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Menschenketten nach Vorfall von Grevesmühlen - Ermittlungen

Eine Woche nach dem mutmaßlich rassistischen Vorfall in Grevesmühlen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Mit Menschenketten wird unterdessen gegen Gewalt demonstriert.
Menschenkette für Toleranz und Zusammenhalt
Teilnehmer schwärmen aus zu einer Menschenkette als Zeichen gegen Gewalt und für Zusammenhalt. © Bernd Wüstneck/dpa

Eine Woche nach dem mutmaßlich rassistischen Zwischenfall um eine ghanaische Familie in Grevesmühlen dauern die Ermittlungen zum Hergang weiter an. Unterdessen demonstrierten am Donnerstagabend Hunderte Menschen in Grevesmühlen und Schwerin mit Menschenketten gegen Gewalt und Rassismus.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin wertet weiterhin die von Zeugen zur Verfügung gestellten Fotos und Videos aus. Dabei liege ein Fokus auf der Frage, ob ein gefährlicher Gegenstand eine Rolle gespielt habe, sagte ein Behördensprecher. Die «Ostsee-Zeitung» hatte berichtet, dass in einem Video vom Geschehen ein junger Mann von anderen Jugendlichen zurückgehalten wird und im Hintergrund Personen brüllen: «Er hat ein Messer!».

Anderen Medienberichten zufolge sollen einige der jungen Leute, die im Plattenbaugebiet Ploggenseering in den Vorfall verwickelt gewesen sein sollen, kurz zuvor einen Platzverweis beim Grevesmühlener Stadtfest nach ausländerfeindlichen Äußerungen bekommen haben. Auch dazu werde ermittelt, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Die Polizei hatte mitgeteilt, dass zwei der Tatverdächtigen vom Ploggenseering bereits wegen politisch motivierter Kriminalität polizeibekannt seien.

Am Donnerstagabend versammelten sich laut Polizei in Grevesmühlen rund 460 Menschen. Die Veranstalter sprachen von 500 Teilnehmern. Diese verbanden sich mit bunten Bändern zu einer Kette durch das Plattenbaugebiet, wo sich der Vorfall ereignet hatte. An der Menschenkette beteiligten sich Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler (parteilos), Mecklenburg-Vorpommerns Kulturministerin Bettina Martin (SPD) und der Wismarer SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Junge.

Auch rund um den Schweriner Dom bildete sich am Donnerstagabend eine Menschenkette als Zeichen gegen Rassismus. Daran nahmen Landesjustizministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) und der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße teil. Mecklenburg gehört zum Erzbistum Hamburg. Die Domgemeinde Schwerin hatte dazu aufgerufen, Menschenketten um alle Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern zu bilden. Die Teilnehmer sollten dabei Kerzen in den Händen halten.

Am Freitagabend vergangener Woche war es laut Polizei am Ploggenseering in Grevesmühlen zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe deutscher Jugendlicher und einem ghanaischen Vater gekommen, wobei der Mann leicht verletzt wurde. Er wollte demnach die Gruppe zur Rede stellen, nachdem ein Elfjähriger seiner achtjährigen Tochter ein Bein gestellt haben soll. Bei der Auseinandersetzung fielen den Angaben zufolge rassistische Äußerungen. Auch gegen den ghanaischen Vater wurden laut Polizei Anzeigen wegen Körperverletzung erstattet.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als es zunächst von der Polizei hieß, dass dem achtjährigen Mädchen ins Gesicht getreten worden sein soll und es verletzt sei. Diese Angaben wurden später korrigiert. Das Mädchen blieb demnach unverletzt und ihm war den Angaben zufolge auch kein Tritt ins Gesicht versetzt worden. Der Elfjährige habe das Mädchen mit seiner Fußspitze getroffen, als er ihm mit seinem ausgestreckten Bein den Weg verstellt habe.

© dpa
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