Doppelnutzung von Äckern als Solarpark

Die Idee ist einfach: Solarpaneele über oder neben Ackerflächen sollen eine Doppelnutzung ermöglichen. Ob das in der Praxis funktioniert, davon sind Landwirte im Nordosten noch nicht vollständig überzeugt.
Blick auf einen Solarpark in Lübess. © Daniel Bockwoldt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern sind zurückhaltend, was eine Doppelnutzung von Äckern für Landwirtschaft und Energieerzeugung (Agri-PV-Anlagen) angeht. Solarstromproduktion biete für die Bauern eine Einkommensalternative, man favorisiere jedoch Dachflächen, Industriebrachen und Konversionsflächen, teilte der Bauernverband im Nordosten mit. Die Energieerzeugung dürfe nicht zulasten regionaler Lebensmittelproduktion gehen. Hier sehe man die Kernaufgabe.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg listet in einem Leitfaden unterschiedliche Konstruktionen auf: sowohl Solarpaneele, die wie Dächer über den landwirtschaftlichen Flächen angebracht werden, wie auch solche, die nahezu senkrecht stehen. Hier sieht man für Deutschland ein riesiges Potenzial.

Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin betonte auf Anfrage ebenfalls den Schutz landwirtschaftlicher Flächen: «Böden sind eine knappe Ressource.» Im Ministerium sieht man jedoch die Vorteile von Agri-PV gegenüber herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen, bei denen es keine Möglichkeit gibt, weiter Feldfrüchte anzubauen. Solange mehr als 85 Prozent der Fläche weiter für die Landwirtschaft zur Verfügung stehen, bekommen die Bauern laut Ministerium weiter EU-Zuschüsse. Demzufolge können bei Agri-PV-Anlagen zwei Einkommensquellen parallel genutzt werden.

Der Bauernverband lehnt die Idee einer Doppelnutzung nicht prinzipiell ab, unterbreitet jedoch Vorschläge für die Umsetzung: Vor allem ertragsschwache Flächen wie Trockenstandorte oder Felder mit leichten und sehr sandigen Böden seien geeignet. Aus Sicht des Ministeriums würde die Nutzung dieser Flächen als Beitrag der Agrarbranche zur Energiewende eindeutig ausreichen.

Insgesamt tun sich die Landwirte im Moment jedoch mit einem Urteil zur praktischen Umsetzung von Agri-PV in Mecklenburg-Vorpommern schwer: Sie verweisen darauf, dass es im Nordosten noch keine dieser Anlagen gibt. Bisher kenne man lediglich den erfolgreichen Einsatz im Obst- und Gemüseanbau vor allem in Süddeutschland.

© dpa
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