Backhaus: «Wir müssen in einen Heilungsprozess kommen.»

Im September 2018 erhielt Rostock den Zuschlag für die Bundesgartenschau 2025. Schon damals war die Vorbereitungszeit von sieben Jahren sehr ambitioniert. Doch die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg setzen den Plänen nun ein Ende.
Rostocks Bürgermeister Claus Ruhe Madsen (l, parteilos) und MV-Agrarminister Till Backhaus (r, SPD. © Jens Büttner/dpa/Archivbild

Für die Hansestadt Rostock heißt es am Mittwoch endgültig Abschied nehmen von der Bundesgartenschau (Buga) 2025. Es gibt nach Ansicht von Beobachtern keinen Zweifel daran, dass die Bürgerschaft in ihrer Sitzung der Empfehlung von Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) folgen wird und einen dicken Schlussstrich unter knapp vier Jahre Planung, Streit und schier endlosen Diskussionen setzen wird. Es ist die erste Absage in der 70-jährigen Bundesgartenschau-Geschichte, aber die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs mit riesigen Kostensteigerungen hätten keine andere Wahl gelassen, sagt Madsen.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) kündigt an, dass es am kommende Montag ein Gespräch mit der Stadt geben werde, bei dem die Grundlagen für einen «Rostock-Plan» festgelegt werden sollen. «Wir müssen in einen Heilungsprozess kommen.» Dann müsse Madsen detailliert über Planung, Genehmigung bis zum späteren Unterhalt der Projekte berichten. Es gehe um die Warnowbrücke, den Ausbau des Stadthafens und das Wohngebiet Warnowquartier sowie das Archäologische Landesmuseum oder das neue Volkstheater. Es müsse bedacht werden, dass die zugesagten Gelder von Land, Bund und EU nicht ewig zur Verfügung stünden. Es geht um Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro.

In den vergangenen Wochen hatte sich die Landesregierung, die die Buga mit 60 Millionen Euro fördern wollte, äußert verärgert über die Hansestadt gezeigt. Backhaus hatte mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er kein Verständnis dafür habe, dass er erst Anfang April dieses Jahres mit der Vorlage einer Risikoanalyse Kenntnis über die massiven Probleme bei der Planung des Großereignisses bekommen hat.

«Zum Wohle des gesamten Landes wäre ein Prozess in Gang geschoben worden, der seinesgleichen sucht.» Der Minister sieht einen großen Imageschaden darin, dass die Stadt nicht in der Lage war, die Buga zu organisieren. Am Ende trage Madsen die Verantwortung.

Doch der fühlt sich nicht schuldig, auch ihm sei erst mit der Risikoanalyse die reale Lage klar geworden. Bis dahin sei ihm stets gesagt worden, dass alles auf grün stehe und das Herzstück der Buga, die Brücke über die Warnow, fertig werde. Nach der Analyse sei dann eine Karte nach der anderen aus dem Kartenhaus gefallen. Fachämter, externe Berater oder auch der Buga-Ausschuss hätten oft geprüft und ihm gesagt, dass es keine Probleme gibt. «Da kann man nicht als Oberexperte dastehen und sagen: «Nein, das klappt nicht».»

Madsen, der sich zu Beginn der Corona-Pandemie national als Macher einen Namen gemacht hat, muss damit nach Ansicht der Vorsitzenden der Linken-Bürgerschaftsfraktion, Eva-Maria Kröger, eine herbe Niederlage einstecken. Er tue sich nach wie vor schwer als Chef der Verwaltung. «Ein solches Projekt verlangt Entschlossenheit.» Madsen habe sich vor dem Druck versteckt anstatt sich an die Spitze der Bewegung zu stellen.

Die normale Vorbereitungszeit für eine Buga seien zehn Jahre und mehr - sieben Jahre wie in Rostock seien ambitioniert gewesen. «Es war klar, dass zum Gelingen nichts hätte schiefgehen dürfen. Spätestens mit der Pandemie hätte man die Bremse ziehen müssen», betont Kröger.

Madsen, der bei der Absage von einem wirklich traurigen Moment spricht, erklärt: «Die Leute, die gesagt haben, das funktioniert nicht, haben am Ende Recht bekommen» und verweist aber wie stets in den vergangenen Wochen auf die Unwägbarkeiten durch Corona und den Ukraine-Krieg. Er sieht sein Image aber nicht gefährdet. Angesichts der massiven internationalen Probleme werde Rostock nicht die einzige Stadt sein, die Großprojekte absagen muss.

Er müsse an Rostock denken: Es gelte, die Pläne für dieses Jahrzehnt zu schmieden und die Stadt für die kommenden Generationen zu entwickeln. «Ich möchte, wenn meine erste Wahlperiode vorbei ist, die Stadt nicht mit Schulden dastehen haben.»

Wenn es nach Jana Blaschka, Bürgerschaftsmitglied der CDU/UFR, geht, wird Madsen seine Wiederwahl nicht erleben. Madsen sollte zurücktreten: «Für Rostock entsteht ein riesiger Imageschaden. Wer will schon mit einer Stadt Geschäfte machen, wenn man von vornherein weiß, dass sie ihre Verträge nicht erfüllt?» Das werde sich langfristig auswirken.

Der grüne Fraktionschef Uwe Flachsmeyer sieht ebenfalls Madsen, als Chef der Verwaltung, in der Verantwortung. Allerdings werde dort auch destruktiv gearbeitet. Die jetzige Situation betrachtet er als reinigendes Gewitter. Madsen mit seinem Rückhalt in der Bevölkerung werde das überstehen und daraus lernen.

© dpa
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