Obacht geben bei der Hitze: Hessen erwartet über 30 Grad

Eisbomben für Zoo-Tiere, extra Personal in den Freibädern: Vielerorts bereitet man sich auf das erwartete Hitzewochenende vor. Bei Temperaturen weit über 30 Grad drohen für Mensch, Tier und Natur Gefahren.
Butterblumen im Sonnenschein. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild

Sommer, Sonne, Badespaß - und tückische Gefahren: In Hessen werden an diesem Wochenende mit teils fast an die 40 Grad die ersten großen Hitzetage erwartet. Während am Samstag und Sonntag in den Freibädern und an den Badeseen mit Hochbetrieb gerechnet wird, warnen viele auch vor den Gefahren. Die Hitze kann für Mensch und Tier Stress bedeuten.

HITZE: Mit der ersten großen Hitze steigen die Temperaturen in Hessen auf 32 bis 36 Grad, in Südhessen teilweise auf 38 Grad. Dabei weht dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge mur ein schwacher Wind. In der Nacht zum Sonntag sinken die Temperaturen auf nicht mehr als 20 bis 16 Grad, im Süden bleibt es örtlich bei 22 Grad. Am Sonntag sollen die Thermometer bis zu 37 Grad zeigen. Allerdings kann es im Verlauf des Tages zu Schauern und Gewittern kommen. Teilweise ist nach Angaben des DWD auch Hagel möglich. Besonders in Südhessen weht teilweise ein stark böiger Wind. Wo sich Gewitter gebildet haben, sind auch Sturmböen möglich.

PLANSCHEN: «Es ist natürlich klar, dass wir bei den Temperaturen einen erhöhten Ansturm erwarten», sagte eine Sprecherin der Frankfurter Bäder. Man habe allerdings jahrzehntelange Erfahrung, das Personal sei das gewöhnt. Es gebe Richtlinien zum Wasseraufsichtspersonal, je nach Besucheraufkommen werde genug Personal eingesetzt. «Wir machen seit über 100 Jahren Freibäder, wir haben eine gewisse Erfahrung», sagte auch der Sprecher der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH, Ingo Pijanka. «Wie jedes Jahr setzen wir Saisonkräfte ein.» Eine Sprecherin von RhönEnergie Fulda sagte: «Wir hatten in der Vergangenheit schon Hitzewochenenden, daher brauchen wir keine zusätzlichen Maßnahmen.» Die Becken seien groß genug, es gebe genügend Schattenplätze, man sei vorbereitet. «Für das Wochenende werden knapp 36 Grad Lufttemperatur vorhergesagt, daher erwarten wir einen hohen Ansturm an Badegästen», sagte ein Sprecher in Darmstadt. Der Personaleinsatz sei angepasst worden.

WÄLDER: Wegen der Trockenheit mangels Niederschlägen besteht in Teilen Hessens hohe Waldbrandgefahr. Nach dem Waldbrandgefahrenindex des DWD besteht in mehreren Regionen die zweithöchste Gefahrenstufe. Für das Wochenende sieht der DWD lokal auch die höchste Gefahrenstufe. Die Lage soll sich erst am Montag wieder entspannen. Das Umweltministerium hatte bereits zur Wochenmitte erhöhte Vorsicht bei Waldbesuchen angemahnt. Außerhalb ausgewiesener Grillstellen dürfe kein Feuer entfacht werden. Im Wald besteht zudem ein Rauchverbot. Außerdem bat das Ministerium darum, Zufahrtswege in Wälder freizuhalten. Derweil sind die Einsatzkräfte nach den Worten von Innenminister Peter Beuth (CDU) für den Fall der Fälle vorbereitet. «Wir haben abgestimmte Waldbrand-Alarmpläne und Einsatzkarten, die hessenweit kurze Reaktionszeiten gewährleisten.» Mehr als 70.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte seien in 2430 Feuerwehren in Hessen aktiv. Mit mehr als 400 Waldbrandlöschsets sowie Sondereinsatzmitteln seien die Katastrophenschutz-Löschzüge so ausgestattet, dass sie im Bedarfsfall auf modernes und spezielles Equipment zurückgreifen könnten.

GESUNDHEIT: Die hohen Temperaturen sind auch für die Menschen nicht ungefährlich. Die Landesapothekenkammer warnt vor Sonnenbrand, Heuschnupfen und Kreislaufproblemen. Die Menschen sollten viel trinken und Sport in der Mittagshitze vermeiden. Nach Angaben des Wiesbadener Gesundheitsamtes sind grundsätzlich alle Menschen von den Gefahren der Hitze betroffen. Besonders gefährdet seien aber Kleinkinder, ältere Menschen und chronisch Kranke.

BAUERN: Die Landwirte haben Sorgen. Bei mehr als 30 Grad leiden die Wintergerste und Winterweizen, sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber. Die derzeit laufende Kornfüllungsphase werde beendet, damit werde das Korn kleiner und der Ertrag geringer. «Das ist wie eine Vollbremsung.» Witterungsextreme seien immer schädlich. Auch die Milchkühe fühlten sich bei so einem Wetter nicht wohl. «Da freut sich keine Kuh auf der Weide.» Die Tiere liebten Temperaturen um die zehn, zwölf Grad. Bei zu hohen Temperaturen könnte die Milchleistung zurückgehen. «Bei der Wetterlage wird keine Kuh freiwillig aus dem Stall gehen.» Wer derzeit Heu mache, habe allerdings optimale Bedingungen.

TIERE: Um es den Tieren einigermaßen erträglich zu gestalten, hat der Zoo Frankfurt schon am Freitag besondere Maßnahmen ergriffen. Pfleger bereiteten den Pinselohrschweinen mit einem kühlen Wasserstrahl ein wohltuendes Schlammbad. Für die Pinguine gab es sogenannte Eisbomben - eine in mehreren Lagen kunstvoll übereinander geschichtete und dann gefrostete Fischdelikatesse. Die im Becken verteilten kalten Leckerbissen schmeckten auch den anwesenden Reihern. Die heißen Temperaturen bedeuten dem Deutschen Tierschutzbund zufolge auch für Haus- und Wildtiere eine Gefahr. Man sollte stets für frisches Trinkwasser und kühle Plätze sorgen. Auch Wildtiere könne man mit Wasser unterstützen. Eine weitere Warnung: Autos könnten sich schnell im Inneren auf über 50 Grad erhitzen und für Haustiere so zur tödlichen Falle werden.

© dpa
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