9-Euro-Ticket-Debatte: Meyer erwartet keine Langzeitwirkung

Die hohen Energiepreise knabbern kräftig am Familienbudget. Der Staat verspricht Entlastung. Helfen soll unter anderem ein kräftig verbilligtes Nahverkehrsticket. Doch das ist nicht unumstritten.
Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) bei einer Pressekonferenz. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht mit dem 9-Euro-Ticket im Nahverkehr ab Anfang Juni insbesondere auf Tourismusregionen zusätzliche Probleme zukommen. Die Gültigkeit der verbilligten Fahrpreise von Anfang Juni bis Ende August falle genau in die touristische Hauptsaison. Dann könne man zwar für 9 Euro im Monat aus Hamburg oder Berlin rasch mal an die Küste fahren, zusätzliche Regionalzüge seien bislang aber nicht eingeplant. «Gute Idee, aber schlecht gedacht für die Umsetzung. Und umsetzen müssen es die Länder», sagte Meyer vor dem Treffen der Verkehrsminister, das am Donnerstag in Bremen beginnt.

Dabei soll auch über das vom Bund beschlossene 9-Euro-Ticket gesprochen werden. Es ist Teil des Entlastungspakets der Koalition aus SPD, Grünen und FDP zur teilweisen Kompensation der gestiegenen Energiekosten.

Meyer zeigte sich skeptisch, dass mit dem 9-Euro-Ticket neben einer kurzfristigen Entlastung für Verbraucher auch langfristig eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs erreicht werden kann. «Solche Aktionen, die nur für drei Monate stattfinden, wahrscheinlich ohne Folgewirkung bleiben und unter den Bedingungen schwer umzusetzen sind, sind eigentlich nicht der richtige Weg, um wirklich für den ÖPNV zu werben», sagte der SPD-Politiker.

Er erneuerte die Forderung der Länder nach höheren Zuweisungen des Bundes für den regionalen Zugverkehr. Bislang stehen als sogenannte Regionalisierungsmittel gut acht Milliarden Euro pro Jahr bereit. Die Länder verlangen für 2022 mindestens 750 Millionen Euro mehr und für das kommende Jahr drei Milliarden Euro zusätzlich. Laut Meyer würde bei Fortdauer der bisherigen Regelung Mecklenburg-Vorpommern noch über neun Jahre konstant etwa 280 Millionen Euro erhalten. «Wir gehen nicht davon aus, dass wir 2031 für dieses Geld noch die gleichen Leistungen bestellen können wie heute», sagte er.

Kritik am 9-Euro-Ticket kam auch von der oppositionellen CDU: «Ein Billigticket ist vielleicht für Tagestouristen attraktiv, die im Sommer unser schönes Bundesland besuchen möchten. Die Menschen, die hier leben, haben nichts davon», sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Peters. Nach seiner Meinung wäre es besser und nachhaltiger gewesen, mit den 2,5 Milliarden Euro das Angebot im Bus- und Schienenverkehr im ländlichen Raum auszubauen.

© dpa
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