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Unwetter über Hessen: Überflutungen und Ausnahmezustand

Wassermassen in Kellern und auf Straßen. Die Rettungskräfte haben alle Hände voll zu tun. In Limburg kommt sogar ein Schneepflug zum Einsatz.
Gewitter in Hessen möglich
Blitze entladen sich über der Skyline von Frankfurt und der A661. © Jan Eifert/dpa/Archivbild

Schwere Unwetter haben in Teilen Hessens zu Überflutungen und Hunderten Einsätzen der Rettungskräfte geführt. Am Donnerstagabend gingen vielerorts kräftige Schauer nieder, begleitet von Blitz und Donner. In Frankfurt herrschte nach Angaben der Feuerwehr wegen der Vielzahl von Notrufen vorübergehend der «Ausnahmezustand». Von unmittelbar von Wetterereignissen betroffenen Personen wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings gab es mehrere wetterbedingte Verkehrsunfälle.

Am Freitag beruhigte sich die Wetterlage wieder. Am Wochenende wird Hessen laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von weiteren Unwettern verschont, es bleibt aber unbeständig und nass.

Die Feuerwehr in Frankfurt berichtete von insgesamt über 680 Einsätzen. Neben einer Vielzahl von Wasserschäden in Wohnungen und Kellern, überfluteten Straßen und umgestürzten Bäumen sei auch kritische Infrastruktur betroffen gewesen. So sorgte der Starkregen dafür, dass im Bethanien-Krankenhaus Wasser aus der Kanalisation eindrang und auch den Intensivbereich der Klinik erreichte. «Wir konnten den Schaden aber relativ schnell eingrenzen und die Ausbreitung verhindern», sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Patientenversorgung sei nicht in Gefahr gewesen.

Im Markus-Krankenhaus drohten die Wassermassen die Station zur Strahlentherapie sowie eine angrenzende Baugrube zu überfluten. Durch den Einsatz von Sandsäcken und mehreren großen Pumpen konnte die Feuerwehr einen größeren Schaden verhindern. Die Justizvollzugsanstalt im Stadtteil Preungesheim meldete überflutete Keller. Den Einsatzkräften gelang es, einen Ausfall der Stromversorgung abzuwenden. Ebenfalls in Preungesheim lief das Untergeschoss eines Lebensmittelmarktes voll.

Rettung mit dem Boot

In den Frankfurter Stadtteilen Nieder-Eschbach und Heddernheim waren mehrere Menschen wegen eines über die Ufer getretenen Baches in ihren Häusern eingeschlossen. Sie wurden mit einem Boot gerettet. Ebenfalls in Nieder-Eschbach wurden auf einem Parkplatz Autos überschwemmt, an einigen Stellen stand der Schlamm am Freitagmorgen noch knöcheltief. «Es ist eine Riesenkatastrophe. Alles kaputt», sagte ein Autobesitzer, der neben seinem Wagen stand. Ein paar Meter weiter betrachtete eine Frau ihr Auto, in dem das Wasser bis zum Lenkrad stand. «Ich weiß nicht, was ich machen soll», sagte sie. «Ich muss sehen, was ich mit der Versicherung mache.»

Vollgelaufene Keller und überspülte Straßen auch in Limburg. Der städtische Bauhof ließ Schneepflüge an die Räumfahrzeuge montieren, um Schlamm- und Geröllmassen von den Fahrbahnen zu schieben.

In Offenbach berichtete die Polizei am Freitagmorgen von 17 unfallbedingten Einsätzen in der Stadt. In einer Straße sei das Wasser auf die Höhe eines halben Autos gestiegen. Die Straße sei für rund zwei Stunden gesperrt worden.

Verspätete Starts und Landungen am Flughafen

Am Flughafen Frankfurt wurden während des Gewitters keine Maschinen be- oder entladen, um das Personal zu schützen, wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport erklärte. Viele Abflüge und Ankünfte am Abend verspäteten sich. Die hessische Luftaufsicht genehmigte nach Angaben des Verkehrsministeriums 25 Ausnahmeanträge für Starts nach 23.00 Uhr. Fünf Maschinen landeten erst nach 23.00 Uhr. Am größten deutschen Flughafen gelten zwischen 23.00 und 05.00 Uhr Nachtflugbeschränkungen. Ausnahmen - etwa bei einem Unwetter - sind daher nur mit Sondergenehmigungen möglich.

1250 Notrufe in zwei Stunden

Besonders heftig war das Unwetter im Taunus. Allein zwischen 19.00 Uhr und 21.00 Uhr gingen bei der Leitstelle des Hochtaunuskreises 1250 Notrufe ein. Feuerwehr, Rot Kreuz und Technisches Hilfswerk (THW) rückten nach Angaben der Kreisverwaltung bis Mitternacht zu fast 400 Einsätzen aus. In Bad Homburg steckten Autofahrer in überfluteten Straßen fest. Der Pegelstand des Eschbachs sei binnen kürzester Zeit um zwei Meter gestiegen. In den Hochtaunus-Kliniken drang das Wasser in Tiefgarage und Technikräume ein. Dabei wurden den Angaben zufolge mehrere Autos beschädigt.

In Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) wurde das Erdgeschoss eines Altenheims wegen des Starkregens evakuiert. Die Bewohner wurden zu ihrer Sicherheit in die oberen Etagen gebracht, wie die Feuerwehr mitteilte.

Reichlich zu tun gab es auch für die Einsatzkräfte im Main-Kinzig-Kreis. Insbesondere aus Freigericht, Hasselroth und Großkrotzenburg gingen bei der Leitstelle zahlreiche Alarmmeldungen ein, nachdem die großen Regenmengen für ein Überlaufen von Bächen gesorgt und Keller überflutet hatten, wie die Kreisverwaltung am Freitag mitteilte. Zudem mussten Schlamm und Geröll beseitigt werden, die aus Äckern und Wiesen herausgespült worden waren. Insgesamt 118 Alarmierungen und noch einige Folgeeinsätze beschäftigten die Einsatzkräfte des bevölkerungsreichsten Landkreises bis in die Nacht hinein. Auch Kräfte des Technischen Hilfswerks und kommunale Bedienstete waren an den Einsätzen beteiligt.

Innenminister dankt Einsatzkräften

Nach Angaben des Innenministeriums wurden außerdem im Landkreis Limburg-Weilburg rund 350 Einsätzen, im Landkreis Offenbach etwa 170 Hilfseinsätzen und im Kreis Fulda 70 Einsätze registriert. «Die Nacht von gestern auf heute hat wieder einmal gezeigt, wie schnell Wettereignisse verheerende Schäden anrichten können», sagte Innenminister Roman Poseck (CDU) am Samstag und lobte die Einsatzkräfte. «Ihnen ist es zu verdanken, dass noch größere Schäden und gravierendere Beeinträchtigungen sensibler Bereiche, zum Beispiel in Krankenhäusern, verhindert wurden», sagte er.

© dpa
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