Energiesorge: Krankenhäuser, Urlaubs- und Ernährungsbranche

Beim Energiegipfel kommende Woche wird sich die Landesregierung mit Sorgen aus vielen Lebensbereichen auseinandersetzen müssen. Das wird wenige Tage zuvor noch einmal deutlich.
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift «Krankenhaus» weist den Weg zur Klinik. © Marcus Brandt/dpa/Symbolbild

Vor dem für Montag geplanten Energiegipfel der Landesregierung haben neben der Ernährungs- und der Tourismusbranche auch die Krankenhäuser im Nordosten die Dringlichkeit des Themas unterstrichen. Sie sehen wegen hoher Energiepreise die Patientenversorgung gefährdet. «Wir müssen damit rechnen, dass bereits im ersten Quartal 2023 nicht mehr alle Krankenhäuser ihre Patienten vollumfänglich versorgen können, denn sie können sich den Einkauf von Strom und Gas, gepaart mit ohnehin stark gestiegenen Verbrauchsmaterialpreisen, schlichtweg nicht mehr leisten», sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, Uwe Borchmann, am Mittwoch in Schwerin. Einigen Häusern drohe ohne finanzielle Hilfen oder harte Einsparungen gar die Insolvenz.

Große Sorgen bestehen auch bei der Ernährungswirtschaft im Land. «Viele Unternehmen haben schlicht Angst um ihre Existenz», teilte der Agrarmarketing-Verein (AMV) am Mittwoch mit. Vorsitzender Tobias Blömer forderte vor dem für Montag geplanten Energiegipfel mehr Aufmerksamkeit von der Politik: «Als Branche mit dem weitaus höchsten Umsatz im verarbeitenden Gewerbe unseres Bundeslandes finden wir momentan gefühlt nicht statt.»

Energiekosten machen laut Mitteilung in der Lebensmittelproduktion häufig einen erheblichen Teil der Produktionskosten aus. Für die vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägte Branche sei nicht nur Wärme, sondern die vielerorts einzuhaltende Kühlkette unerlässlich. Nach Optimierungen vergangener Jahre gebe es kaum noch Einsparpotenziale.

Auch den für den Nordosten wichtige Tourismussektor treibt das Thema um. Die explodierenden Energiepreise brächten den ein oder anderen an den Rand seiner Existenz, sagte Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbands, am Mittwoch bei einer virtuellen Konferenz zu Energiesparmöglichkeiten im Tourismussektor.

Nach Worten des Energieexperten Arne Rakel von der Landesenergie- und Klimaschutzagentur ist der Beratungsbedarf mit dem Preisanstieg exponentiell gewachsen. Sei es bei Effizienzsteigerungen in der Vergangenheit etwa um Wettbewerbsvorteile gegangen, stehe jetzt die Frage im Raum, «wie wir über den Winter kommen». Im größeren Rahmen seien Politik oder Versorger gefragt, etwa beim Ersatz von Erdgas. Betriebe könnten hingegen ihren Verbrauch optimieren und durch erneuerbare Energien gleichzeitig klimafreundlich decken. «Die beste und sauberste Energie ist die, die ich nicht verwende.»

© dpa
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