Kammer: Preise stellen Handwerksbäcker vor Existenzprobleme

Darf ein Brötchen noch einmal 30 Prozent teurer werden? Mit dieser Frage müssen sich wegen der Energiepreise die Handwerksbäcker befassen - und sehen ihre Existenzen gefährdet. Viele haben schon aufgegeben.
Ein Hand nimmt in einer Bäckerei eine Brezel aus einer Auslage. © Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

Die steigenden Energiepreise stellen die Handwerksbäckereien im Nordosten vor «unlösbare Probleme». Wie der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Axel Hochschild, am Mittwoch in Neustreltz sagte, können die sich abzeichnenden Preissteigerungen bei Gas und Strom nicht mehr an Kunden weitergegeben werden. Gaspreis-Steigerungen von 100 bis 400 Prozent seien nicht umsetzbar, sagte Innungsobermeister Wilko Reinhold: «Das ist absurd.»

Hochschild forderte, das Handwerk in einen «Energiepreisdeckel» aufzunehmen. Nach dem Modell sollten 80 Prozent des bisherigen durchschnittlichen Energieverbrauchs der Betriebe zu stabilen Preisen gesichert werden. Diese Forderung hatte MV-Regierungschefin Manuela Schwesig nach dem Energiegipfel am Montag übernommen.

«Das Lebensmittel-Handwerk wurde im sogenannten Energiekostendämpfungsprogramm des Bundes einfach vergessen», kritisierte Hochschild. Darin seien Kliniken und Pflegeheime als «schützenswert» eingestuft, aber nicht die Handwerker wie Wäschereien, Bäcker, Fleischer und andere, die die Einrichtungen versorgen. «Das muss geändert werden», sagte der Handwerkerpräsident. Die Konkurrenz der Handwerksbäcker - Industriebäcker und Handel - würde dagegen geschützt.

Im dünn besiedelten und weitläufigen Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der Bäcker laut Kammer von 221 im Jahr 1997 auf jetzt noch 102 zurückgegangen. Bäckereien müssen derzeit schon Kostensteigerungen von 22 Prozent bei Personal und von mehr als 30 Prozent bei Mehl, Hefe und anderem Materialien hinnehmen, sagte Reinhold. Dieser hat in seinen Läden den einfachen Brötchenpreis bereits von 38 auf 42 Cent erhöht. «Wenn ich nun noch 30 Prozent höhere Kosten habe, wie es sich abzeichnet, müsste das Brötchen 56 Cent kosten», sagte der Obermeister, der 60 Mitarbeiter beschäftigt. Das würde kaum jemand bezahlen, schon jetzt gingen die Kundenzahlen zurück.

In vielen Betrieben der Innung seien gerade neue Gas-Öfen angeschafft worden. Diese könnten nicht einfach wieder ausgetauscht werden, zumal auch niemand sagen kann, wohin der Strompreis dann steigt. So ein Ofen koste um 70.000 Euro. Es seien auch keine Handwerker da, die dies so schnell umsetzen könnten, ergänzte Hochschild.

© dpa
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