Nord-Stream: Gazprom drosselt Lieferung um 40 Prozent

Politik und Wirtschaft verfolgen mit bangem Blick die Gasströme aus Russland nach Deutschland. Jetzt kündigt der staatliche Energieriese Gazprom an, die maximale Liefermenge um 40 Prozent zu senken.
Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline. © Stefan Sauer/dpa/Archivbild

Der russische Energieriese Gazprom verringert die maximalen Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream nach Deutschland um 40 Prozent. Grund seien Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch die Firma Siemens, teilte der Staatskonzern am Dienstag mit. Ein Gasverdichteraggregat sei nicht rechtzeitig aus der Reparatur zurückgekommen. Deshalb könnten täglich nur noch bis zu 100 Millionen Kubikmeter Gas durch die Pipeline gepumpt werden - rund 60 Prozent des bisher geplanten Tagesvolumens von 167 Millionen.

Die Bundesregierung sieht die Versorgungssicherheit bei Gas nach eigenen Angaben dennoch als gewährleistet an. «Wir beobachten die Lage und prüfen den Sachverhalt», sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Siemens Energy kündigte eine Mitteilung für den späten Nachmittag an.

Der Bundesnetzagentur zufolge fallen die Liefermengen über Nord Stream bereits seit einigen Tagen. Allerdings heißt es in ihrem Tagesbericht auch: «Die rückläufigen Flüsse aus Nord Stream 1 folgen Marktgeschehen und Händlerverhalten. Der Rückgang folgt auch den ausbleibenden Gasmengen in Folge des Lieferstopps gegenüber den Niederlanden und Dänemark.» Die Behörde kündigte an, im Laufe des Tages eine aktualisierte Lagebewertung zu veröffentlichen.

Für Deutschland ist Nord Stream die Hauptversorgungsleitung mit russischem Gas. Zuvor war schon die Leitung Jamal-Europa nicht mehr befüllt worden. Auch die Durchleitung von russischem Gas durch die Ukraine liegt deutlich unter Plan. Bereits durch die bisherigen Einschränkungen hatten sich die Energiepreise erhöht, weil insgesamt weniger Gas von Russland nach Europa fließt. Die fertiggestellte Pipeline Nord Stream 2 ist wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine nie in Betrieb genommen worden.

Die russische Führung hat stets betont, ein verlässlicher Gaslieferant zu sein. Dennoch gibt es Befürchtungen im Westen, dass Gazprom zum Beispiel im Streit über Zahlungsmodalitäten den Hahn zudreht. Eigentlich sollen die Gasspeicher in Deutschland schnell gefüllt werden, um im Winter bei einem Ausbleiben der Lieferungen genügend Gas zu haben. Im Moment sind die Speicher zu etwa 55 Prozent gefüllt. Die Bundesregierung hofft zudem, schnell Terminals an der Nordsee in Betrieb nehmen zu können, damit Flüssiggas per Schiff angeliefert werden kann.

© dpa
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