Der Nordosten feiert Erntedankfest in Ferdinandshof

Zwar hat es dieses Jahr eine überdurchschnittliche Getreideernte im Nordosten gegeben. Doch die Energiepreiskrise trübt die Stimmung der Landwirte. In Ferdinandshof nahm auch Ministerpräsidentin Schwesig Bezug darauf.
Beim großen Festumzug des Landeserntedankfestes ziehen die Teilnehmer durch die Straßen. © Bernd Wüstneck/dpa

Mit einem Festumzug und einem Volksfest ist in Ferdinandshof (Kreis Vorpommern-Greifswald) am Sonntag das 31. Landeserntedankfest gefeiert worden. Die Landwirtschaft mit ihren rund 4700 Betrieben sei modern, leistungsfähig und zugleich nachhaltig, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). «Nirgendwo in Deutschland wird ein so hoher Anteil an Flächen ökologisch bewirtschaftet.»

Der Nordosten sei ein traditionsreiches Agrarland, sagte Schwesig. «Bis heute ist die Land- und Ernährungswirtschaft eine der bedeutendsten Branchen unserer Wirtschaft.» Die eingefahrene Ernte 2022 sei insgesamt zufriedenstellend, wenn auch mit regionalen Unterschieden.

«Doch die aktuelle Situation für die Landwirtschaft in unserem Land ist nicht leicht», sagte Schwesig. Wie kaum ein anderer Bereich spüre sie bereits den Klimawandel. Zudem habe der Krieg in der Ukraine zu höheren Kosten für Dünger und Energie geführt.

Am Vormittag gab es in Ferdinandshof zudem einen Dankgottesdienst in der Scharmützelkirche. «Erntedank bedeutet: Das Entscheidende in meinem Leben ist nicht Werk meiner eigenen Hände», sagte Bischof Tilman Jeremias.

Landesbauernpräsident Detlef Kurreck sagte, «die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs haben viele Landwirtschaftsbetriebe in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht». Umso dankbarer sei die Branche für die gute Ernte in diesem Jahr.

Zwar haben die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern angesichts einer überdurchschnittlichen Getreideernte in diesem Jahr Grund zum Feiern. Doch wird die Freude durch die Inflation und die galoppierenden Energiepreise getrübt. Hinzu kommen staatlich verfügte Beschränkungen für den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die aus Sicht der Bauern zu Ertragsminderungen führen. Mit den Vorgaben aus Brüssel sollen der Artenschwund gestoppt und die Belastungen der Gewässer eingedämmt werden.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) betonte, von der Branche in Mecklenburg-Vorpommern lebten gut 50.000 Familien. Backhaus forderte einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Die Menschen in Deutschland würden pro Einwohner 78 Kilogramm Lebensmittel wegwerfen. Das entspreche fast einem Drittel der Produktion der deutschen Landwirtschaft. «Die werfen wir einfach weg. Das kann doch nicht richtig sein.» Deutschland lebe auf Kosten anderer Regionen.

© dpa
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