Pläne für Ostseehäfen: Zunächst aber Rohöl und Flüssiggas

Wegen des Kriegs in der Ukraine baut Deutschland Infrastruktur für fossile Energieträger wie Gas und Öl aus. So auch an der Ostsee. Langfristig sollen die Energiehäfen aber grün werden.
Das Eckpunktepapier für ein schwimmendes LNG-Terminal (FSRU) in Lubmin wird unterzeichnet. © Bernd Wüstneck/dpa

Öl über den Rostocker Hafen und Flüssiggas (LNG) über das vorpommersche Lubmin - so stellen sich die Schweriner Landesregierung und die Bundesregierung den Beitrag der Standorte zur Energiewende im Zuge des Kriegs in der Ukraine vor. «Eine gute Nachricht für Deutschland», nannte Michael Kellner (Grüne), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, die Pläne des Unternehmens Deutsche Regas, schon ab Dezember im großen Stil LNG in Vorpommern anzulanden. Der Schweriner Wirtschaftsminister, Reinhard Meyer (SPD), zeigte sich beeindruckt von dem straffen Zeitplan.

Nach einer Besichtigung des Rostocker Seehafens am Mittwoch sagte Kellner, der Hafen könne bis zu drei Viertel des Rohölbedarfs der PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt abdecken. Sein Ziel sei, «dass wir das innerhalb einer Zeit von zwei Jahren umsetzen können». Der Flaschenhals sei nicht der Hafen. Vielmehr müsse die bestehende Pipeline zwischen Rostock und Schwedt ertüchtigt werden, etwa mit zusätzlichen Pumpen.

Infolge des Kriegs in der Ukraine will die Bundesregierung Deutschland unabhängiger von russischen Energielieferungen machen und setzt unter anderem auf LNG-Importe. Außerdem hat sie sich verpflichtet, vom kommenden Jahr an auf Öl aus Russland aus der Druschba-Pipeline zu verzichten. Die besonders für die ostdeutsche Treibstoffversorgung wichtige PCK-Raffinerie war bislang stark abhängig von russischem Pipeline-Öl.

Der Rostocker Hafen ist unterdessen vorerst raus als möglicher Standort zur Anlandung von LNG. Laut Meyer habe eine Studie ergeben, dass unter derzeitigen Bedingungen nicht sowohl Rohöl als auch LNG angelandet werden kann. Längerfristig solle das Thema LNG allerdings auch in Rostock weiterverfolgt werden.

Längerfristig soll sich Rostock außerdem in einen wichtigen Standort für nachhaltige Energieträger entwickeln. Kellner sagte, Rostock solle zu einer Art Tor für grünen Wasserstoff in Ostdeutschland werden. Ungefähr im Zeitraum 2028 bis 2030 wolle man hier erste Ergebnisse haben. Er stellte auch Mittel vom Bund für notwendige Investitionen in Aussicht. Eine Arbeitsgruppe soll sich den Plänen für Rostock widmen. Dabei geht es nach Aussage von Kellner und Meyer auch um die Ansiedlung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen, die traditionell zu Energiestandorten gehörten.

In Lubmin sollen nach Vorstellungen des Unternehmens Deutschn Regas ab Dezember diesen Jahres bis zu 4,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich in das deutsche Fernleitungsnetz eingespeist werden. Dazu soll ein schwimmendes LNG-Terminal im Lubminer Hafen festmachen. Dieses soll vom französischen Energiekonzern Totalenergies kommen. Ein entsprechendes Eckpunktepapier unterzeichneten Vertreter beider Firmen am Mittwoch in Rostock. Das Projekt ist laut Investoren zunächst ohne staatliche Finanzierung geplant. Perspektivisch soll auch hier Wasserstoff umgeschlagen werden.

Keine Aussage wollte Kellner zu einer möglichen zweiten Ausbaustufe treffen. Diese sieht nach Plänen der Deutschen Regas vor, dass ein schwimmendes Terminal auf dem Meer an die fertige, aber nicht genutzte Pipeline Nord Stream 2 andockt und so noch wesentlich mehr LNG umgeschlagen wird. Dazu bräuchte man allerdings Zugriff auf die Pipeline von Nord Stream 2. Hinter der Leitung steht im Wesentlichen der russische Staatskonzern Gazprom, der mit der Einstellung oder Drosselung von Gas-Lieferungen zuletzt für Verunsicherung in Europa gesorgt hatte.

© dpa
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