Bio-Flüssiggas-Anlage in Darchau startet Produktion

Eine Bio-LNG-Anlage im Kleinformat: Dieses Novum weihte Ex-Bundespräsident Wulff in Darchau ein. Gülle und Mist werden zu flüssigem Gas verarbeitet, mit dem Lkw und Busse betankt werden können.
Eine Druckanzeige ist in der Bio-LNG-Anlage auf dem Gelände Agrarvereinigung Darchau verbaut. © Jens Büttner/dpa

In Anwesenheit des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ist am Dienstag eine kompakte Bio-Flüssiggas-Anlage in Darchau in der Gemeinde Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg) an der Elbe gestartet worden. Die Anlage sei eine Blaupause dafür, wie Biogasanlagen-Betreiber autark klimafreundlichen Kraftstoff für die Verkehrswende produzieren könnten, sagten die Betreiber der Ruhe Biogas über die nach ihren Angaben erste deutsche Anlage, die als Nachfolgekonzept einer Biogasanlage fungiert. Sie kostete vier Millionen Euro. Das Land gab 1,8 Millionen Euro dazu.

«Das ist eine hoffnungsgebende Technologie, eine faszinierende Sache», sagte Wulff. Es gehe um Unabhängigkeit von den Ländern, die fossile Energieträger haben, aber auch um die Zukunft nachkommender Generationen. «Niedersachsen ist tatsächlich besonders führend bei Erneuerbaren Energien, wir können stolz sein, Promoter zu sein. Wir haben viel mehr Biomasse, als wir nutzen.» Diese Anlage müsse zeigen, dass sie wirtschaftlich sein kann, betonte Wulff. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte kurzfristig abgesagt.

Ziel des Konzepts ist es, dem Schwerlast- und Busverkehr grünen Treibstoff aus heimischer Produktion bereitzustellen. Die Darchauer Anlage soll pro Jahr etwa 1,3 Millionen Liter fossilen Diesel ersetzen und bis zu 7000 Tonnen CO2 einsparen. Den alternativen Biokraftstoff gewinnt der Agrarbetrieb mit 1600 Bullen aus eigenen Reststoffen wie Mist und Gülle sowie von Betrieben aus der Region.

Zusammen mit dem italienischen Kooperationspartner Ecospray entwickelte das Unternehmen mit Stammsitz in Lüsche bei Vechta das Konzept bis zur Tankstelle. Die Tagesproduktion beläuft sich auf drei Tonnen. «Wir haben Anfragen von 300 Interessenten aus Deutschland und dem nördlichen Europa», berichtete Kunibert Ruhe, Geschäftsführer des Familienunternehmens. «Nur 30 Prozent des Wirtschaftsdüngers werden derzeit in herkömmlichen Biogasanlagen eingesetzt. Würden wir künftig 100 Prozent nutzen und zu Bio-LNG verarbeiten, könnten wir rund 37 Prozent der Lkw-Flotte versorgen.»

Ein Osnabrücker Tankstellenunternehmen sicherte sich bereits für acht Jahre die vollständige Jahresproduktion des Biokraftstoffs aus Darchau. In einem weiteren Schritt soll im Dezember eine Anlage zur Verwertung des CO2 für die Zusetzung zu Lebensmitteln fertiggestellt sein.

© dpa
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