CDU dringt auf neue Arbeitszeitmodelle für Lehrer in MV

Wie in der Wirtschaft macht sich auch an den Schulen der Mangel an Fachkräften immer stärker bemerkbar. Um den Lehrerberuf attraktiver zu machen, verbeamtet Mecklenburg-Vorpommern junge Pädagogen und wirbt bundesweit um Lehrer. Das reicht aber nicht, meint die CDU.
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Die CDU will dem Lehrermangel im Nordosten mit einer schrittweisen Senkung der wöchentlichen Pflichtstunden und flexibleren Arbeitszeitmodellen entgegenwirken. Bislang gehöre Mecklenburg-Vorpommern mit bis zu 27,5 Stunden zu den Bundesländern mit der höchsten Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Torsten Renz am Mittwoch in Schwerin. Er äußerte die Befürchtung, dass die hohe Belastung die Abwanderung in andere Bundesländer begünstigt und so die Lücken in den Lehrerkollegien noch größer werden.

«Mit einer grundsätzlichen Verminderung der Unterrichtsverpflichtung würde eine Anpassung an bundesweite Standards erfolgen. Ich halte diesen Schritt für dringend geboten», betonte Renz und kündigte für die Landtagssitzung Ende Januar Vorschläge der Oppositionsfraktion zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs an.

Demnach soll die Absenkung der Unterrichtsverpflichtung in Stufen und zunächst in Form von Guthabenstunden auf sogenannten Lebens-Arbeitszeitkonten erfolgen. «Dadurch tritt die entlastende Wirkung zeitverzögert in Kraft, so dass genug Zeit bleibt, um das strukturelle Problem des Lehrermangels parallel zu beheben», erklärte Renz.

So solle zum Schuljahr 2024/2025 die Pflichtstundenzahl auf 25 verringert werden, mit der Vorgabe, wöchentlich zwei weitere Stunden als Unterrichtsreserve zu erarbeiten. Im Jahr darauf solle die verpflichtende Unterrichtsreserve auf eine Stunde je Woche verringert werden und ab dem Schuljahr 2026/2027 ganz wegfallen. Den Lehrkräften bleibe jedoch unbenommen, freiwillig und wie bisher im Mehrarbeitsvergütungserlass geregelt, wöchentlich bis zu drei Stunden für ihr Lebensarbeitszeitkonto zu erarbeiten. Diese könnten später als Freizeitausgleich abgerufen werden.

Schon jetzt herrsche an den Schulen des Landes ein eklatanter Lehrermangel, konstatierte Renz. Unterrichtsausfall und fachfremd erteilter Vertretungsunterricht seien die Folgen. Da in den kommenden Jahren viele Lehrer aus Altersgründen aus dem Schuldienst ausscheiden würden, drohe sich die Lage weiter zu verschärfen. «Kurzfristig wirksame Maßnahmen sind unmittelbar erforderlich. Zeit zum Abwarten, Abwägen und Zögern besteht nicht mehr», so Renz weiter.

Laut Statistikamt sind etwa 40 Prozent der etwa 12 000 Lehrerinnen und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern 55 Jahre und älter, lediglich 16 Prozent 35 Jahre oder jünger. Mit großangelegten Werbekampagnen versucht die Landesregierung seit Jahren, junge Lehrer zu gewinnen. Doch muss sie immer häufiger auf Seiteneinsteiger zurückgreifen, um die größer werdenden Lücken zu füllen.

Unterstützung erhielt die CDU vom Beamtenbund dbb. «Der Vorschlag ist zum einen geeignet, die Bestandslehrkräfte zu motivieren und zum anderen, das Interesse von Lehrerinnen und Lehrern aus anderen Bundesländern zu wecken, in Mecklenburg-Vorpommern tätig zu werden», erklärte der dbb-Landesvorsitzende Dietmar Knecht. Er forderte alle demokratischen Kräfte im Landtag auf, zum Wohle der Schüler und Lehrer an einem Strang zu ziehen und parteipolitisches Gezänk zu vermeiden.

Laut Knecht plädiert auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) als größte Lehrergewerkschaft im Beamtenbund Mecklenburg-Vorpommern schon länger für die Absenkung der Unterrichtsverpflichtung. Doch hätten SPD und Linke in ihrem Koalitionsvertrag lediglich vereinbart, die Vorgaben erst zum Ende der Legislaturperiode 2026 auf den Prüfstand zu stellen, beklagte er.

© dpa
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