Erschütterung über mutmaßliche Brandstiftung

Nach dem mutmaßlich gelegten Brand einer Flüchtlingsunterkunft in Groß Strömkendorf bei Wismar haben sich zahlreiche Politiker und Vertreter der Gesellschaft entsetzt gezeigt. Sie fordern gründliche Aufklärung.
Ein Brandermittler und Polizisten untersuchen nach einem Feuer die Gebäudereste. © Jens Büttner/dpa

Mit Erschütterung haben Politiker, Kirchenvertreter und Gewerkschafter auf die mutmaßliche Brandstiftung an einer Flüchtlingsunterkunft in Groß Strömkendorf bei Wismar reagiert. In dem ehemaligen Hotel waren zum Zeitpunkt des Feuers am Mittwochabend 14 ukrainische Geflüchtete und drei Betreuer. Verletzt wurde niemand.

MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD):

«Ich bin froh, dass niemand körperlich zu Schaden gekommen ist. Vielen Dank an alle Einsatzkräfte, die vor Ort geholfen haben. Eins muss für alle klar sein: Menschen, die vor Krieg flüchten, brauchen unseren Schutz und unsere Unterstützung. Hetze und Gewalt dulden wir nicht!»

Der CDU-Landesvorsitzende Franz-Robert Liskow:

«Die Brandursache muss schnellstens ermittelt werden. Wenn sich die Befürchtungen bewahrheiten, dass es ein feiger Brandanschlag auf schutzsuchende Menschen war, müssen entsprechende Einrichtungen besser geschützt werden.»

Der Sprengelbischof in Mecklenburg und Pommern der evangelischen Nordkirche, Tilman Jeremias:

«Wir sind im Gebet bei den Menschen aus der Ukraine und hoffen, dass sie schnell und unbürokratisch die Hilfe erhalten, die sie jetzt brauchen.»

Die Landesvorsitzende der Partei Die Linke, Vanessa Müller:

«Derzeit ist noch nicht klar, wie es genau zu dem Brand gekommen ist. Wir fordern schnelle und gründliche Ermittlungen in alle Richtungen. ... Sollte der Brand in einem Zusammenhang mit den rechtsextremen Schmierereien der letzten Tage stehen, so wäre dies ein trauriger Tiefpunkt im Umgang mit Menschen, die vor Krieg Schutz suchen.»

Der Flüchtlingsbischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Heße:

«Der Schaden nach dem Brand in Groß Strömkendorf ist groß. Menschen aus der Ukraine, die bei uns Schutz vor Krieg und Angst gesucht haben, werden enttäuscht und erneut verängstigt. Ich bin froh und dankbar, dass niemand verletzt worden ist. Aber wenn die Vermutung einer Brandstiftung aus Fremdenfeindlichkeit sich bestätigen sollte, wäre das entsetzlich. Denn solch eine abscheuliche Tat schadet immer auch den Menschen der gesamten Region.»

Der Beauftragte für Flüchtlingsfragen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christian Stäblein:

«Die Menschen aus der Ukraine sind dem Schrecken des Krieges entkommen. Bei uns suchen sie Schutz und Sicherheit. Dafür müssen wir einstehen. Wer Geflüchtete angreift, greift uns alle an.»

Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord:

«Das ist eine feige, widerliche und unmenschliche Tat. ... Die Brandstifter gehören schnell dingfest gemacht und der Strafverfolgung zugeführt. Auch die geistigen Brandstifter müssen zur Verantwortung gezogen werden.»

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Julian Barlen:

«Der Verdacht auf Brandstiftung an der Unterkunft wird von Polizei und Landrat gleichermaßen geäußert und muss mit Hochdruck aufgeklärt werden. Die Hakenkreuz-Funde der letzten Tage vor Ort wecken im 30. Jahr von Lichtenhagen und Mölln Erinnerungen an ganz dunkle Zeiten.»

Claudia Müller, bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete aus MV:

«Es ist an Feigheit und Niedertracht nicht zu überbieten, die Unterkunft von Menschen anzuzünden, die vor einem brutalen Angriffskrieg aus ihrer Heimat fliehen mussten.»

Die Antirassismus-Beauftragte des Bundes, Reem Alabali-Radovan (SPD):

«Es schockiert mich und macht mich gleichzeitig unfassbar wütend: Menschen flüchten vor den russischen Bomben und Raketen. Sie kommen nach Deutschland auf der Suche nach Schutz und Sicherheit. Und erleben hier, dass ihre Unterkunft angezündet und mit Hakenkreuzen beschmiert wird. Das erinnert an die rassistischen Anschläge der 90er, an Rostock-Lichtenhagen, Solingen und Mölln.»

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag, René Domke:

«Mit Schrecken blicken wir nach Groß Strömkendorf, wo sich die seit Wochen abzeichnenden Befürchtungen in traurige Realität gekehrt zu haben scheinen. Erneut brennen in Mecklenburg-Vorpommern Schutzunterkünfte.»

Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag, Nikolaus Kramer:

«Da aktuell von Brandstiftung ausgegangen wird, muss der Rechtsstaat nun alle verfügbaren Mittel ausschöpfen, um die Täter ausfindig und dingfest zu machen. Brandanschläge auf Menschen sind widerlich und entziehen sich jeglichem politischen Diskurs. Hier muss mit aller Härte des Rechtsstaates reagiert werden.»

© dpa
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