Schulbeginn in MV: Normal-Start unter Corona-Bedingungen

Die Wettervorhersagen mit kühleren Temperaturen und Regen dürften den Schülern in Mecklenburg-Vorpommern den Abschied von den Sommerferien erleichtern. Auch wenn das Coronavirus noch da ist, soll der Schulalltag möglichst normal verlaufen.
Ein Erstklässler hält eine Schultüte am ersten Schultag in Hand. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Nach sechs meist sonnenreichen Ferienwochen beginnt am Montag für rund 160.200 Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern wieder die Schule. Ungeachtet der fortwährenden Corona-Pandemie soll es zum Schulstart keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen wie Masken- oder Testpflicht geben. Das Schuljahr fange - wie vor Beginn der Pandemie - ganz normal an, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke).

Doch bleibe das Anfang 2022 für die Schulen im Land entwickelte Drei-Phasen-Modell weiterhin wirksam. Dieses ermögliche auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie einen durchgehenden Schulbetrieb. Je nach Infektionslage und Verfügbarkeit des Lehrerpersonals könne jede Schulleitung entscheiden, wie sie den Schulbetrieb absichere, erklärte Oldenburg. Bei besonders hohen Fallzahlen kann demnach auch Fernunterricht für Schüler höherer Klassen angeordnet werden. Für Schüler bis Klasse sechs und Abschlussklassen soll es möglichst durchgehend Präsenzunterricht geben.

Erklärtes Ziel der Politik ist es, Schulschließungen wie zu Beginn der Pandemie zu vermeiden. Im Entwurf der Bundesregierung für das neue Infektionsschutzgesetz sind pauschale Schließungen nicht mehr vorgesehen. Nach Angaben Oldenburgs bekommen die Schüler in den Schulen für die ersten beiden Wochen Selbsttests mit nach Hause. Diese Tests sollen genutzt werden, wenn es Hinweise auf eine mögliche Corona-Infektion gibt. «Unser Ziel ist weiterhin, Infektionen so früh wie möglich zu erkennen und eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern», betonte Oldenburg.

Die FDP-Landtagsabgeordnete Sabine Enseleit forderte die Ministerin auf, alle Vorkehrungen für einen geregelten Schulablauf zu treffen. «Riesig war die Last, die unsere Kinder durch die Schulschließungen in der Pandemie tragen mussten, und groß die Auswirkungen für viele Schülerinnen und Schüler: enorme Lernrückstände, psychische und physische Probleme. Deshalb muss die Botschaft zu Beginn des neuen Schuljahres klar lauten, dass Schulschließungen im Herbst um jeden Preis zu verhindern sind. Unsere Schulen dürfen nicht schon wieder im Dauerkrisenmodus agieren», sagte sie. Oldenburg sei bislang aber die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, wie das mit dem Lüften bei gedrosselter Energie in den Schulen funktionieren solle. Wenn Luftfilter in Klassenräumen nicht möglich seien, müssten wenigstens CO2-Ampeln eingesetzt werden, so Enseleit.

Eine zusätzlich Herausforderung wartet auf Schulen, in denen viele Kinder und Jugendliche aus der Ukraine unterrichtet werden. Laut Ministerium soll es an ausgewählten Schulstandorten für diese Schüler Vorklassen geben, in denen vor allem Deutsch gelehrt wird. Zum Ende des vorigen Schuljahres waren laut Ministerium an den Schulen des Landes knapp 3000 ukrainische Schülerinnen und Schüler registriert.

Bereits am Samstag hatten bei den traditionellen Einschulungsfeiern etwa 14 800 Mädchen und Jungen erste Bekanntschaften mit ihren Schulen und Lehrern geschlossen. Etwa 1800 von ihnen beginnen ihre Schullaufbahn an einer Schule in freier Trägerschaft. Damit verstärkt sich der Trend, dass im Nordosten Eltern immer häufiger ihre Sprösslinge nicht auf öffentliche, sondern auf private Schulen schicken. Im Schuljahr 2020/21 waren es laut Statistikamt 1082, zum Schulstart 2003 rund 330.

Auch die Tochter von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wurde eingeschult. Sie sei glücklich und aufgeregt, schrieb Schwesig am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter: «Ich freue mich auf die Einschulung unserer Tochter.» Zudem wünschte sie allen Erstklässlerinnen, Erstklässlern und ihren Familien einen tollen Einschulungstag.

Innenminister Christian Pegel (SPD) appellierte zum Schulstart an die Kraftfahrer, besonders aufmerksam zu sein und rücksichtsvoll zu fahren. Kinder seien die schwächsten Verkehrsteilnehmer und somit besonders gefährdet. Pegel kündigte für die kommenden Wochen verstärkte Verkehrsüberwachungen im Umfeld von Schulen an. Nach seinen Angaben verunglückten im Jahr 2021 auf Mecklenburg-Vorpommerns Straßen 541 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Auf dem Weg zur Schule oder von dort nach Hause ereigneten sich 65 Verkehrsunfälle und damit 19 mehr als im Jahr davor.

Nicht alle Schulen starten bereits an diesem Montag: Für die 35.200 Berufsschüler im Land geht es laut dem Ministerium erst am 29. August wieder los.

© dpa
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