Auf Terror reagieren? Polizei übt für den Ernstfall

Der Nordosten blieb in der Vergangenheit von größeren Terrorlagen verschont. Die Sicherheitsbehörden wollen dennoch vorbereitet sein. Deshalb wird es Ende September in Rostock einen speziellen Einsatz geben.
Nils Hoffmann-Ritterbusch, Inspekteur der Landespolizei MV, nach einer Pressekonferenz im Rostocker Rathaus. © Christopher Hirsch/dpa

Es dürfte laut werden Ende September am Rostocker Hauptbahnhof. Bundes- und Landespolizei planen für die Nacht vom 26. zum 27. September 2022 eine der größten Polizeiübungen der Landesgeschichte.

In der Übung mit etwa 1000 Beteiligten solle eine Situation trainiert werden, in der es «um Leben und Tod» gehe, sagte Nils Hoffmann-Ritterbusch, Inspekteur der Landespolizei MV, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Rostocker Rathaus. Sie orientiere sich an einem möglichen Terroranschlag. Auch mit Blick auf entsprechende Ereignisse der vergangenen Jahre wollen Landes- und Bundespolizei sowie Rettungskräfte und Rostocker Krankenhäuser theoretische Pläne praktisch auf Herz und Nieren prüfen.

Besonders in Bahnhofsnähe müssen sich die Anwohner auf viel Blaulicht und Sirenen einstellen. Auch Schüsse und Explosionen werden demnach zu hören sein. Es kämen Platzpatronen und Knallkörper zum Einsatz. Gefahr für Bürgerinnen und Bürger bestehe ausdrücklich nicht.

Ein Teil der Beamten soll bei der Übung als Darsteller etwa Gewaltopfer oder Terroristen mimen. Die Opfer sollen auch entsprechend geschminkt werden.

Sperrungen sind ab dem Abend für Teile des Bahnhofs sowie weiträumig südlich des Bahnhofs geplant. Dortige Parkplätze sollen schon am Nachmittag gesperrt werden. Zu Zugausfällen oder Verspätungen solle es aber nicht kommen. Der Bahnhof kann demnach weiter von der Nordseite betreten werden. Die Straßenbahnen hielten während der Übung nicht am Platz der Freundschaft und im Hauptbahnhof. In den frühen Morgenstunden am 27. September soll der Straßenbahnverkehr durch den Bahnhof zeitweise eingestellt werden.

Die Übung richtet sich vor allem an reguläre Streifenpolizisten, die im Fall der Fälle bei einem Terrorangriff vor Ort wären und weniger an Spezialkräfte. In den vergangenen 20 Jahren habe man umgedacht und setze nun mehr auf das schnelle Eingreifen der Kräfte vor Ort, statt etwa auf ein SEK-Kommando zu warten, erklärte Hoffmann-Ritterbusch. «Wir haben nicht die Zeit in einer solchen Situation.» Die Übung solle auch dazu beitragen, die Beamten und Beamtinnen emotional auf den Ernstfall besser vorzubereiten, auch wenn man einen solchen keinem Kollegen wünsche.

Laut Übungsleiter der Bundespolizei, Uwe Reis, bewegen sich die Kosten für die Übung mindestens im fünfstelligen Bereich. Allein die Anmietung der Stadthalle für die Logistik und die Absperrungen kosteten jeweils einen fünfstelligen Betrag. 2017 habe in Leipzig eine der ersten entsprechenden Übungen mit Beteiligung der Bundespolizei stattgefunden. Die in Rostock sei die zwölfte entsprechende Großübung. Sie hätte eigentlich schon 2020 stattfinden sollen, wurde aber wegen Corona verschoben. Der Rostocker Hauptbahnhof sei gewählt worden, weil es der größte im Nordosten sei und die Wahrscheinlichkeit, dass hier etwas passiere, entsprechend höher sei.

Auf der Website www.rostock.de/lebel sollen aktuelle Informationen für Bürgerinnen und Bürger bereitgestellt werden.

© dpa
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