Zeugin im Mordprozess: «Sie waren so stolz auf ihren Sohn»

Das Verbrechen ist brutal, der Vorwurf ungeheuerlich. Ein Sohn soll seine Familie ermordet haben. Der Angeklagte schweigt, das Rostocker Landgericht ist auf der Suche nach der Wahrheit.
Das Rostocker Landgericht. © Bernd Wüstneck/dpa/Archivbild

Die Frage nach einem Motiv für eine grausame Bluttat in einem Einfamilienhaus in Rövershagen ist auch am fünften Tag eines Prozesses wegen dreifachen Mordes weiter unbeantwortet. Der 27-jährige Tatverdächtige soll am 7. Februar zunächst seinen schlafenden Vater, dann seine Schwester und einige Tage später seine Mutter mit einer Armbrust und einer Machete getötet haben. «Die Kinder waren alles für die Eltern. Sie waren so stolz auf ihren Sohn», berichtete eine enge Freundin der Familie am Montag als Zeugin vor dem Landgericht Rostock.

Die 48-Jährige hatte eigenen Angaben nach schon sehr früh ein komisches Gefühl. Immer wieder rief sie auf dem Handy ihrer Freundin an, schickte ihr Nachrichten. Nie gab es eine Antwort. Dafür habe der Sohn sie angerufen und erklärt, dass die Mutter arbeiten und der Vater mit der Schwester bei Verwandten sei. Das sei ihr seltsam vorgekommen. Zu dem Zeitpunkt waren alle drei bereits tot. Die Zeugin war vor allem mit der Mutter eng befreundet, aber auch mit deren Mann, der sie «kleine Schwester» nannte.

Die 48-Jährige fuhr aus Sorge um die Familie mehrmals zu deren Haus in Rövershagen und klingelte. Aber niemand öffnete. «Da ist was Böses passiert», habe sie zu ihrem Mann in einer Ahnung gesagt, berichtete sie dem Gericht unter Tränen. Für sie sei das alles ein Rätsel gewesen. Dann sei auf einmal das Gartenhäuschen vor dem Einfamilienhaus weg gewesen. «Irgendwie hatte ich schon den Verdacht, er hat mit seiner Familie etwas gemacht», sagte die Zeugin.

Der 27-jährige Deutsche verfolgte den Prozess wie in den vorangegangenen Tagen äußerlich teilnahmslos und starrte die meiste Zeit mit gesenktem Kopf auf den Tisch. Eine Cousine des Angeklagten schilderte die Zeit, in der er für drei Monate bei ihr im Schwarzwald wohnte, um dort eine Arbeit zu suchen, die er auch fand. Sie berichtete auch, dass die Eltern oft bis zu einer Stunde lang mit dem Sohn telefonierten, ihn kontrollieren wollten und mit vielen Forderungen konfrontierten.

Der Vater habe wohl sehr an dem Sohn gehangen. «Wie sollen wir ohne ihn leben, er ist doch unser Sohn», habe der Vater einmal gesagt, nachdem der Sohn in den Schwarzwald gezogen war. Für den Sohn sei der Umzug dagegen eine Art Befreiung aus der Bevormundung gewesen. In Süddeutschland fand er auch eine Wohnung. Allerdings kehrte er bald nach Zeugenaussagen mit Schulden zurück ins Elternhaus nach Rövershagen. Dabei soll es sich um Außenstände in Höhe von rund 30 000 Euro gehandelt haben, die die Eltern für den Sohn beglichen. Danach sei es oft zu Streitigkeiten über die Schulden gekommen.

Der 27-Jährige hatte die Taten in polizeilichen Vernehmungen gestanden, sämtliche Aussagen aber am 15. November zu Prozessbeginn von seiner Anwältin widerrufen lassen. Die Familie war Anfang der 2000er Jahre aus Russland nach Deutschland gezogen. Der Angeklagte soll am 7. Februar dieses Jahres seinen Vater (52) und seine Schwester (25) und am 11. Februar seine Mutter (48) ermordet haben. Die Leichen soll er in selbstgebauten Särgen an einem einsamen Feldrand vergraben haben. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

© dpa
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