Opposition und Gewerkschaft kritisieren Kita-Offensive

Die Kindertagespflege im Land soll besser werden, darin ist man sich einig. Aber wie? Die Pläne der Bildungsministerin stoßen sowohl im Landtag als auch bei den Gewerkschaften auf Skepsis.
Jacken und Rucksäcke hängen in einer Kita im Flur. © Caroline Seidel/dpa/Symbolbild

An der von Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) angekündigten Qualitätsoffensive für Kindertagesstätten gibt es viel Kritik von Opposition und Gewerkschaften. «Das ist eine groß angekündigte Qualitätsoffensive während der Sommerpause, die aber im Grunde offenbart, was alles noch nicht wirklich durchdacht und in die Tat umgesetzt wurde», sagte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Sabine Enseleit, am Dienstag in Schwerin. Auch Grüne und Gewerkschaften bezeichneten die Vorschläge als ungenügend.

Ab dem Jahr 2023 sollen angehende Erzieherinnen und Erzieher für 0- bis 10-Jährige in den ersten beiden Ausbildungsjahren nicht mehr auf die Fachkräfte-Ausstattung ihrer Einrichtung angerechnet werden. Für die sich daraus ergebenden zusätzlich zu besetzenden Planstellen müsse das Land ab 2024 rund 5 Millionen Euro jährlich bereitstellen, sagte Bildungsministerin Oldenburg. Der zusätzliche Bedarf an Fachkräften sei jedoch durch einen Überschuss an fertigen Erzieherinnen und Erziehern gedeckt.

Darüber hinaus will die Landesregierung den Kommunen auch künftig die Möglichkeit geben, beim Land eine Förderung für Alltagshelferinnen und Alltagshelfer zu beantragen, die in den Kindertagesstätten helfen. Dieses Angebot soll im Jahr 2023 nicht mehr - wie bisher - aus dem MV-Schutzfonds finanziert werden, sondern komplett aus dem regulären Landeshaushalt. «So können sich die Fachkräfte wieder besser auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren», kommentierte die Ministerin. In einer Novelle des Kindertagesstättenfördergesetzes soll dann geregelt werden, wie die Kosten künftig zwischen Land und Kommunen verteilt werden.

FDP und Grüne im Schweriner Landesparlament sind sich einig, dass dies zu wenig ist. «Wir brauchen keine groß angekündigten Qualitätsoffensiven, die sich als Tippelschritte herausstellen. Was wir brauchen, ist ein detaillierter Fahrplan, wie wir mit konkreten Maßnahmen mehr Ausbildungsplätze schaffen, die Gruppengrößen verkleinern und den Betreuungsschlüssel landeseinheitlich verbessern», so Anne Shepley, Grünen-Sprecherin für frühkindliche Bildung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Mecklenburg-Vorpommern begrüßte die geplante Änderung, forderte jedoch zugleich weitere Verbesserungen: Unter anderem die Ausbildungszeiten von Mentorinnen und Mentoren sowie Weiterbildungen sollten ebenfalls angerechnet werden. Aus Sicht der GEW muss der von der Landesregierung im Koalitionsvertrag verabredete einheitliche Mindestpersonalschlüssel endlich auf den Weg gebracht werden.

Auch der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht das Bildungsministerium in seinen Bemühungen nicht weit genug, hier wird gefordert, auch das dritte Ausbildungsjahr nicht länger mit 50 Prozent anzurechnen. Dies wäre konsequent, sagte Steffen Kühhirt vom Verdi-Landesbezirk Nord. Den fortgesetzten Einsatz von Alltagshelfern sieht er als ungenügend an, um eine wirkliche Verbesserung der Qualität zu erreichen.

Mit ähnlich gedämpfter Begeisterung reagierte man beim Paritätischen Wohlfahrtsverband im Nordosten. Hier zweifelt man vor allem daran, dass wirklich genügend Fachkräfte ausgebildet werden. «Von den rund 15 000 tätigen Personen in Tageseinrichtungen sind laut statistischem Landesamt mehr als 5000 älter als 50 und scheiden in absehbarer Zeit aus dem Berufsleben aus. Der Bedarf, der sich daraus ergibt, muss erstmal wieder ausgebildet werden», sagte der Verbandsvorsitzende Friedrich Wilhelm Bluschke.

Zuletzt hatten laut Oldenburg 1300 Fachkräfte im Bereich Kindertagesförderung ihre Ausbildung beendet, der jährliche Bedarf bei der Neueinstellung liege bei bis zu 400. Hierzu gehören auch Auszubildende in den Bereichen Sozialassistenz und Heilerziehungspflege. Ihre Ausbildung neu angefangen haben den Angaben zufolge rund 1800 junge Menschen. Die Bildungsministerin wies jedoch darauf hin, dass die Personalplanung etwas veraltet sei und aktuell überarbeitet werde.

© dpa
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