizei, Feuerwehr, Kliniken oder Wasserwerke und Energieversorger. Für weniger wahrscheinlich halte er, dass die Intensivstationen erneut an ihre Belastungsgrenzen stoßen. «Auch das ist nicht auszuschließen, aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer.»

Aus Sicht des Unternehmerverbands in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich die Entwicklung bereits ab: «Die Betriebe beschäftigt nicht allein der Ausfall von Beschäftigten durch die eigene Erkrankung. Es nehmen die Fälle zu, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund einer Corona-Infektion des Kindes zu Hause bleiben müssen», sagte Sven Müller, Geschäftsführer des Unternehmens-Dachverbandes VUMV. Besonders bei kleineren Betrieben sei die Personal- und Arbeitsplanung deshalb weiter schwierig.

Der von den Gesundheitsbehörden gemeldete starke Rückgang der Corona-Neuinfektion seit Ende März führte demnach nicht zu einer entsprechenden Entlastung in den Unternehmen: Das Landesamt für Gesundheit und Soziales registrierte einen Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner von 2367 auf 151 zwischen Ende März und Anfang Juni. Seit diesem Tiefpunkt sind die Corona-Zahlen wieder angestiegen und liegen aktuell bei 522 (Stand Freitag).

Dass Infektionszahlen und Krankenstand nicht zwingend im Gleichschritt verlaufen, legen die registrierten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) der gesetzlichen Krankenkassen AOK, Techniker und Barmer zwischen Ende März und Anfang Juni nahe: Zwar fiel der Höchststand der Krankmeldungen bei AOK und Barmer mit dem Höhepunkt der Corona-Welle zusammen, danach entkoppelte sich die Entwicklung jedoch.

Während bei der Barmer ein deutlicher Rückgang der Krankschreibungen beobachtet wurde, fällt dieser unter den AOK-Versicherten deutlich geringer aus. Die Techniker Krankenkasse beobachtete insgesamt einen geringen Einfluss der Pandemie auf ihre Zahlen. Laut dem Verband der Ersatzkassen vdek hat die AOK im Nordosten über 400.000 Versicherte, die Techniker laut eigenen Angaben rund 200.000 und die Barmer gibt diese Zahl mit ungefähr 268.000 an.

Der Unternehmerverband forderte mit Blick auf den Herbst indes bereits mehr Einsatz von der Politik. «Die Bundesregierung ist gefordert, gemeinsam mit den Bundesländern frühzeitig alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen», so Müller. Die Pandemie sei noch nicht vorbei.

Kaderali sieht das ähnlich: Bei der Überarbeitung des Infektionsschutzgesetzes wünsche er sich von der Bundesregierung «ein bisschen mehr Tempo». Die Sommerpause stehe bevor. Danach werde man «sehr knapp wieder im September anfangen, am Infektionsschutzgesetz rumzubasteln, wenn vielleicht schon die nächste Welle losläuft». Die aktuellen Corona-Bestimmungen im Infektionsschutzgesetz laufen am 23. September aus.

Auch die Kliniken im Land blicken besorgt auf den nahenden Herbst, jedoch noch aus einem ganz anderen Grund. Im Zuge der vor allem bis Ende März hohen Corona-Infektionszahlen im Land und der hierdurch entstandenen Belastung für die Kliniken habe das Personal kaum Urlaub genommen, erklärte Uwe Borchmann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern. Dieser Bauch an Überschusstagen sei nun bis Jahresende schwerlich abzubauen und führe zu einem Engpass.

Derzeit wollten - wie auch sonst üblich - viele Beschäftigte freinehmen, mit Blick auf die Besetzung der Stationen sei dies nicht immer möglich, so die Krankenhausgesellschaft. Der weiterhin ungewohnt hohe Krankenstand verschärft die Situation zusätzlich, wobei laut Borchmann die Zahl der Corona-Erkrankungen unter dem medizinischen und pflegerischen Personal - im Vergleich zu anderen Berufsgruppen - auf einem vergleichbaren Niveau liegt.

Ein hoher Krankenstand, viele offene Urlaubstage und eine erneut steigende Zahl an Corona-Infektionen im Herbst könnten sich für die Kliniken also zu einer schwierigen Gemengelage zuspitzen.

© dpa

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