Aus für Kinderstation Parchim: Sondersitzung in Ausschuss

Die Unzufriedenheit mit den medizinischen Angeboten für Kinder in MV wächst. Die bevorstehende Schließung der Kinderstation am Asklepios-Klinikum Parchim sei Teil einer gefährlichen Entwicklung, kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.
Ein wenige Wochen altes Baby ballt seine Hand zu einer kleinen Faust. © Annette Riedl/dpa/Symbolbild

Die bevorstehende Schließung der Kinderstation am Asklepios-Krankenhaus in Parchim verstärkt die Unzufriedenheit mit den medizinischen Angeboten für kleine Patienten in Mecklenburg-Vorpommern. Am Dienstag tritt der Sozialausschuss des Landtags deshalb zu einer Sondersitzung zusammen. Beantragt hat dies die oppositionelle CDU. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte am Montag: «Die Schließung der Kinderstation in Parchim folgt einer gefährlichen Entwicklung im Angebot der pädiatrischen Versorgung im ländlichen Bereich in unserem Bundesland.» Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) kündigte unterdessen Gespräche mit Asklepios und dem Landkreis Ludwigslust-Parchim zur künftigen medizinischen Versorgung von Kindern in der Region an.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katy Hoffmeister, sprach von anhaltenden Hiobsbotschaften für die medizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Wegen zu geringer Fallzahlen hatten die Krankenkassen vorige Woche ein Behandlungsverbot für Frühchen unter 1250 Gramm Geburtsgewicht am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg ausgesprochen. Vor zwei Jahren wiederum wurde die Geburtshilfe am Krankenhaus Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) geschlossen.

Drese sagte ihre Teilnahme an der zweitägigen Brüssel-Reise des Landeskabinetts am Montag und Dienstag ab, um im Ausschuss Rede und Antwort zu stehen. «Ich bedauere die kurzfristig bekanntgegebene Entscheidung der Asklepios-Geschäftsführung», erklärte sie zur Schließung der Kinderstation in Parchim Ende September. «Wir werden die vom Konzern zugrunde gelegten Zahlen und Aussagen prüfen.» Asklepios hat die Schließung mit zu geringen Fallzahlen begründet.

Wichtig sei, dass Eltern auch zukünftig ihr akut krankes Kind in die Notaufnahme nach Parchim bringen könnten, forderte Drese. Bei ihren Gesprächen mit Asklepios und dem Landkreis müsse es unter anderem um die Stärkung von ambulanten Angeboten für Kinder und Jugendliche im Sinne eines Modells «Poliklinik Plus gehen. «Poliklinik Plus» ist eine Vernetzung ambulanter und stationärer Angebote in einem Haus.

Die Gewerkschaft Verdi verwies auf ein Modellprojekt unter Beteiligung des Landes aus dem Jahr 2020 für eine pädiatrische Tagesklinik in Parchim. «Dabei wurden Fördermittel für verschiedene Maßnahmen durch das Land und den Landkreis bereitgestellt. Nun, nach zwei Jahren, scheint auch das Modellprojekt zu scheitern», sagte die Geschäftsführerin im Bezirk Schwerin, Diana Markiwitz.

Die Gewerkschaft stellt nach eigenen Angaben regelmäßig fest, dass sich Krankenhauskonzerne aus der pädiatrischen Versorgung aufgrund nicht ausreichend zu erzielender Erlöse zurückzögen. Am Krankenhaus der 45 Kilometer entfernten brandenburgischen Kleinstadt Perleberg würden Geburtshilfe und Kinderstation vorgehalten. «Ein Unterschied dürfte in der kommunalen Trägerschaft und der politischen Unterstützung des Standortes liegen», hieß es von Verdi.

Auf Landesebene habe die pädiatrische und geburtshilfliche Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern höchste Priorität, versicherte Ministerin Drese. Eine Expertenkommission dazu habe im August ihre Arbeit aufgenommen. Zudem stelle das Land in den kommenden Jahren 4,8 Millionen Euro für die Weiterbildung in der stationären Pädiatrie zur Verfügung, um Nachwuchs zu sichern. Auch sollen mit Stipendien und Starterprämien Kinderärzte in Mecklenburg-Vorpommern gehalten oder hergeholt werden.

Nach der Schließung der Kinderstation in Parchim gibt es im Nordosten laut Ministerium noch 15 Kinderstationen an Krankenhäusern. Die Entfernung von Parchim zu den nächsten Kinderkliniken an den Krankenhäusern in Hagenow und Schwerin beträgt jeweils rund 50 Kilometer. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus sollten es nicht mehr als 30 Kilometer sein.

© dpa
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