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Erste Flüchtlinge in Containerdorf Upahl eingezogen

400 Asylbewerber sollten am Rande des 500-Seelen-Dorfes Upahl untergebracht werden. Nach massiven Protesten wurde das Containerdorf auf 250 Plätze reduziert, doch konnte das den Unmut der Menschen dort kaum besänftigen. Nun füllt sich die neue Unterkunft.
Flüchtlingsunterkunft Upahl
Wohncontainer stehen auf einem abgesperrten Gelände in Upahl. © Jens Büttner/dpa

Nach monatelangen Protesten der Bevölkerung gegen die Errichtung der Flüchtlingsunterkunft in Upahl (Landkreis Nordwestmecklenburg) sind die ersten Asylbewerber dort eingezogen. Wie das Landratsamt mitteilte, wurden am Mittwochmorgen 150 Flüchtlinge mit Bussen aus Wismar in das Containerdorf gebracht. Sie waren bislang in zwei als Notunterkünfte genutzten Sporthallen in der Hansestadt untergebracht. Die Asylbewerber sollen für die Zeit ihrer Asylverfahren in Upahl wohnen und dort durch Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes betreut werden, wie es in der Mitteilung hieß.

Jeder Wohn-Container ist mit jeweils zwei Betten und Schränken ausgestattet. Zudem gibt es Sanitär- und Koch-Container zur gemeinschaftlichen Nutzung. «Die Unterbringung in Upahl ist zwar nicht so zentral, von den Wohnbedingungen für eine Gemeinschaftsunterkunft aber geeignet und daher menschenwürdiger und weniger beengt als die Sporthallen», betonte Landrat Tino Schomann (CDU). Mit dem Leerzug der fast ein Jahr lang als Notunterkünfte genutzten Hallen sei ein wichtiger Zielpunkt erreicht. Upahl sei eine Notlösung und der Landkreis weiterhin bemüht, zusätzliche Standorte für die Unterbringung von Flüchtlingen zu finden, sagte Schomann.

Das kleine Dorf im Westen Mecklenburgs war bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil sich große Teile der Bevölkerung massiv gegen den Bau der Flüchtlingsunterkunft am Rande des 500-Einwohner-Dorfes zur Wehr setzten. Der Kreistag hatte das Vorhaben gegen den Willen der Gemeindevertretung beschlossen. Ursprünglich sollten dort 400 Asylbewerber für ein Jahr befristet untergebracht werden. Nach Dauerprotesten war die Zahl auf maximal 250 Plätze reduziert worden. Die volle Kapazität soll nun schrittweise nutzbar gemacht werden.

Gerichtliche Schritte der Kommune gegen den Bau führten zwar zu einem zeitlichen Verzug und einer Überarbeitung der Pläne, blieben letztlich aber erfolglos. Mitte August waren im Gewerbegebiet in Upahl auf einer umzäunten kreiseigenen Fläche die ersten Container aufgestellt worden. Auf Transparenten machten Dorfbewohner deutlich, dass sie sich übergangen fühlen und das Agieren von Kreisverwaltung und Landesregierung als undemokratisch empfinden. Rechte Gruppierungen hatten den Widerstand der Dorfbewohner gegen die gemessen an der Einwohnerzahl große Flüchtlingsunterkunft genutzt, um mit rassistischen Parolen die Stimmung anzuheizen.

Landrat Schomann hatte in der Vergangenheit mehrfach die Asylpolitik der Bundesregierung scharf kritisiert und auch die Landesregierung verbal attackiert. Am Mittwoch legte er noch einmal nach: «Die sehr stark steigende Zahl der Asylbewerber ist für mich höchst alarmierend. Hier von Seiten des Landes davon zu sprechen, dass dies herausfordernd, aber nicht überfordernd für die Kommunen sei, ist wie ein Schlag ins Gesicht», machte er in der Mitteilung deutlich.

Obwohl die Kommunen seit langem auf ihre Notlage bei der Unterbringung geflüchteter Menschen aufmerksam machten, werde ihnen nicht geholfen. «Wir brauchen endlich eine Entlastung», mahnte Schomann und forderte auch Gesetzesänderungen. «Wir haben doch gesehen, wie schnell Entsprechendes geändert werden kann, wenn man will, als es um die Pandemie ging», erklärte er. Neben einer Steuerung der Migration forderte er eine Grenzinfrastruktur an der europäischen Außengrenze und «eine massive Rückführungsoffensive».

Die Landesregierung ihrerseits hebt regelmäßig hervor, dass Mecklenburg-Vorpommern als eines von wenigen Bundesländern den Kommunen die Kosten der Unterbringung voll erstattet. Zusätzliche Geldzuwendungen honorierten zudem die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen.

© dpa
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