Nahles sagt Hilfe bei Integration Geringqualifizierter zu

In Mecklenburg-Vorpommern gehen pro Jahr etwa 10 000 Beschäftigte mehr in Rente als junge Leute nachkommen. Die Unternehmen im Land bekommen das zu spüren. Immer häufiger bleiben offene Stellen unbesetzt. Doch BA-Chefin Andrea Nahles sieht noch Reserven.
Andrea Nahles (vorn), Chefin der Bundesagentur für Arbeit, neben Manuela Schwesig (SPD, hinten). © Jens Büttner/dpa

Bei der Gewinnung von Arbeitskräften sieht die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, auch in Mecklenburg-Vorpommern noch Reserven bei Arbeitslosen mit unzureichender Qualifikation. Mit Einführung des Bürgergeldes sei der Instrumentenkasten größer geworden, Unternehmen bei der beruflichen Integration junger Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung oder auch älterer Langzeitarbeitlose zu unterstützen. «Wenn Sie sich mit uns drauf einlassen, diese Leute einzustellen, dann begleiten wir diese dabei», sagte Nahles am Donnerstag in Schwerin nach einem Treffen mit Arbeitgebern, Gewerkschaftern und Kommunalvertretern.

Mitarbeiter der Bundesagentur würden junge Leute mit an die Hand nehmen und so unter anderem dafür sorgen, dass diese pünktlich zur Arbeit erscheinen und ihren Pflichten nachkommen. Zudem gebe es Programme zur Festigung von Grundkenntnissen wie Rechnen und Schreiben. «Und das gilt auch für erwachsene Arbeitnehmer, die vielleicht nicht idealtypische Voraussetzungen haben», betonte Nahles. Dies erweitere für viele Unternehmen das Reservoire möglicher Mitarbeiter und entlaste vor allem kleinere Firmen. Nach Angaben von Regionaldirektor Markus Biercher stehen für Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr 145 Millionen Euro zur Verfügung, etwa um Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen oder Berufsorientierung zu finanzieren.

Hauptthema der Tagung in der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit war die Fachkräftesicherung. Auch in Mecklenburg-Vorpommern mehren sich die Klagen der Unternehmen, nicht mehr genügend Arbeitskräfte zu finden. Andererseits waren zu Jahresbeginn im Land rund 67.000 Menschen ohne Beschäftigung. Fast 23.000 davon sind länger als ein Jahr auf Jobsuche gewesen, 6000 jünger als 25 Jahre.

Bei der Sicherung des Fachkräftebedarfs gebe es keinen Königsweg, betonte Nahles. Es gelte, mehrere Stellhebel zu betätigen, insbesondere auch am Beginn des Berufslebens. Die BA-Chefin beklagte, dass noch immer zu viele junge Leute ohne abgeschlossene Ausbildung seien und auch die Berufsorientierung häufig unzureichend sei. Für Mitte März kündigte sie eine bundesweite Aktionswoche zur Ausbildung an. Nach der coronabedingten Delle gelte es, die Zahl betrieblicher Praktikumsplätze wieder deutlich zu erhöhen.

Dabei könnten Jugendliche selbst erleben, welche interessanten Berufsmöglichkeiten etwa das Handwerk biete. Zudem solle auch Eltern, die maßgeblich die Berufswahl ihrer Kinder beeinflussen, vermittelt werden, dass althergebrachte Berufsbilder längst überholt seien. «Wir müssen die Eltern erreichen. Sie sind die wichtigsten Berufsberater», sagte Nahles.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die auch an der Tagung teilgenommen hatte, hob die Bedeutung der Arbeitskräftesicherung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hervor. «Fachkräfte auszubilden, zu gewinnen, ins Land zu ziehen und im Land zu halten, ist die größte arbeitsmarktpolitische Aufgabe der nächsten Jahre», betonte sie. Das Land verliere allein durch den demografischen Wandel etwa 10 000 Arbeitskräfte pro Jahr, weil mehr Beschäftigte in Rente gehen als junge Leute nachkommen. In Branchen wie dem Tourismus, der Gastronomie oder der Pflege seien die negativen Auswirkungen längst zu spüren.

Nach Ansicht der Regierungschefin reagieren die Unternehmen im Land noch sehr unterschiedlich auf die Entwicklung: «Wir haben Bereiche, in denen schon gut bezahlt wird. Wir streben aber an, dass insgesamt das Lohnniveau in Mecklenburg-Vorpommern steigt», sagte Schwesig. Bessere Verdienstmöglichkeiten könnten für viele Pendler nach Hamburg oder Schleswig-Holstein ein wesentlicher Grund sein, eine Arbeit in ihrer Heimat in Mecklenburg-Vorpommern anzunehmen. «Bessere Bezahlung ist ein entscheidender Schlüssel beim Thema Fachkräfte. Die Lohnfrage ist elementar», betonte Schwesig.

Die Landesregierung sehe angesichts fortwährender Belastungen der Wirtschaft durch Corona- und Energiekrise zurzeit ihre wichtigste Aufgabe darin, Arbeitsplätze zu sichern. Das Land habe sich beim Bund für die Strom- und Gaspreisbremse eingesetzt, damit auch Unternehmen die Zusatzlasten tragen können. «Und mit unserem MV-Energiefonds helfen wir dort, wo Hilfen des Bundes nicht ankommen», sagte Schwesig.

© dpa
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