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Deutscher Schiffbau: Es geht minimal besser, aber nicht gut

Vom Krisenjahr 2022 mit historisch niedrigen Beschäftigtenzahlen hat sich der deutsche Schiffbau noch nicht erholt. Aus Sicht der IG Metall Küste gibt es aber Hoffnung. Die Grundzutaten seien da, fehlten nur noch eine kluge Industriepolitik und mutige Unternehmen.
IG Metall Küste
Bezirksleiter Daniel Friedrich spricht zu Airbus-Mitarbeitern vor den Werkstoren in Hamburg-Finkenwerder. © Christian Charisius/dpa/Archivbild

Die Krise im deutschen Schiffbau hat sich leicht abgemildert, von rosigen Aussichten ist die Branche aber weit entfernt. «Wir sind bei der Beschäftigung immer noch am Rande eines äußerst kritischen Niveaus», sagte der Geschäftsführer der Bremer AgS Consulting, Thorsten Ludwig, am Freitag bei der Präsentation der Schiffbauumfrage im Auftrag der IG Metall Küste. Nach wie vor gebe es Werften in Deutschland, bei denen die Beschäftigung vom aktuellen Auftrag abhänge und nicht viel Neues in den Büchern stehe. «Es ist immer noch sehr kritisch und die Gefahr, dass es im nächsten Jahr einen großen roten Pfeil gibt, der nach unten geht, die ist (...) nicht ausgeräumt», sagte Ludwig nach der Befragung von Betriebsräten von 46 Werften in den fünf norddeutschen Bundesländern.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen der IG Metall Küste an die 13. Nationale Maritime Konferenz kommende Woche in Bremen. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem eine Beschäftigungs- und Standortoffensive. «Es ist alles für eine gute Zukunft da: qualifizierte Belegschaften, technologisch spezialisierte Werften und Zulieferer, Zukunftsmärkte», erklärte Bezirksleiter Daniel Friedrich. Nötig seien nun eine intelligente, aktive Industriepolitik sowie Unternehmen, die in die Zukunft investierten. «Was ich nicht brauche am Ende des Tages, ist irgendeine Hochglanzbroschüre, was man in der Zukunft vielleicht prüfen würde.»

Der Betriebsrätebefragung zufolge ist die Zahl der Beschäftigten im Schiffbau von historisch niedrigen rund 14.500 im vergangenen Jahr wieder auf etwas mehr als 15.000 in diesem Jahr gestiegen - nach mehr als 18.000 im letzten Vor-Corona-Jahr 2019. Im Wesentlichen stamme der Beschäftigungszuwachs in Mecklenburg-Vorpommern aus dem unter Führung der Meyer-Werft vereinbarten Weiterbau des als «Global One» bekannten Kreuzfahrtschiffes in Wismar - was Ludwig aber auch als möglichen Einmaleffekt einordnete. In Schleswig-Holstein wiederum beruhe der Beschäftigungszuwachs vor allem auf dem Marineschiffbau, während in Bremen, Hamburg und Niedersachsen unter dem Strich Jobs weggefallen seien.

Nach Einschätzung der IG Metall wird der Marineschiffbau immer bedeutsamer, auch wenn nach wie vor kein einziger Auftrag im Rahmen des 100 Milliarden Euro-Sondervermögens der Bundesregierung eingegangen ist, wie Friedrich sagte. Inzwischen arbeiteten 46 Prozent aller Beschäftigten im militärischen Bereich. «Im Marineschiffbau erwarten wir eine aktive Rolle der Bundesregierung», betonte Friedrich. Der Verkauf von ThyssenKrupp Marine Systems sowie weitere Fusionen in Deutschland oder Europa seien für die Gewerkschaft nur vorstellbar, «wenn sich der Staat als Ankerinvestor mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent beteiligt».

Die Kapazitäten der Werften sind der Umfrage zufolge derzeit zu 92 Prozent ausgelastet. Allerdings nimmt die Konsolidierung im deutschen Schiffbau immer weiter zu. So gebe es mittlerweile eigentlich nur noch drei für die Beschäftigungszahlen relevante Werften - ThyssenKrupp Marine Systems (Marine), die Meyer-Gruppe (Kreuzfahrtschiffe) sowie die Lürssen-Gruppe (Jachten). In ihnen sind den Angaben zufolge fast 72 Prozent aller Beschäftigten tätig.

«Die Ausbildungsquote macht uns weiter Sorgen», sagte Friedrich. Obwohl händeringend Fachkräfte gesucht würden - der Befragung zufolge klagen bis auf eine Werft alle über erhebliche Probleme bei der Besetzung vakanter Stellen - sei die Quote mit 5,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit 2007 gefallen. «Wir müssen viel mehr dafür werben, die Menschen auf die Werften zu kriegen», sagte Friedrich. Da setze er auch auf die Maritime Konferenz, sie müsse klar signalisieren: «Die Branche hat Perspektive, sie hat Zukunft.»

Die Nationale Maritime Konferenz am kommenden Donnerstag und Freitag in Bremen steht unter dem Motto «Standort stärken. Klima schützen. Zukunft gestalten». Sie gilt als die zentrale Veranstaltung der Bundesregierung zur Unterstützung der maritimen Wirtschaft und mit 800 erwarteten Gästen als das größte Branchentreffen. Die Konferenz unter der Schirmherrschaft von Kanzler Olaf Scholz (SPD) findet seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre statt.

© dpa ⁄ Markus Klemm, dpa
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