Bei Metall-Tarifrunde zeichnen sich hohe Forderungen ab

Es ist noch einige Monate hin, bis der Arbeitgeberverband Nordmetall und die IG Metall Küste in die nächste Tarifrunde einsteigen. Aufseiten der Gewerkschaft zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Forderungen wegen der Inflation erheblich sein könnten.
Das Logo der IG Metall ist an einer Wand zu sehen. © Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Bei den in rund viereinhalb Monaten startenden Tarifverhandlungen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie zeichnen sich angesichts der Inflation hohe Forderungen der IG Metall ab. «Wir laufen auf eine herausforderende Tarifrunde hin», sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, am Dienstag. Das gelte besonders mit Blick auf die Inflation von 7,4 Prozent. «Dazu müssen wir auch tarifpolitisch eine Antwort geben», sagte der Gewerkschafter, nannte aber keine Zahlen. Allerdings würden seit Anfang der Woche in 267 norddeutschen Betrieben Fragebögen zu den Wünschen und Vorstellungen der insgesamt rund 113 000 Beschäftigten verteilt. Der Arbeitgeberverband Nordmetall warnte vor überzogenen Forderungen.

Friedrich sagte, die wirtschaftliche Lage der Betriebe sei relativ stabil. Die Auftragsbücher seien voll. Die gestiegenen Preise könnten an Kunden weitergegeben werden, und auch die Nachfrage habe Bestand. Auf der anderen Seite gebe es wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und dem drohenden Energieembargo eine hohe Unsicherheit. Dies müsse austariert werden.

Er wolle der Diskussion über Prozentzahlen nicht vorgreifen, aber wenn er mit Kolleginnen und Kollegen rede, zeige sich, «dass es eine hohe Erwartung gibt, dass es eine starke Lohnerhöhung in den Entgelttabellen geben muss», sagte Friedrich am Rande einer Auftaktkonferenz mit rund 180 Metallern. Beginn der Verhandlungen ist der 16. September. Die Entgelt-Tarifverträge laufen am 30. September aus. Am 28. Oktober endet die Friedenspflicht.

Die Befragung unter den Metallern erfolgt online und in Papierform, wie Tarifsekretär Dominique Lembke sagte. «Wir nutzen die Befragung auch, um einen Eindruck zu bekommen, wie ist denn die Verfasstheit in den Betrieben wirtschaftlich als auch was die Stärke der IG Metall betrifft.» Entsprechend könnten in dem Fragebogen nicht nur Lohnforderungen bis zu 8 Prozent angekreuzt werden, sondern auch die Bereitschaft, sich an Aktionen zu beteiligen. Die Ergebnisse der Befragung sollen in die Diskussion und Entscheidung der Tarifkommission zum Forderungsbeschluss Ende Juni einfließen.

Beim Tarifabschluss im April 2021 hatten sich Nordmetall und IG Metall Küste auf die Übernahme des Pilotabschlusses der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie verständigt. Dabei gab es für die Metaller in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordwestniedersachsen wegen der Folgen der Pandemie Einmalzahlungen statt einer prozentualen Erhöhung. Das möchte die IG Metall diesmal unbedingt vermeiden. «Für uns ist ganz klar, dass die Erhöhung der Tabelle im Mittelpunkt steht», sagte Friedrich.

Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger warnte vor zu hohen Forderungen. «Wir appellieren an die Gewerkschaftsmitglieder, angesichts der unsicheren Konjunkturlage, der weltwirtschaftlichen Risiken und der fortdauernden Pandemie-Folgen bei der Forderungsdiskussion Augenmaß zu bewahren», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die hohen Teuerungsraten belasteten Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen. «Ein Ruf nach starken Lohnerhöhungen käme zur Unzeit und würde in einer ohnehin labilen Situation zusätzliche Arbeitsplätze gefährden.» Wie Friedrich forderte auch Fickinger den Staat auf, Bezieher schwächerer Einkommen zu entlasten. «Die Tarifpolitik wäre mit dieser Aufgabe überfordert.»

© dpa
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