«Ging wenig um Fußball»: HSV gedenkt Seeler und verliert

Die Trauer nach dem Tod von Idol Uwe Seeler ist groß, die Gedenkfeier berührt die Fans im Volksparkstadion. Doch die Heimmannschaft spielt nicht ganz mit - aber es ging auch «wenig um Fußball».
Hamburgs Robert Glatzel (l) und Rostocks Damian Roßbach kämpfen um den Ball. © Marcus Brandt/dpa

Am Tag voller emotionaler Momente in Gedenken an Idol Uwe Seeler hat dem Hamburger SV in den letzten Minuten die Kraft gefehlt. Das 0:1 (0:0) gegen den FC Hansa Rostock sei aber unabhängig vom Ergebnis ein «besonderes Spiel» gewesen, sagte HSV-Trainer Tim Walter am Sonntagnachmittag. «Es ging wenig um Fußball, sondern darum, den großen Uwe zu würdigen.» Der eingewechselte Kevin Schumacher (90.+4 Minute) sorgte für den sportlichen Dämpfer drei Tage nach dem Tod der Vereinsikone Seeler.

«Uns fehlt es vorne an Präzision, an Bewegung. Einige haben die Leistung nicht auf den Platz gebracht. Da hat die Überzeugung gefehlt», sagte Walter, der in den vergangenen Tagen versucht hatte, seinen Spielern die Angst vor der Größe des Moments zu nehmen. «Wir werden es nicht schaffen, in einem Spiel dem Erbe von Uwe Seeler gerecht zu werden», hatte er gesagt.

Das Ergebnis wird nicht in Erinnerung bleiben, die Emotionen der 54.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena schon. Zahlreiche HSV-Anhänger, die ihr Stadion gerne nach Seeler nennen würden, waren dem Aufruf der Fan-Organisationen gefolgt und schwarz gekleidet erschienen. Mit zwei Bannern erinnerten die treuesten Fans auf der Nordtribüne an ihr Idol, das in fast 1300 Spielen für den HSV seit der Jugend rund 1400 Tore erzielt hatte: «Loyal und bescheiden - der Größte aller Zeiten» sowie «R.I.P. Uwe Seeler». Anschließend bildete die Nordtribüne in einem Meer von schwarzen Pappen den in Weiß gehaltenen Namenszug «Uns Uwe».

«Ich finde es schön wie das ganze Stadion, alle Hamburger und ganz Fußball-Deutschland ihm gehuldigt haben», sagte Kapitän Sebastian Schonlau bei Sky nach der Partie. «Wir wollten das Spiel gewinnen, weil wir wussten, dass es das erste Spiel ohne ihn war.» Das Ergebnis sei «zum Vergessen, das Spiel sicherlich nicht».

Es war nicht nur den Spielern des HSV ein Bedürfnis, ihr Idol zu ehren. Auch die Profis des FC Hansa standen hinter dem Spruchband «Uns Uwe - Sportler. HSVer. Mensch.» Beide Mannschaften spielten mit Trauerflor. Drei Minuten nach Anpfiff war es mit der andächtigen Stimmung jedoch vorbei. Im Fanblock der rund 9000 Rostocker wurden Rauchbomben abgebrannt und Böller gezündet.

Die Gastgeber standen an diesem besonderen Tag unter besonderem Erwartungsdruck. Das war nicht nur am Sondertrikot abzulesen, das die Mannschaft trug. Nicht der Hauptsponsor stand auf der Brust, sondern der Schriftzug «UNS UWE», die linken Ärmel der Trikots zierte Seelers einstige Rückennummer 9. «Diese Geradlinigkeit, die Ehrlichkeit, die Treue, die Identifikation mit dem Verein, da stehe ich zu 100 Prozent dahinter», sagte Sportvorstand Jonas Boldt.

Zwar war seine Mannschaft die deutlich agilere, erspielte sich mehr Möglichkeiten, doch die zwingenden Chancen fehlten. Hansa Rostock überließ den Gastgebern zumeist das Spielfeld, so dass die Hamburger einen gewaltigen Vorteil bei den Spielanteilen hatten.

Sonny Kittel (37., 39.) und Ransford Königsdörffer (40.) hatten vielversprechende Möglichkeiten, scheiterten aber an Torwart Markus Kolke oder der eigenen Hast. Robert Glatzel hatte wenige Minuten von Spielende die größte Chance. Sein Schuss aus drei Metern Entfernung parierte der erneut starke Rostocker Schlussmann.

Der Hansa-Sieg war glücklich, aber nicht unverdient gegen einen schwachen HSV. Was die HSV-Fans an dem Tag stark begonnen hatten, konnte die Mannschaft nicht fortsetzen. Das Schweigen auf der Nordtribüne war die Quittung.

© dpa
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