Ausländische Kinder in Vorklassen: Kritik von Flüchtlingsrat

Seit Beginn dieses Schuljahrs kommen ausländische Neuankömmlinge in Mecklenburg-Vorpommern in eigene Vorklassen. Das gilt grundsätzlich für alle neuen Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Daran gibt es Kritik.
Ein Schwamm liegt an der Schultafel. © Annette Riedl/dpa/Symbolbild

Neu ankommende ausländische Kinder werden in Mecklenburg-Vorpommern seit Schuljahresbeginn für die ersten ein bis zwei Jahre in der Regel in sogenannten Vorklassen unterrichtet. In den jahrgangsübergreifenden Klassen stehe das Erlernen der deutschen Sprache im Mittelpunkt, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) am Donnerstag in Schwerin. Ergänzend zum Präsenzunterricht gebe es Online-Angebote - dabei handele es sich um einen Livestream zweier Lehrkräfte aus Rostock. Vier Stunden Unterricht am Tag sehe die Bildungskonzeption vor.

Die Neuorganisation in MV gilt zwar grundsätzlich für alle neuen Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, reagiert aber vor allem auf die weiter stark steigende Zahl ukrainischer Schülerinnen und Schüler. An den Schulen im Land werden nach Oldenburgs Worten aktuell 4557 ukrainische Kinder unterrichtet, davon gut 1000 seit Beginn des neuen Schuljahrs. Zugleich seien mehr als 80 ukrainische Lehrkräfte an die Schulen gekommen.

Der Landesflüchtlingsrat und die Lehrergewerkschaft GEW kritisierten das neue Vorgehen. «Mecklenburg-Vorpommern verlässt mit dieser Konzeption den in den vergangenen Jahren vorbildlichen Weg, Kinder von Anfang an nach und nach in den allgemeinen Unterricht zu integrieren», sagte die Vorsitzende des Landesflüchtlingsrates, Ulrike Seemann-Katz. Nun würden die ausländischen Kinder räumlich ausgegrenzt und der Wechsel in die Regelklassen sei nicht ohne weiteres möglich.

Die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner sagte, sie habe Verständnis für die Suche des Bildungsministeriums nach unkonventionellen Lösungen in der aktuellen Ausnahmesituation. «Doch die generelle Einführung von Vorklassen als Regelfall an der Standortschule geht zu weit.» Vorklassen müssten Ausnahmen bleiben. Schülerinnen und Schüler, die einen Wechsel wünschten und entsprechende Leistungen zeigten, müssten sofort in Regelklassen wechseln dürfen, forderte sie.

Bis zum Ende des vergangenen Schuljahr erhielten Kinder aus dem Ausland zunächst intensiven Deutschunterricht, wurden aber so früh wie möglich in die herkömmlichen Klassen integriert. Das sei aufgrund der aktuell hohen Zahl an Zuzügen nicht mehr überall zu leisten, sagte Oldenburg. Auch gebe es ein reges Kommen und Gehen. Etwa 500 ukrainische Schüler seien bereits nicht mehr in MV. Vorklassen seien überdies in den meisten Bundesländern gang und gäbe. Mecklenburg-Vorpommern verlasse einen bisher gegangenen Sonderweg.

© dpa
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