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Mächtiger Sturm treibt Ostsee über die Ufer

Der Sturm aus Osten hat es in sich. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern steigt der Wasserstand der Ostsee kräftig an. Häfen und Straßen werden überschwemmt. Die Einsatzkräfte haben alle Hände voll zu tun.
Sturmflut an der Ostseeküste
Meterhohe Wellen brechen sich an den Hafenanlagen in Schilksee. © Axel Heimken/dpa

Im ersten großen Sturm des Herbstes bietet die Ostsee ein spektakuläres und gefährliches Schauspiel. Der Ostwind treibt das Wasser mit Orkanböen donnernd gegen Strände und Steilküsten, in Buchten und Förde und überschwemmt Hafenanlagen und Straßen. Äste stürzen auf Autos und Gleise, es kommt zu Sperrungen und Behinderungen.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erwartete den Scheitelpunkt der Sturmflut am Freitagabend. In Flensburg erreichte das Wasser einen Stand von mehr als zwei Metern über dem Normalwert, wie aus der Sturmflut-Informationskarte des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums hervorging. Für Flensburg ist das der höchste Wasserstand seit über 100 Jahren. In Eckernförde lag der Pegelstand bei 1,91 Meter und in Neustadt bei 1,74 Meter zum mittleren Wasserstand. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sollte der Sturm in der Nacht langsam abklingen.

Günther dankt Helfern

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther dankte allen Helfern. «Das ist eine herausfordernde Situation, und ich bin allen Helferinnen und Helfern sehr dankbar, die zurzeit im Einsatz sind», teilte der CDU-Politiker mit. «Polizei, Feuerwehr, THW und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landesbetrieb für Küstenschutz setzen sich dafür ein, die Situation im Griff zu behalten, und das gelingt ihnen auch.» In Kiel nahm der Katastrophenschutzstab des Innenministeriums die Arbeit auf.

Bei Heringsdorf im Kreis Ostholstein wurden mehrere Campingplätze und eine Ferienhausanlage evakuiert, da das Hochwasser fast die Krone des Deichs erreichte. Das sagte ein Campingplatzbesitzer der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend. Noch halte der Deich aber. Nach Angaben des Innenministeriums gab es Beschädigungen an Deichen auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde und im Kreis Schleswig. An den gefährdeten Abschnitten seien Einsatzkräfte bei Sicherungsarbeiten.

Die Feuerwehr hatte schon am Nachmittag von rund 110 Einsätzen in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie in Kiel gesprochen. Neben Kiel mit 36 Einsätzen gab es Schwerpunkte in der Schleiregion, in Eckernförde und Damp, wo eine Rehaklinik mit Sandsäcken gegen das steigende Wasser gesichert wurde.

In der Landeshauptstadt wurden mehrere Straßen gesperrt. In Flensburg standen die Straßen am Hafen unter Wasser. Aus Sicherheitsgründen schalteten die Stadtwerke in dem betroffenen Gebiet den Strom ab. Im Kreis Schleswig-Flensburg waren Zehntausende Sandsäcke an die betroffenen Ämter und Gemeinden ausgeteilt worden.

Die Polizei bat die Verkehrsteilnehmer, die Bereiche um die Flensburger Förde, den Nord- und Südhafen in Kappeln sowie in Schleswig die an die Schlei angrenzenden Bereiche großräumig zu umfahren. In der Region waren aufgrund des Hochwassers zahlreiche Straßen gesperrt.

Hotelier von Überschwemmung betroffen

Eine Mitarbeiterin des Hotels Hafen Flensburg sagte: «Es sieht nicht gut aus. Wir haben die Schotten davor, die sind noch nicht überschritten.» Dennoch sei Wasser im Hotel, denn es sei ein altes Gebäude, da finde das Wasser seinen Weg durch die Ecken. Gäste seien nicht mehr da. Mobiliar und alles, was schaden nehmen könnte, habe man weggeräumt.

In der Lübecker Bucht trat das Wasser ebenfalls an vielen Stellen über die Ufer. Zudem blockierten ungesicherte Gegenstände sowie umstürzende Bäume teilweise die Fahrbahnen in Lübeck und im Kreis Ostholstein.

Urlauber aus Not gerettet

Auf Fehmarn waren am Freitag die freiwilligen Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zehn Urlaubern und einem Hund zu Hilfe gekommen, die auf ihren Hausbooten vom Sturm überrascht wurden.

Das Technische Hilfswerk (THW) bereitete sich auf Einsätze vor. «Wir beobachten die Lage und stehen bereit, mit unseren vielfältigen Möglichkeiten während und nach der Sturmflut Hilfe zu leisten», sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner.

Auswirkungen auf Verkehr an Land und zur See

Auf der Ostsee stellten Fähren zeitweise den Dienst ein. So fuhr in Travemünde die Fähre zum Priwall teilweise nicht mehr, in Kiel wurde die Fördefährlinie eingestellt. Der Sturm über der Ostsee stoppte auch den deutsch-dänischen Fährverkehr auf den Strecken Puttgarden-Rødby und Rostock-Gedser vorübergehend.

Nach einer Sperrung der Bahnstrecke zwischen Neumünster und Brokstedt wurde der Regionalverkehr auf der Strecke am Nachmittag wieder aufgenommen. Viele Züge in Schleswig-Holstein verkehrten mit verringerter Geschwindigkeit, es kam zu Verspätungen. Ab 20.00 Uhr sollte der Bahnverkehr zwischen Eckernförde und Kiel, Rendsburg und Kiel sowie Husum und Kiel eingestellt werden.

Weniger Probleme in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern dürfte bei der Sturmflut weitgehend glimpflich davon kommen. Bislang gebe es keine besonderen Vorkommnisse, sagte ein Polizeisprecher. Die Kommunen hatten sich auf Überschwemmungen einiger Straßen vorbereitet.

In Binz fiel ein Baum auf eine Bahnstrecke. Allerdings wurde seitens der Bahn zunächst keine Beeinträchtigung des Verkehrs gemeldet. In Wismar wappnete man sich im Bereich des Hafens mit Sandsäcken gegen Überschwemmungen. Eine Kreuzung wurde überschwemmt. Auch in Warnemünde stieg das Wasser deutlich an.

Nach den Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) rechnen die zuständigen Landesbehörden kaum mit Schäden durch das aktuelle Hochwasser. «Unsere Fachleute schätzen ein, dass man sich an der Ostseeküste wegen der umgesetzten Küstenschutzmaßnahmen keine Sorgen machen muss», sagte er in Gützkow (Vorpommern-Greifswald).

Die Ostsee-Küste wird immer wieder von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Im Januar 2017 wurden Pegelstände bis zu 1,83 Meter gemessen. Bei der schwersten Sturmflut an der südwestlichen Ostseeküste starben 1872 etwa 275 Menschen. Betroffen waren zahlreiche Orte an der dänischen und deutschen Küste. Die Insel Usedom wurde in zwei Teile gerissen. Das Wasser stand bis zu 2,80 Metern über Normal.

An der Nordsee ist das Problem ganz anders

Der Sturm, der an der Ostsee das Wasser ans Land schob, drückte an der Nordsee das Wasser von der Küste weg und verursachte extrem niedrige Wasserstände. Das hatte Auswirkungen auf den Schiffverkehr. So fielen zahlreiche Fähren zu den Inseln und Halligen aus.

«Das ist momentan extrem hier mit dem Wind und dem Wetter. Das hat man nicht oft», sagte Betriebsleiter Nick Obert von der Wyker Dampfschiffs-Reederei.

© dpa ⁄ Christiane Bosch, Helmut Reuter und Sönke Möhl, dpa
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