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Tierärztemangel sorgt für Probleme in Notdienst-Versorgung

In der Tiermedizin mangelt es an Fachkräften. Laut der Landestierärztekammer Hessen fehlt es an Ärzten und Fachangestellten, während die Zahl der gehaltenen Haus- und Heimtiere steigt. Das hat Folgen für Veterinäre und Tiere.
Tierarzt
Eine Tiermedizinerin hält einen Welpen fest. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Fehlendes Personal bei immer mehr Patienten: In Hessen mangelt es an Fachkräften in den Tierarztpraxen. «Das Problem besteht bereits jetzt und wird sich in Zukunft noch verschärfen», sagt Sabine Tacke, Präsidentin der Landestierärztekammer Hessen. Insbesondere in Großtierpraxen, aber auch in Veterinärämtern, Untersuchungseinrichtungen, Schlachtbetrieben und an Universitäten fehle Personal, was schon jetzt zu tierschutzrelevanten Situationen führe.

«Die Problematik ist vielschichtig», sagt Tacke. Die Arbeit der Ärzte sei körperlich und zeitlich mit Notfällen, Wochenend- und Notdiensten anspruchsvoll. Im Vergleich zu anderen akademischen Berufen würden Tiermediziner schlecht bezahlt.

Auch an Tiermedizinischen Fachangestellten fehle es. Dabei habe sich das Arbeitsaufkommen vor allem im Zuge der Corona-Pandemie deutlich erhöht. «Viele Menschen haben sich in der Zeit ein Haustier angeschafft, das nun versorgt werden muss», sagt Tacke. Neben dem Arbeitskräftemangel erschwerten die starren Regelungen des Arbeitszeitgesetzes eine sinnvolle Verteilung der verfügbaren Arbeitszeit.

Das bestätigt auch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt). Es werde immer schwieriger, Tierärzte im Not- und Nachtdienst zu finden, sagt Geschäftsführer Heiko Färber. «Die Regelbetreuung geht zwar mit längeren Wartezeiten einher, ist aber sichergestellt. Der Notdienst ist die Achillesferse.»

Zum einen gebe es weniger selbstständige Tierärzte als früher. Während sie schon mal bis zu 70 Stunden die Woche arbeiteten, beschränke das Arbeitszeitgesetz die Arbeitszeit von Angestellten auf maximal 48 Stunden. Außerdem steige der Anteil an Tierärztinnen seit Jahren. Rund 85 Prozent der Studierenden seien weiblich. «Sie gehen eines Tages gegebenenfalls in Mutterschutz oder Elternzeit und kehren vielleicht nicht mit voller Stundenzahl in den Beruf zurück.»

Dadurch stehe weniger tierärztliche Arbeitszeit zur Verfügung. Die hohe Arbeitsbelastung bei schlechter Bezahlung, die dauernde Konfrontation mit dem Tod und häufige Konflikte mit Tierhaltern verursachten oft mentale Probleme, sagt Färber. Tiermediziner seien häufiger suizidgefährdet als andere Berufsgruppen.

Die beschriebenen Belastungen kennt auch Katharina Kessler von der Tierklinik Hofheim. Die Einrichtung zählt zu den größten Tierkliniken Deutschlands. «Wir haben riesige Probleme, Fachspezialisten wie etwa Kardiologen, Onkologen und Neurologen zu finden», sagt die Tierärztin. Die Klinik suche sie inzwischen weltweit und werde trotzdem nicht fündig. Auch an Tierärztlichen Fachangestellten mangele es - trotz europaweiter Suche.

Auch Kessler sieht Probleme beim starren Arbeitszeitgesetz. Bei den Not- und Wochenenddiensten müsse ein Team von rund 30 Menschen vorgehalten werden, die in der Woche dann fehlten. «Das ist ein Personalaufwand, den viele Klinken nicht mehr stemmen können. Viele Häuser geben den Klinikstatus ab, um keinen Notdienst anbieten zu müssen. Die paar, die übrig bleiben, zerbrechen unter der Last.»

Zudem beschreibt Kessler eine zunehmende mentale Belastung durch Konflikte mit Tierhaltern. «Sie werden radikaler und fordernder.» Die Ärzte sollten zu jeder Zeit ihre Dienste anbieten, und das am besten umsonst. «Sie sind doch Tierfreunde», laute oft die Argumentation. Zwar schlössen immer mehr Tierhalter eine Tierkrankenversicherung ab, besonders seitdem die Kosten durch die neue Gebührenverordnung gestiegen seien. «Aber noch immer bei weitem nicht genug.»

Auch Nutztierhalter klagen über die angespannte Lage. «Der Tierärztemangel ist auch für die Landwirte spürbar, gerade Notdienste sind ein Problem», sagt Marie-Claire von Spee, Sprecherin des Hessischen Bauernverbands. «Pferdehalter müssen beispielsweise am Wochenende teilweise fünf bis sechs Tierärzte abtelefonieren, bis sie einen Tierarzt finden, der zu einem Notfall rausfährt.»

In der Region Kurhessen könne die Betreuung noch einigermaßen gewährleistet werden, aber nur, weil dort viele Schweinehalter die Tierhaltung aufgegeben hätten. Dadurch relativiere sich der Tierärztemangel etwas. «Viele Tierärzte behandeln nur noch Kleintiere, da sie sich dadurch Wege und Aufwand sparen», sagt sie.

Vor dem Hintergrund der Belastung fordern Tacke und Färber eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes mit einer Umstellung von einer Tages-Höchstarbeitszeit auf eine Wochen-Höchstarbeitszeit mit einer flexiblen Verteilungsmöglichkeit der Arbeitsstunden. Zudem müsse Bürokratie abgebaut werden.

Die Landestierärztekammer fordert überdies zusätzliche Studienplätze. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte spricht sich für ein verändertes Auswahlverfahren aus. «Nach fünf Jahren verlässt ein Drittel der Absolventen den Beruf des Tierarztes für immer», sagt Färber. Das hänge vor allem mit falschen Erwartungen an die Profession zusammen. «Die Universitäten sollten mehr Realität schaffen und nicht ausschließlich nach der Abiturnote und dem Ergebnis des Medizinertests entscheiden.» Derzeit bräuchten Studienplatzbewerber niemals zuvor in einer Tierarztpraxis gewesen zu sein.

© dpa
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