Viel Beifall für «Notre Dame» bei Bad Hersfelder Festspielen

02.07.2022 Gelungener Auftakt in der Stiftsruine: Mit «Notre Dame» hat Intendant Joern Hinkel ein Stück zur Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele gewählt, das aktueller kaum sein könnte. Die spannungsvolle Inszenierung kommt beim Publikum gut an.

Blick auf eine Szene der Medienprobe bei den Bad Hersfelder Festspielen zu «Notre Dame». © Uwe Zucchi/dpa

Viel Applaus und Jubelrufe zum Auftakt der Bad Hersfelder Festspiele: Mit dem Stück «Notre Dame» hat am Freitagabend die 71. Spielzeit des bekannten Theaterfestivals begonnen. Liebe und Leidenschaft, aber auch Ausgrenzung, Rassismus, Vorurteile und Gewalt - Festspielintendant Joern Hinkel zeigt in der Bühnenfassung des weltberühmten Romans «Der Glöckner von Notre-Dame» von Victor Hugo die ganze Palette des menschlichen Mit- und Gegeneinanders.

Das Publikum honorierte die modern gehaltene Inszenierung, die durch dezente und doch wirkungsvolle 3D-Spezialeffekte unterstützt wird, mit minutenlangem Applaus. Besonders für Robert Nikisch als der körperlich eingeschränkte Quasimodo und Anouschka Renzi, die in gleich vier Rollen in dem Stück zu sehen ist, gab es Jubelrufe. Aber auch «Tatort»-Star Richy Müller als düsterer Erzdiakon Claude Frollo und Cathrine Sophie Dumont als Esmeralda wurden mit viel Beifall bedacht.

Mit einem Festakt und einem Bekenntnis zu Frieden, Freiheit und Demokratie waren die Festspiele am Abend eröffnet worden. Die Welt befinde sich im Umbruch, sagte Hinkel dabei mit Blick auf den Ukraine-Krieg. «Alles, was einem sicher war, ist plötzlich unsicher.» In Anspielung auf den Antisemitismus-Eklat bei der documenta fifteen hob der Intendant zugleich hervor: «Die Freiheit der Kunst geht immer nur so weit, wie die Würde anderer nicht mit Füßen getreten wird.»

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte, sie wolle sich dafür einsetzen, dass das Theaterfestival auch künftig die Unterstützung der Bundesregierung erhalte. Victor Hugo, der in seinem Werk gesellschaftliche Ungerechtigkeiten thematisiert hat, sei heute aktueller denn je, sagte Faeser. Das beschäme, sporne aber zugleich an, sich dafür einzusetzen, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Festrednerin war auch die in Kiew geborene Regisseurin und Leiterin des Berliner Dokumentartheaters, Marina Schubarth, die schilderte, unter welchen Bedingungen Künstlerinnen und Künstler in der Ukraine ausharrten, und die sie zusammen mit Gleichgesinnten derzeit nach Deutschland hole, um sie in Sicherheit zu bringen. «Möge der Himmel über Ihnen blau bleiben ohne diesen schrecklichen Rauch, der jetzt über die Ukraine zieht, über die Menschen und die Kunst», sagte Schubarth. «Ich wünsche meinem Land eines: Freiheit und Frieden.»

Erstmals finden die Festspiele in diesem Jahr wieder vor vollen Zuschauerrängen statt, und auch die Promis durften sich wieder ohne Einschränkungen auf dem roten Teppich zeigen, darunter die Schauspieler Götz Schubert und Markus Majowski, Lottofee Franziska Reichenbacher und Ingrid Steeger, die im Rollstuhl und mit ihrem Hund zur Premiere erschien.

© dpa

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