Noch Flaute beim Windkraft-Ausbau: Ehrgeizige Ziele in MV  

Deutschland will die Energiewende. Ökostrom - vor allem aus Wind und Sonne - soll die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe verringern und zum Schutz des Klimas beitragen. Politisch ist der frische Wind schon spürbar, nicht aber beim Bau neuer Anlagen.
Windkraftanlagen hinter Feldern. © Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild

Trotz klarer Signale des Bundes für einen beschleunigten Ausbau der Windkraft-Nutzung kommt der Bau neuer Windräder in Mecklenburg-Vorpommern nur schleppend wieder in Gang. Wie aus Erhebungen der Deutschen WindGuard hervorgeht, gingen im Nordosten im ersten Halbjahr 2022 acht Windenergieanlagen neu ans Netz. In den ersten sechs Monaten der Jahre 2010 bis 2018 seien es im Durchschnitt 32 und damit vier Mal so viele gewesen. Auch die Erteilung von Baugenehmigungen hinkt demnach weit hinter früheren Zahlen her. Lediglich 16 neue Anlagen sind den Angaben zufolge im Nordosten bewilligt worden, ein Drittel vergangener Jahre.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) bekräftigte derweil am Freitag bei der Fachtagung «RostockWind» das Ziel der Landesregierung bis 2035 rechnerisch den gesamten Energiebedarf Mecklenburg-Vorpommerns aus erneuerbaren Quellen zu decken und bis spätestens 2040 klimaneutral zu sein. «Da spielt die Steigerung des Ausbaus der erneuerbaren Energien in allen Bereichen eine bedeutende Rolle. Das Energiepaket der Bundesregierung gibt uns hierfür Rückenwind.»

Sollen die Ziele erreicht werden, muss auch auf See der Ausbau weiter forciert werden. Der Bundesverband WindEnergie, der zu den Mitorganisatoren der Konferenz in Rostock gehörte, konstatierte auch eine Neubau-Flaute für Offshore-Anlagen. Während in der Nordsee zumindest wieder Fundamente gebaut würden, sei in der Ostsee von einem Aufschwung nichts zu spüren, hieß es. Doch blicke die Branche insgesamt optimistisch in die Zukunft, da die Bundesregierung voll auf die Windenergie setze, um die Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe drastisch zu reduzieren.

Nach den Plänen des Bundes soll die installierte Leistung von Offshore-Anlagen vor den Küsten bis zum Jahr 2030 auf mindestens 30 Gigawatt gesteigert werden. Aktuell liegt sie bei knapp 8 Gigawatt. Zudem soll der Anteil der für Windparks genutzten Landfläche auf bundesweit 2 Prozent erhöht werden. In Mecklenburg-Vorpommern sind es derzeit 0,8 Prozent.

Kritiker verweisen allerdings darauf, dass die Produktion von Ökostrom aus Wind und Sonne witterungsbedingt starken Schwankungen unterliegt und die Umstellung Zeit benötigt. Zudem gibt es unvermindert Widerstände in der Bevölkerung gegen den Bau neuer Windparks, insbesondere auch in Mecklenburg-Vorpommern, das zu den Bundesländern mit den höchsten Netzentgelten für Verbraucher gehört. Außerdem fließen die Erträge aus der Windstromproduktion zum Großteil an Betreiber und Investoren in anderen Bundesländern.

Beim Energiepaket der Bundesregierung geht es unter anderem um beschleunigte Genehmigungsverfahren. So soll beispielsweise im Offshore-Bereich das Planfeststellungsverfahren bei bereits voruntersuchten Flächen durch ein zügigeres Plangenehmigungsverfahren ersetzt werden. Meyer verwies auch darauf, dass im Küstenmeer vor Rostock-Warnemünde ein bundesweit einzigartiges Nationales Testfeld Offshore-Windenergie entstehen soll.

© dpa
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