Günstiges ÖPNV-Ticket für Menschen mit wenig Einkommen

Mit Bus und Bahn durchs ganze Land für 31 Euro im Monat - dieses Angebot soll in Hessen künftig ausgeweitet werden. Denn für einige Menschen sei auch das geplante Deutschlandticket noch zu teuer, erklären die Minister Al-Wazir und Klose.
Eine S-Bahn steht mit geöffneten Türen an einem Bahnsteig. © Jonas Walzberg/dpa/Symbolbild

Hessen plant ein vergünstigtes, landesweites Nahverkehrsticket für Geringverdienende. Das Angebot von 31 Euro im Monat solle für alle Menschen gelten, die Anspruch auf Bürgergeld, Wohngeld Plus oder Sozialhilfe haben, teilten Verkehrsminister Tarek Al-Wazir und Sozialminister Kai Klose (beide Grüne) am Montag in Wiesbaden mit. Der Kreis der Berechtigten würde etwa 520.000 Menschen umfassen. Für Schüler, Auszubildende, Senioren und Landesbedienstete gibt es in Hessen bereits ein Flatrate-Ticket.

Das Land wolle bis zu 15 Millionen Euro bereit stellen, um den geplanten «Hessenpass mobil» für Geringverdiener zu finanzieren, erläuterte Al-Wazir. Gemeinsam mit den drei Verkehrsverbünden RMV, NVV und VRN solle das Angebot in den nächsten Wochen entwickelt werden und - wenn möglich - gemeinsam mit dem geplanten 49-Euro-Deutschlandticket an den Start gehen.

«Ebenfalls müssen Abstimmungsgespräche mit den Kommunen geführt werden, die teilweise bereits lokale vergünstigte Fahrkarten anbieten», sagte Al-Wazir. Sozialminister Klose betonte, dass bezahlbare Mobilität eine zentrale Voraussetzung sei, damit alle Menschen am sozialen und kulturellen Leben teilhaben könnten. Für viele Menschen sei auch der Preis von 49 Euro für das geplante Deutschlandticket sehr viel Geld. Das Deutschlandticket soll laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing nicht später als am 1. Mai eingeführt werden. Das hatte der FDP-Politiker vergangene Woche gesagt.

Der hessische Landesverband des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) begrüßte die Pläne. Jedoch sei es dafür auch notwendig, das ÖPNV-Angebot zu halten und auszubauen. Die gestiegenen Betriebskosten ließen die Verkehrsverbünde bereits über Kürzungen im Fahrplan und einen Stopp für geplante Verbesserungen nachdenken, teilte der Verband mit.

Für den Sozialverband «Der Paritätische» und den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen ist der Preis von 31 Euro im Monat zu hoch. Beide kritisierten außerdem, dass das Ticket auf Hessen beschränkt sein solle. «Eine Sozialpolitik, die einkommensschwache Haushalte mit einem kleineren Tarifgebiet abspeisen will, geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei», erklärte der DGB-Vorsitzende für Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. Statt ein eigenes Ticket einzuführen, sollte sich die Landesregierung für ein bundesweit gültiges Sozialticket einsetzen.

Auch der Landesverband Hessen von Pro Bahn forderte ein bundesweites Sozialticket für 19 Euro im Monat. «Insellösungen auf Landesebene lehnen wir ab», teilte die Interessensvertretung für Fahrgäste mit. Das Sozial-Deutschlandticket solle allen Menschen zustehen, die staatliche Transferleistungen wie etwa Bürgergeld bekämen.

Der hessische Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs forderte, mit dem Nahverkehrsticket für Geringverdienende müsse es auch möglich sein, ein Fahrrad ohne weitere Kosten mit in Bus und Bahn zu nehmen.

© dpa
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