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Eilantrag gegen LNG-Bauarbeiten: Verleger in Position

Der Bau der Erdgas-Pipeline durch den Greifswalder Bodden trifft weiter auf Widerstand. Auch der Nabu will die Bauarbeiten nun gerichtlich stoppen. Derweil stehen Verlegearbeiten kurz bevor.
Verlegeschiff «Castoro 10» vor Lubmin erwartet
Schlepper ziehen das Pipeline-Verlegeschiff «Castoro 10» nach Lubmin. © Stefan Sauer/dpa

Während ein Pipeline-Verleger das Baugebiet erreicht hat, will ein weiterer Verband beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einen Stopp der Bauarbeiten für das umstrittene Rügener Flüssigerdgas(LNG)-Terminal erreichen.

«Die geplanten Leitungen verlaufen durchgehend durch Natura-2000-Gebiete und gesetzlich geschützte Biotope, welche durch den Bau zerstört beziehungsweise beschädigt werden. Diese Umweltzerstörungen hat das Bergamt im Genehmigungsverfahren völlig unzureichend und auch fehlerhaft bewertet», teilte die Nabu-Landesgeschäftsführerin Rica Münchberger am Mittwoch in Schwerin mit. Der Nabu hat nach eigenen Angaben wie zuvor schon die Gemeinde Binz und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) einen Eilantrag bei dem Bundesgericht gestellt.

Am Dienstagabend hatte die «Castoro 10» vor Lubmin den Startpunkt der geplanten Verlegearbeiten für die Anbindungspipeline des LNG-Terminals erreicht. Von hier soll in Kürze die Pipeline durch den Greifswalder Bodden und später um Rügen herum bis nach Mukran verlegt werden. Die eigentliche Verlegung von Lubmin weg könnte laut Gascade - soweit das Wetter und die Technik mitspielen - Ende dieser Woche beziehungsweise Anfang kommender Woche starten.

Im Zusammenhang mit mindestens einem Antrag von LNG-Gegnern in Leipzig laufen nach dpa-Informationen derzeit noch Fristen für Stellungnahmen. Mit einer Entscheidung aus Leipzig über einen möglichen Baustopp noch vor Start der Pipeline-Verlegung dürfte es somit knapp werden.

Der erste Seeabschnitt der Anbindung bis vor die südöstliche Küste Rügens ist bereits genehmigt. Für den zweiten Abschnitt - etwa die zweite Hälfte bis zum geplanten Terminal in Mukran im Norden der Insel - läuft das Genehmigungsverfahren. Der Zeitplan ist eng. Noch im kommenden Winter soll das Terminal nach Vorstellungen der Bundesregierung betriebsbereit sein.

Die Gemeinde Binz und die Deutschen Umwelthilfe (DUH) hatten bereits vorletzte Woche beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klage gegen die Genehmigung des ersten Seeabschnitts eingereicht und damit verbunden Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz gestellt, mit dem sie einen Baustopp erwirken wollen.

Die Offshore-Pipeline soll rund 50 Kilometer lang werden und den Gasleitungsknotenpunkt Lubmin mit Mukran verbinden. Dort sollen zwei Spezialschiffe stationiert werden, die LNG aufnehmen, wieder in den gasförmigen Zustand bringen und über die Anbindungsleitung ins Gasnetz einspeisen.

Laut Bund ist das Terminal wichtig für die Sicherheit der Energieversorgung auch im Falle eines kalten Winters oder falls andere Lieferwege ausfallen sollten. Kritiker sprechen hingegen von nicht benötigten Überkapazitäten und fürchten um die Umwelt Rügens und den für die Insel wichtigen Tourismus.

Nach Ansicht des Nabu wurden naheliegende Alternativen für den Leitungsneubau nicht in Betracht gezogen. «So wäre die Nutzung der bereits im Bereich liegenden, durch ein Attentat in dänischen Gewässern beschädigte Röhre der Leitung Nord-Stream 2, die aus identischen Rohren wie die nun zu verlegenden besteht, technisch möglich. Dies könnte sowohl die Kosten, die Umweltauswirkungen als auch den Zeitaufwand des Neubaus einer Leitung im Greifswalder Bodden nahezu vollständig ersparen», heißt es in der Mitteilung. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb es dazu mit der Nord Stream 2 AG offensichtlich keinerlei Gespräche gegeben habe.

Die «Castoro 10» wurde nicht nur bereits beim Bau der deutsch-russischen Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 eingesetzt. Sie bekommt es außerdem mit Material zu tun, das noch von dem Projekt Nord Stream 2 stammt. Die Anbindung an das LNG-Terminal soll mit nicht verwendeten Röhren von Nord Stream 2 gebaut werden. Die Bundesregierung hatte sie zu diesem Zweck von der Nord Stream 2 AG gekauft.

© dpa
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