Quereinsteiger an Schulen werden künftig besser vorbereitet

Dolmetscher, Zahnarzt, Staatsanwältin - immer wieder entscheiden sich Menschen aus den verschiedensten Berufen, Lehrer zu werden. Die sogenannten Seiteneinsteiger sind in Zeiten von Lehrermangel hochwillkommen. Ihre Pädagogik-Lücken sollen geschlossen werden.
Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Wer als Seiteneinsteiger in Schulen unterrichten will, soll in Mecklenburg-Vorpommern künftig besser vorbereitet vor die Kinder treten. Von Mai 2023 an sollen alle Bewerber, die einen anderen Beruf als Lehramt vorzuweisen haben, zunächst einen dreimonatigen Grundkurs vor allem in Pädagogik und Didaktik absolvieren, ehe sie zum neuen Schuljahr beginnen, mit den Schülern zu arbeiten. Das kündigte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) am Donnerstag in Schwerin an.

Ein weiterer Kurs zu 450 Stunden soll jeweils am 1. November starten und die Seiteneinsteiger auf den Berufsstart zum Beginn des zweiten Schulhalbjahrs vorbereiten. Jeder Kurs soll 200 Plätze bieten - das Land investiere dafür mehr als zehn Millionen Euro, sagte Oldenburg.

Die Zahl der Seiteneinsteiger wächst seit Jahren, weil zu wenige grundständig ausgebildete Lehrer von den Universitäten kommen. Im vergangenen Jahr etwa war Oldenburg zufolge jede dritte neu eingestellte Lehrkraft in Mecklenburg-Vorpommern ein Seiteneinsteiger oder eine Seiteneinsteigerin. Von allen Lehrern im Nordosten sei es inzwischen gut jeder Zehnte.

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Kritik von Eltern und auch von Seiteneinsteigern selbst, dass sie zum Teil pädagogisch unvorbereitet vor Klassen treten mussten und erst später neben der Arbeit qualifiziert wurden. Eine berufsbegleitende Qualifizierung sollen die Seiteneinsteiger künftig auch absolvieren, wie die Ministerin betonte. Dabei müssten sie jedoch nicht die volle Wochenstundenzahl von 27 Stunden unterrichten, sondern bekommen Anrechnungsstunden.

Wer einen Masterabschluss hat, kann berufsbegleitend das Lehramt erlangen und auch verbeamtet werden. Voraussetzung dafür sei, dass aus dem Studium zwei Fächer abgeleitet werden könnten, die an den Schulen des Landes unterrichtet werden. Das zweijährige berufsbegleitende Referendariat soll den Lehrerberuf für Seiteneinsteiger attraktiver machen - denn auch dort gibt es einen Mangel an Bewerbern, wie deutlich wurde. Aktuell gebe es 58 Lehrerstellen in MV, die auch nach viermaliger Ausschreibung nicht besetzt werden konnten, sagte Oldenburg.

Wer einen Bachelor-Abschluss hat, erhält die Anerkennung für die Lehrbefähigung künftig bereits nach fünf statt bisher sieben Jahren. Für Seiteneinsteiger mit einem Berufsabschluss seien es mit der Neuregelung sieben statt bisher zehn Jahre.

Die neue Seiteneinsteiger-Verordnung, an der seit Dezember geschrieben wurde, muss noch vom Bildungsausschuss des Landtags abgesegnet werden. Aus der Opposition kam bereits vorsichtiger Beifall. Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sabine Enseleit, nannte die Pläne einen Schritt in die richtige Richtung. «Wir müssen alle Chancen und vor allem vielfältige Chancen ergreifen, wenn wir die Personalsituation an den Schulen lösen wollen», sagte Enseleit. «Nur so lässt sich die wenig weitsichtige Bildungspolitik der letzten Jahre ausgleichen.»

© dpa
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