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«Reichsbürger»-Prozess: Überlebenstrainer sagt aus

Die Gruppe um Prinz Reuß soll einen gewaltsamen Umsturz geplant haben. Einer der Angeklagten berichtet vor Gericht von seiner Bundeswehrkarriere, Survival-Trainings und einer «spirituellen Wandlung».
„Reichsbürger-Prozess“
Eine Akte mit der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft liegt auf dem Platz des Hauptangeklagten Heinrich XIII. Prinz Reuß. © Boris Roessler/dpa Pool/dpa

Im Terrorprozess gegen die mutmaßliche «Reichsbürger»-Gruppe hat einer der neun Angeklagten Einblick in sein Leben als Überlebenstrainer, Tierfreund und ehemaliger Soldat gegeben. Die Tatvorwürfe selbst werden in dem Prozess am Oberlandesgericht in Frankfurt derzeit noch ausgeklammert. 

Am achten Verhandlungstag sagte Peter W., er sei «gut behütet in bürgerlichen Verhältnissen ausgewachsen». Nach einer Ausbildung im Steuerbüro seines Vaters ging er zur Bundeswehr, wo er Offizier werden wollte und als Einzelkämpfer ausgebildet wurde. Aufgrund einer Verletzung und mangels Aufstiegsmöglichkeiten ohne Studium schied er nach acht Jahren aus. Nach erfolglosen Versuchen in anderen Berufen gründete er 2009 eine Firma für Outdoor-Aktivitäten und Survival-Trainings und einen Online-Shop für Ausrüstung.

Nach anfänglichem Erfolg stand er seinen Angaben zufolge vor einem Schuldenberg, musste sein Haus verkaufen, wurde ein zweites Mal geschieden und verlor den Kontakt zu seinen Kindern. In einer «Findungsphase» begann er ein «naturnahes Leben» mit einem Wolfshund: «Da begann die Wolfszeit.» Der enge Kontakt mit Tieren habe bei ihm zu einer «spirituellen Wandlung» geführt. Die Haft mache ihm nichts aus: «Ich bin froh, wenn ich meine Ruhe habe.» 

Am Vormittag ging es um die persönlichen Verhältnisse von Rüdiger von Pescatore, der den militärischen Arm der Bewegung geleitet haben soll. Anders als Peter W. sagte er nicht persönlich aus. Stattdessen berichtete ein Beamter des Bundeskriminalamts von den Dokumenten, die bei einer Hausdurchsuchung auf oder im Schreibtisch des Gästezimmers gefunden worden waren.

Unter anderem ging es um ein Schaubild namens «The Great Awakening Map», das der Beamte dem verschwörungsmythologischen Spektrum zuordnete. Die Verteidiger wiesen darauf hin, dass nicht erwiesen sei, dass die Grafik der Weltanschauung ihres Mandanten entspricht. Es ging auch um die Frage, ob ein handschriftlicher Code eine Waffenbezeichnung ist, ein Passwort oder ein Autokennzeichen. Von Pescatore war bis 1996 Teil eines Fallschirmjägerbataillons der Bundeswehr, dem bis 1998 auch Peter W. angehörte.

In Frankfurt wird neun Angeklagten vorgeworfen, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein beziehungsweise diese unterstützt zu haben. Es soll ein bewaffneter Umsturz geplant gewesen sein. Dabei hätten die Angeklagten bewusst Tote in Kauf genommen, meint die Anklage. Bis zum Urteil gilt für die Angeklagten die Unschuldsvermutung. Mit zwei weiteren Verfahren in München und Stuttgart müssen sich insgesamt 26 mutmaßliche Verschwörer in dem Komplex verantworten.

Laut Bundesanwaltschaft hatte die Gruppe Zugriff auf ein massives Waffenarsenal. Wiederholt wurde der Anklage zufolge militärisches Personal rekrutiert. Die bei ihm gefundenen Waffen habe er für seine Kurse und Historienspiele genutzt, sagte Peter W.

© dpa
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