Trockener Sommer wirkt nach: Sorge ums Grundwasser

Hessen hat durch den dritten niederschlagsarmen Sommer weiter an Wasser verloren. Im Winter beginnt die Aufholjagd. Umweltschützer blicken mit Sorge vor allem auf eine hessische Region.
Grundwasser läuft aus einem Schlauch. © Sebastian Gollnow/dpa

Der trockene Sommer 2022 hat langfristige Folgen für das Grundwasser. Der Niederschlagsmangel habe zu «deutlich sinkenden Grundwasserständen» geführt, berichtete das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Donnerstag in Wiesbaden. Im Herbst habe der Regen zwar etwas Linderung gebracht, aber «trotz dieser leichten Entspannung kann für das Grundwasser noch nicht von einer nachhaltigen Erholung gesprochen werden.»

«Das für diese Jahreszeit übliche Grundwasserstandsniveau wird weiterhin an vielen Messstellen deutlich unterschritten», lautet die Bilanz. In den letzten beiden Monaten sei die Bodenfeuchte aber gestiegen. Damit herrschen dem Amt zufolge immerhin günstige Randbedingungen, dass sich neues Grundwasser bildet. Ein nasses Winterhalbjahr «könnte das bestehende Defizit im Grundwasser zwar nicht vollständig ausgleichen, aber zumindest deutlich verringern.»

Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) hingegen sieht im Wassermangel als Folge des Klimawandels «eine große, aber weiterhin unterschätzte Gefahr». «Hessen muss seine Wasserpolitik schnell und umfassend an die durch den Klimawandel veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Ansonsten droht in den nächsten Jahren ein Wassermangel, vor allem in Südhessen», sagte Landesvorsitzender Jörg Nitsch der dpa.

Der Sommer 2022 war laut Deutschem Wetterdienst in Hessen der zweitwärmste und der trockenste seit Beobachtungsbeginn. «Das hat es auch früher vereinzelt gegeben, aber wir hatten nun in vier Jahren drei Dürre-Sommer in Hessen», sagte HLNUG-Präsident Thomas Schmid. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche heißen und trockenen Phasen im Zuge des Klimawandels häufiger werden.»

Nicht nur das Grundwasser, auch die Oberflächengewässer litten unter den Folgen der Dürre. Im Mai führten die Gewässer laut HLNUG nur zwei Drittel der sonst üblichen Wassermengen. Bis August wurde das Wasser immer weniger. Durch den Regen im September ging das Niedrigwasser zwar zurück, aber die Wassermenge blieb zu niedrig.

Bilder vom fast leeren Edersee hatten im Sommer für Aufsehen gesorgt. Ende Oktober war die Edertalsperre laut HLNUG wieder zu 19 Prozent gefüllt. Der Füllstand hängt allerdings nicht nur vom Niederschlag, sondern auch von der Talsperrensteuerung ab.

Die HLNUG-Daten zeigen zudem, dass die Wasserversorgung der Böden in allen Tiefen zu Beginn des Sommers gut war. Durch die Trockenheit kam es dann aber «vielfach zu starkem Trockenstress, der sich im Laufe des Sommers auch bis in die Unterböden ausbreitete», wie das Amt berichtete. Auch hier entspannte sich die Situation im Herbst.

Trockene Böden können zu Setzungsschäden führen. «Bei weiteren Trockenjahren ist gerade in Regionen, in denen diese setzungsempfindlichen Bodenschichten auftreten, vermehrt mit Schäden an der Bebauung infolge von Setzungen zu rechnen», warnte das Amt.

«Die Klimakrise verändert Hessen wie wir es kennen», sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Das habe Einfluss auf den Wald, die Gewässer und auch auf die Gesundheit der Menschen. Das Land treibe den Klimaschutz mit dem Klimagesetz und der Weiterentwicklung des Klimaplans voran. Hessen klimaneutral zu machen, sei «das Gebot der Stunde».

Auf der Umweltministerkonferenz in Goslar forderte Hinz mehr Engagement für die Wasserversorgung. Die Ministerin legte nach Angaben des Ministeriums dazu einen Beschlussvorschlag vor. Darin forderte sie «eine engagierte Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie» und mahnte «dringende Personal- und Finanzierungsbedarfe für den Natur- und Klimaschutz» an.

Der BUND schlägt konkrete Maßnahmen für die Kommunen vor: Durch den Bau von Regenwasser-Zisternen könnte Regenwasser gesammelt und im Sommer bei Bedarf eingesetzt werden, Entwässerungsgräben können rückgebaut werden. Der BUND wünscht sich zudem eine Wiedereinführung des Wassercents. «Es geht um die Durchsetzung des Verursacherprinzips bei Nutzung der wertvollen Ressource Grundwasser» sagte Nitsch. Die Einnahmen könnten auch dem Schutz des Wassers zu Gute kommen.

Besonders prekär ist aus Sicht des BUND die Situation in Südhessen. Im Hessischen Ried müsse das Grundwasser dringend angereichert werden, «um die Wälder zu retten, die Eigenversorgung mit Trinkwasser in Südhessen zu erhöhen und so den mittelhessischen Raum zu entlasten», wie Nitsch argumentierte.

© dpa
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