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Kommission: Gedenkstätten-Arbeit in MV benötigt mehr Geld

Umfragen offenbaren, dass die Vorzüge und Werte der Demokratie an Bedeutung verlieren. Auch weil oft in Vergessenheit geraten ist, was es bedeutet, wenn demokratische Rechte beschnitten werden. Experten heben deshalb die Bedeutung von Orten der Erinnerung hervor.
Bettina Martin
Kulturministerin von Mecklenburg-Vorpommern Bettina Martin (SPD). © Frank Molter/dpa

Die Gedenkstätten in Mecklenburg-Vorpommern benötigen nach Einschätzung einer Expertenkommission mehr Unterstützung vom Land, um ihre Aufgaben bei der Vermittlung geschichtlicher Kenntnisse und der Demokratiebildung auch künftig erfüllen zu können. Im Nordosten gebe es eine vielfältige und dezentrale Erinnerungslandschaft, die es zu erhalten und an aktuelle Erfordernisse anzupassen gelte. «Die finanzielle Ausstattung aller im Land befindlichen Gedenkstätten und Erinnerungsorte muss deshalb nachhaltig und dauerhaft verbessert werden», heißt es im Abschlussbericht, den die von Kulturministerin Bettina Martin (SPD) Mitte Januar eingesetzte Kommission am Mittwoch in Schwerin vorlegte.

Nach Angaben Martins stellt das Land derzeit jährlich 270 000 Euro für die Arbeit der landesweit zumeist im Ehrenamt betriebenen 26 Gedenkstätten und Erinnerungsorte bereit. Die Landeszentrale für Politische Bildung koordiniere deren Arbeit und werde vom kommenden Jahr an zehn Prozent mehr Geld bekommen. Das sei ein Plus von 215 000 Euro für die politische Bildung. «Mecklenburg-Vorpommern geht damit einen anderen Weg als der Bund, der seine Mittel für die politische Bildung um ein Fünftel verringern will», sagte die Ministerin.

SPD und Linke im Nordosten hätten sich in ihrer 2021 unterzeichneten Koalitionsvereinbarung dazu bekannt, die Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit zu stärken. «Wir brauchen diese Art der politischen Arbeit, um Tendenzen entgegenzuwirken, die uns Sorgen machen. Die Demokratie gerät unter Druck, es kommen Zweifel auf an der Demokratie. Da brauchen wir Orte des Erinnerns, die zeigen, was es bedeutet, wenn Diktaturen Überhand gewinnen», erklärte Martin.

Solche Gedenkstätten würden auch deshalb an Bedeutung gewinnen, weil immer weniger Zeitzeugen ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben können, sagte Anna Kaminsky. Die Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatte der dreiköpfigen Kommission angehört. Nach ihren Worten müssen sich die Gedenkstätten, in denen nicht nur die Barbarei der Nazis oder die Unterdrückung im SED-Staat, sondern auch Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg thematisiert würden, auf neue Seh- und Aufnahmegewohnheiten der Besucher einstellen. «Wir haben eine Generation, die viel mehr Interaktion möchte. Bundesweit steht die Frage: Was können wir anbieten, damit junge Leute animiert werden, sich tatsächlich mit der Geschichte auseinanderzusetzen», sagte sie.

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung «Denkmal für die ermordeten Juden Europas» und Vorstandsvorsitzender des Dokumentationszentrums Prora e.V., hob die Bedeutung der Schulen bei der Geschichts- und Demokratievermittlung hervor. Gedenkstätten als außerschulische Lernorte könnten Schulunterricht nur ergänzen, «sie sind keine Besserungsanstalten». «Der Kern politischer Bildung ist die Schule, die Universität und die anderen staatlich geförderten Lernorte», betonte Neumärker. Der Landeszentrale für Politische Bildung komme dabei eine wichtige Scharnierfunktion zu den Gedenkstätten zu.

Deren Direktor Jochen Schmidt verwies auf eine neu gestaltete Internetseite seines Hauses zur Gedenkstättenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Auf dieser würden alle Erinnerungsorte im Land vorgestellt, zugleich Bildungsangebote unterbreitet und über Fördermöglichkeiten etwa für Klassenfahrten zu den Gedenkstätten informiert. Die Nutzung dieser Einrichtungen als außerschulische Lernorte der historischen und politischen Bildung war auch Thema der Sommerakademie, an der sich in den Ferien knapp 500 Lehrer in MV beteiligten.

© dpa
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