MV bei Bildungsmonitor im hinteren Mittelfeld

Zwar ist MV bei der Integration ausländischer Schüler vergleichsweise gut, aber überdurchschnittlich viele Jugendliche brechen die Lehre ab. Insgesamt kommt das Land in einem Bildungsvergleich auf Platz 10 von 16. Wirtschaft und Opposition fordern mehr Anstrengungen.
Abiturprüfungen laufen im Klassenzimmer eines Gymnasiums. © Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Mecklenburg-Vorpommern liegt bei einem Vergleich der Bundesländer zur ökonomischen Qualität ihrer Bildungssysteme im hinteren Mittelfeld. Der am Mittwoch veröffentlichte Bildungsmonitor der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSW) sieht den Nordosten auf Platz 10 der 16 Bundesländer. Im vergangenen Jahr hatte MV in dem Bildungsranking Platz 9 belegt. Bei der Digitalisierung landete MV jetzt sogar nur auf Platz 14.

Wirtschaft und Opposition im Landtag forderten mehr Anstrengungen der Bildungspolitik. «Andere Bundesländer zeigen, dass es besser geht», sagte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sabine Enseleit. «Gerade die Chancen, die die Digitalisierung bietet, werden zu wenig genutzt.» Um die Lehrer zu entlasten, forderte sie den Einsatz von geschultem Fachpersonal für die schulischen IT-Systeme, sogenannte «Digitale Hausmeister». Das hätte sich zumindest für eine gewisse Zeit über den Digitalpakt finanzieren lassen, sagte Enseleit.

Der schulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Enrico Schult, meinte, bei den Bildungsrankings schnitten regelmäßig jene Bundesländer führend ab, die sich einen Rest konservativer Bildungspolitik bewahrt hätten. Neben der Verbesserung der digitalen Ausstattung gehe es um die Befähigung der Schüler zu fachlicher Kompetenz und um die Rückbesinnung auf Leistung.

Auch der Arbeitgeberverband Nordmetall zeigte sich unzufrieden mit Leistungen des MV-Bildungssystems. «Mecklenburg-Vorpommern hat sich seit 2013 im Bildungsmonitor praktisch nicht bewegt, der Platz 10 im unteren Mittelfeld der 16 Bundesländer steht für Stillstand als trübes Landesmotto», kritisierte der Geschäftsführer Bildung und Arbeitsmarkt bei Nordmetall, Peter Golinski. Die Wiederholerquoten in den Grundschulen und in der Sekundarstufe I seien überdurchschnittlich hoch, das Alter der Studienabsolventen ebenso. Die Betreuungsrelation in den Kitas des Landes sei vergleichsweise schlecht und bei der Schüler-Lehrer-Relation bilde MV mit Platz 16 das «traurige Schlusslicht» unter allen Bundesländern.

«Die Bildungsverantwortlichen haben bisher nicht den Ehrgeiz entwickelt, die offensichtlichen Mängel im Bildungssystem Mecklenburg-Vorpommerns offensiv anzugehen», beklagte Golinski. Ändere sich das nicht bald, werde aus dem Stillstand ein Rückschritt auf Kosten der Schülerinnen und Schüler und damit auch der Wirtschaft.

Stärken hat der Nordosten der Studie zufolge vor allem bei der Integration ausländischer Schüler und bei der beruflichen Bildung. So erreichten an den allgemeinbildenden Schulen relativ viele ausländische Jugendliche das Abitur. Das Angebot an Ausbildungsstellen sei gemessen an der Zahl der jungen Menschen höher als im Bundesdurchschnitt und nur wenige erhielten keinen Ausbildungsplatz. Allerdings würden nach wie vor viele Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst.

Verbesserungsbedarf sehen die Forscher unter anderem bei der Betreuung von Kindern in Kitas und Schulen. Das Zahlenverhältnis von Betreuern und Betreuten sei teilweise ungünstig. Die Bildungsausgaben je Schüler an den Schulen und Berufsschulen seien vergleichsweise niedrig. Außerdem wird kritisch angemerkt, dass vergleichsweise wenige junge Menschen in Informatik ausgebildet werden.

Bewertet wurden bei dem Monitoring die Bildungssysteme vom Kindergarten bis zur Hochschule. Dabei wird «explizit eine bildungsökonomische Sichtweise eingenommen» und bewertet, inwiefern die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur Fachkräftesicherung beitragen und Wachstum fördern. Ganz vorne lag erneut Sachsen vor Bayern, Schlusslicht war wieder Bremen. Der INSM-Bildungsmonitor wird von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt, die nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird.

© dpa
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