Windparkbetreiber dringen auf raschen Ausbau des Stromnetzes

Die aktuelle Gaskrise hat auch die Ökostrom-Produktion wieder stärker in den Fokus gerückt. Doch bremsen lange Genehmigungsverfahren den Neubau von Wind- und Solaranlagen. Die Wirtschaft sieht die Politik in der Pflicht.
Die Sonne geht hinter Windrädern auf. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Unzureichende Netzkapazitäten und extrem lange Genehmigungsverfahren behindern nach Angaben des kommunalen Energieversorgers Wemag (Schwerin) die angestrebte Energiewende hin zu klimafreundlichem Ökostrom aus Wind und Sonne. Das Unternehmen wolle bis 2025 etwa 75 weitere Windräder aufstellen und auch neue Solaranlagen errichten. «Allerdings stehen wir aktuell vor der Herausforderung, dass die Leistung der beantragten Anlagen die installierte Netzleistung um das Fünffache übersteigt. Ohne eine maßgebliche Erweiterung der Netzkapazitäten kann diese Leistung nicht in das Verteilnetz integriert werden», sagte Wemag-Vorstand Thomas Murche am Mittwoch in Schwerin.

Auch der Projektentwickler Loscon, mit dem die Wemag-Tochter mea südlich von Schwerin nahe der Gemeinde Hoort einen Windpark errichtete, fordert mehr Unterstützung von Politik und Verwaltung. So dauerten Genehmigungsverfahren für Windparks an Land zwischen 8 bis 13 Jahre. «Hier brauchen wir eine erheblich effizientere und zielgerichtete Bearbeitung», mahnte Loscon-Prokurist Birger Graubmann. Erforderlich seien langfristige und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. «Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Mitarbeitenden in den Planungsunternehmen und den vielen Behörden motiviert und auch in einem rechtssicheren Umfeld tätig sein können», betonte Graubmann. Die Ampel-Koalition in Berlin hat bereits Gesetzesänderungen beschlossen, mit denen der Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigt werden soll.

Die Wemag betreibt nach eigenen Angaben Windkraft- und Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 2300 Megawatt. Bis 2031 soll die installierte Leistung auf 4500 Megawatt verdoppelt werden. Der Wechsel der Verbraucher von Gas auf Strom infolge der jüngsten Gaspreisentwicklung werde den Bedarf an Strom drastisch steigen lassen. Eine unabhängige und klimaneutrale Energieversorgung sei aber nur erreichbar, wenn auch der Netzausbau beschleunigt werde. Als ein wesentlicher Hinderungsgrund werden die regional unterschiedlichen Netzentgelte genannt, die im windstarken Norddeutschland besonders hoch sind. «Die Politik muss jetzt handeln», forderte Murche nach einem Besuch des schleswig-holsteinischen Bundestagsmitglieds Bengt Bergt (SPD) im Windpark in Hoort.

An den Windanlagen dort, die laut Wemag mit rund 140.000 Megawattstunden den Jahresverbrauch von etwa 45.000 Zwei-Personen-Haushalten decken können, sind auch mehrere Gemeinden und Bürger der Region beteiligt. Mit solchen Beteiligungen zum Nutzen der Region soll die Akzeptanz für Windräder erhöht werden. Das Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, betroffenen Kommunen und Privatleuten 20 Prozent der Anteile anzubieten und mit dem Mecklenburg-Vorpommern bundesweit Vorreiter ist, entfaltete bislang jedoch noch nicht die erhoffte Flächenwirkung. Wegen fehlenden Planungsvorlaufs und wachsender Widerstände in Teilen der Bevölkerung waren im Nordosten zuletzt kaum noch neue Windräder errichtet worden.

© dpa
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