Wolfspopulation in Hessen wächst stetig

04.05.2022 Während sich in Hessen mehr Wolfsreviere bilden, schwelt die Debatte um das Wildtier weiter. Landwirte, Schafshalter und Naturschützer haben dazu unterschiedliche Meinungen.

Zwei Wolfswelpen stehen auf einem Feld. © Torsten Beuster/-/dpa/Symbolbild

Die Wolfspopulation in Hessen wächst langsam, aber stetig. Derzeit seien dem Wolfszentrum zehn erwachsene sesshafte Tiere per genetischem Nachweis bekannt, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Mittwoch in Wiesbaden mit. Im Frühjahr vor zwei Jahren hatte sich die erste Wölfin fest in Hessen niedergelassen.

Obwohl es mehr Wölfe gebe, sei die Zahl der bestätigten gerissenen Nutztiere in den vergangenen Jahren gesunken, erläuterte das HLNUG. «Hessens Wölfe jagen offenkundig fast ausschließlich Wild.» In 18 Fällen habe im zurückliegenden Beobachtungszeitraum 2021/2022 (1. Mai bis 30. April) genetisch bestätigt werden können, dass ein Wolf ein Tier gerissen hat. Darunter seien zwei Fälle bei Nutztieren. «Dabei wurden insgesamt vier Schafe getötet, fünf weitere gelten als verschollen», teilte das Wolfszentrum mit.

In Hessen gab es im Beobachtungszeitraum 2021/2022 sieben Wolfsterritorien, darunter ein Rudel mit zwei Elterntieren und mindestens drei Welpen bei Rüdesheim im Rheingau. Daneben könne es jederzeit durchziehende Tiere geben. Im vergangenen Monitoringjahr gingen mehr als 620 Meldungen bei den Experten ein, dazu gehören Sichtungen, Fotos, Videos und genetische Nachweise etwa an gerissenen Tieren. Bei mehr als 240 dieser Meldungen handelt es sich gesichert um einen Wolf.

Anlässlich des Tages des Wolfes Ende April hatten mehrere Agrar- und Tierhalterverbände eine aktive Regulierung des Wolfes gefordert. Nötig sei eine «Wolfspolitik ohne weltfremde Verklärung und falsch verstandene Wolfsromantik», teilten der Deutsche Bauernverband, die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, der Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter und der Bundesverband für landwirtschaftliche Wildhaltung mit.

«Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Wölfen sorgen sich unsere Schaf-, Ziegen- und Pferdehalter immer mehr um die Sicherheit ihrer Weidetiere», erklärte der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Volker Lein. Die bisher im Raum stehenden Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel höhere Zäune und Herdenschutzhunde seien nicht zielführend. «Der Schutz des Wolfes wird hierzulande über den Schutz der Weidetiere gestellt. Dafür haben wir kein Verständnis», teilte Lein mit. Der Landesverband plädiere für eine Festlegung von Obergrenzen für den Wolfsbestand in Deutschland.

Der Landesjagdverband Hessen forderte grundsätzlich die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht. Vom Wolfszentrum werde zudem erwartet, dass bei Rissen rasch und transparent geklärt wird, ob ein Wolf verantwortlich war, teilte ein Sprecher mit. «Es sollte außerdem dringend in Betracht gezogen werden, ein weiteres Institut zur Auswertung der Proben heranzuziehen, um die Akzeptanz bei den Betroffenen zu fördern.»

Der Naturschutzreferent des hessischen Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen), Thomas Norgall, betonte, dass die Zahl der Nutztierrisse seit drei Jahren zurückgegangen sei. «Mehr Wölfe, aber weniger Probleme. Das ist eine wirklich gute Nachricht», teilte er mit. Der Schlüssel im Zusammenleben mit dem Wolf liege im Herdenschutz. «Hingegen wird die von vielen geforderten Bejagung des Wolfes die Konflikte verschärfen», warnte Norgall.

© dpa

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