Nachfrage nach 9-Euro-Tickets hält an

28.06.2022 Ein kostengünstiger Wochenendausflug oder Kurzurlaub mit dem 9-Euro-Ticket - das klingt verlockend. Doch es fehlt an Zugpersonal. Und das hat Folgen.

Ein für Juni gültiges 9-Euro-Ticket. © Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration

Die hohe Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket in Hessen hält an. Bereits über eine Million Fahrkarten wurden bislang verkauft, wie das Verkehrsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Allein im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) seien rund 900.000 und im Gebiet des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) etwas über 100.000 Tickets veräußert worden.

Für den Monat Juli rechnen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), die Hessische Landesbahn (HLB) und die Deutsche Bahn (DB) mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach den subventionierten Fahrkarten. Denn der RMV erwartet, dass das 9-Euro-Ticket etwa auch für Tagesausflüge oder Kurzurlaube verwendet wird. «Die Feriensaison steht bevor, das wird spürbar sein», sagte ein RMV-Sprecher. «Wir gehen davon aus, dass an den Wochenenden bei schönem Wetter auch weiterhin eine hohe Nachfrage sein wird», sagte eine HLB-Sprecherin.

Das Ticket gilt jeweils für Juni, Juli und August bundesweit in allen Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Zügen des Nah- und Regionalverkehrs - egal ob von der Deutschen Bahn oder anderen Anbietern. Nicht genutzt werden kann der Fernverkehr der Deutschen Bahn mit ICE, Intercity und Eurocity.

Doch gerade in der jetzt bevorstehenden Ferienzeit müssen sich Reisende und Ausflügler auf Behinderungen und Zugausfälle einstellen. Der Grund: Bei den Bahnen sind zahlreiche Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt. «Wie derzeit überall ist auch die DB von erhöhten Krankenständen betroffen, was kurzfristig regional zu Personalengpässen führen kann», sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Am vergangenen Wochenende etwa wurde laut HLB das für den Bahnverkehr in Hessen wichtige Stellwerk in Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis) zeitweise wegen Personalmangels nicht besetzt. Von Samstagabend bis Montag fuhren in den Abend- und Nachtstunden auf der Strecke keine Züge. Betroffen waren Regionalbahnen - wie auch ICE-Verbindungen zwischen Frankfurt und München, die große Umwege nehmen mussten und daher Verspätung hatten.

Ausfälle gibt es laut Deutscher Bahn bis zum 8. Juli vor allem auch auf der Linie RB 49 zwischen Gießen, Friedberg und Hanau. Das Unternehmen empfahl Reisenden, sich rechtzeitig über abweichende Abfahrts- und Reisezeiten zu informieren. «Personalmangel ist ein unglaubliches Thema derzeit, eine außergewöhnliche Situation», sagte ein Branchenkenner, der nicht namentlich genannt werden will.

Auch die in der Vergangenheit eingesetzten Zusatzfahrten auf der Expressbuslinie X26 zwischen Wiesbaden und Hofheim wurden Mitte des Monats gestrichen. «Grund hierfür ist ein Engpass beim Fahrpersonal», teilte der RMV mit. Damit halbiert sich zu den Stoßzeiten die seit Oktober angebotene die Taktung der Busse - statt alle 30 Minuten fahren sie nur noch einmal in der Stunde.

Die Bahn setzt hingegen nach eigener Darstellung «ihre Joboffensive in ganz Deutschland kontinuierlich fort», um die bestehenden Personalengpässe möglichst zu reduzieren. Allein im vergangenen Jahr seien bundesweit 22.000 neue Mitarbeiter eingestellt worden. Für Hessen gab es demnach rund 4200 Jobzusagen.

© dpa

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