Corona-Erkrankungen häufig bei Erziehern und Praxispersonal

Corona-Infektionen führen oft zu Personalengpässen in Betrieben und Einrichtungen. Die größten Lücken reißt die anhaltende Pandemie aber in Kitas und in den Vorzimmern von Ärzten. Doch es ist nicht allein das Coronavirus, das zuletzt die Krankschreibungen ansteigen ließ.
Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. © Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Kindertagesstätten und Arztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern haben in der ersten Hälfte dieses Jahres besonders stark unter Corona-bedingten Personalausfällen gelitten. Wie eine Analyse der Krankschreibungen von Versicherten der AOK Nordost ergab, meldeten sich zwischen dem 1. Januar und dem 30. Mai 17,9 Prozent der dort versicherten Erzieherinnen und Erzieher nach einer ärztlich diagnostizierten Corona-Infektion krank. Die Quote habe damit doppelt so hoch gelegen wie im Durchschnitt aller Berufsgruppen im Land (9,4 Prozent), teilte die Krankenkasse am Freitag mit.

Krankmeldungen zwischen 13 und 17 Prozent wurden auch für medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte, Bankkaufleute, Verwaltungsmitarbeiter, Physiotherapeuten und Altenpfleger ermittelt. Im Durchschnitt fehlten die Betroffenen knapp zehn Tage bei der Arbeit. Auch andere Krankenkassen hatten besonders hohe Infektionsquoten bei Beschäftigen in Betreuungs- oder Pflegeberufen registriert. Betroffen waren und sind auch viele Krankenhäuser.

Die Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Daniela Teichert, nahm die hohen Krankenstände zum Anlass, von der Politik ein zielgerichtetes Konzept zur Eindämmung der Pandemie zu fordern. «Die Bundesregierung sollte sich nun zeitnah auf eine neue Rechtsgrundlage für Corona-Schutzmaßnahmen einigen, damit im Hinblick auf den Herbst zielgenaue Schutzmaßnahmen möglich sind», sagte sie. An die Arbeitgeber appellierte Teichert, die Erfahrungen der vergangenen Monate auszuwerten und selbst Schutzmaßnahmen für ihre Belegschaften zu ergreifen.

Für die Studie hatte das wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen laut AOK rund 13.600 Krankschreibungen von AOK-Versicherten aus Mecklenburg-Vorpommern ausgewertet. Nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen ist die AOK im Nordosten mit mehr als 400.000 Versicherten die größte gesetzliche Krankenkasse im Land.

Wie aus Daten der deutlich kleineren KKH Kaufmännischen Krankenkasse hervorgeht, sorgt nicht allein das Coronavirus für Personalengpässe in Unternehmen und Einrichtungen. Im ersten Halbjahr seien Arbeitnehmer vermehrt auch wegen grippaler Infekte, Schnupfen oder Bronchitis ausgefallen. Bundesweit gingen 30 Prozent der Krankheitsfälle bei Berufstätigen auf Atemwegserkrankungen zurück. In der ersten Hälfte des Vorjahres, als wegen der Corona-Pandemie Kontaktbeschränkungen und verschärfte Maskenpflicht herrschten, habe der Anteil mit 14 Prozent nur halb so hoch gelegen.

Die KKH verzeichnete unter ihren etwa 45.000 Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern im ersten Halbjahr einen Krankenstand von 7,2 Prozent und damit den höchsten seit Jahren. Der Wert lag auch deutlich über dem ebenso gestiegenen bundesweiten Durchschnitt von 6,0 Prozent.

Auch die Barmer verzeichnete unter ihren Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern einen deutlichen Anstieg bei den Atemwegserkrankungen. Nach einer ersten Welle Ende März seien die Zahlen von Juni an erneut noch oben gegangen. Wie die mit 265 000 Versicherten zweitgrößte Ersatzkasse im Land mitteilte, wurden allein in der Woche vom 26. Juni bis 2. Juli knapp 3000 ihrer Versicherten wegen eines Infekts krankgeschrieben. Die Zahl dieser Krankschreibungen sei damit dreimal so hoch gewesen wie im Vorjahres-Zeitraum.

«Die aktuell hohen Zahlen an Krankmeldungen wegen einer Atemwegserkrankung haben mitunter mehrere Ursachen. Dazu gehört sicherlich auch, dass es im Unterschied zum Vorjahr keine Homeoffice-Pflicht mehr gibt. Wer mehr Kontakte im Büro hat, der hat ein höheres Infektionsrisiko», konstatierte Barmer- Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach. Zudem könne es auch sein, dass Beschäftigte im vorigen Jahr bei Husten und Schnupfen auf eine Krankmeldung verzichteten, wenn sie von zu Hause aus arbeiteten.

Der Zuwachs an Krankschreibungen insgesamt geht nach Einschätzung der Kassen auch auf den seit Beginn des Sommers registrierten Anstieg der Corona-Infektionen zurück. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales meldete am Donnerstag 1545 festgestellte Corona-Neuinfektionen im Land. Im Mai waren die Zahlen deutlich niedriger, auf Höhepunkt der letzten Welle im März mit täglich bis zu 8000 aber auch viel höher.

Allerdings gelten die Daten als schwer vergleichbar, da aktuell deutlich weniger getestet wird. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Hospitalisierungen schwankt seit Tagen um den Wert 6, Mitte März war er mehr als doppelt so hoch.

© dpa
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